Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 44 (29.10.1926)
- Date
- 1926-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968774-5968931--0768-4877258- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 GEMEINiPEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang das Reich Gottes, das Wort vom Menschensohn, die Glut der Messiaserwartung, diese Ausdrücke sind „der Religiosität seiner jüdischen Vorfahren und Zeitgenossen entnommen", wenn sie auch eine andere Wendung erfahren; nicht mehr mit nationalen und politischen Hoffnungen verbunden, rein geistig und religiös gebraucht werden. Die Urgemeinde der Christen behielt ihren jüdischen Charakter bei; die Kirche suchte von sich aus keine Trennung von der Synagoge und dem Tempel. Wenn nun später doch die Trennung vollzogen wurde, so haben gerade jene, die sie herbeiführten, keineswegs das Judentum verachtet; sie haben nicht allein das jüdische Leben beibehalten, sondern auch mit Stolz davon gesprochen; nur den Heiden galt die Trennung. Aber auch ihnen wurde keine Verachtung des Judenvolkes gestattet. Und so hat die Kirche (die katholische) sich innerlich immer mit der „altbundlichen Lehre", aus der sie stammt, verbunden gefühlt, hat in ihrer kirchlichen Liturgie diese Verbundenheit lebendig erhalten: „den Haß und die Verachtung und gar noch die schroffe Zurückweisung in der Lebensgemeinschaft, die von vielen Seiten gerade in unserem so viel zerspaltenen Volk gegenüber den jüdischen Mitbürgern im Namen des Christentums gefordert wird, kann die k a t h o I i s c Ii e Kirche niemals aufbringen". — Auch Krebs betont durchaus die Besondetheit, die den eigenen Weg des Christentums kennzeichnet; aber durch seine Betrachtungen zieht sich der eine Gedanke der „Dankbarkeit für das, was wir [die Kirche] als Erbgut von ihnen [den Juden] übernommen haben". Wie ganz anders ist der Grundton in den Schriften der meisten protestantischen Forscher unserer Tage, in denen der Mindeiwertigkeit des Judentums der absolute Wert des Christentums gegenübergestellt wird. Da berührt denn die Schrift Kittels besonders angenehm, wenn auch sie noch keineswegs ganz frei ist von diesem Versuche der Hervorhebung der jüngeren Religion. Kittel — und das muß dem Gelehrten besonders hoch angerechnet werden — bekennt mit dankenswerter Offenheit, daß er wissenschaftliche Ergebnisse verzeichnen muß, die früher von ihm vertretene Ansichten berichtigen. Er erkennt an. daß die von uns Juden so oft erhobene Forderung berechtigt war: man kann zur Beurteilung des Judentums nicht das rabbinische Schrifttum missen. Nur, wenn neben AT und NT auch Talmud und Midraschim herangezogen werden, kann man ein gerechtes Bild vom Judentum zeichnen. Je mehr er nach diesen Grundsätzen das Judentum betrachtet hat, desto klarer ist ihm geworden, daß es falsch ist, „durch ^2^xtLla.n.ten.,r^erlen •vbn^soüdem TöpA in allen J^teislagen Gnst&teuslJt vorm. £. Tfoltbuef- Hachf. ----Gegründet /Ö79----- 'Peferssfrasse 7 nuf qeaenubef 5tecknei<-7>QW3q9 Herausaibeitung einzelner, besonders hoher ethischer Maximan die eine Religion der anderen überzuordnen". Alle (thischen Forderungen, in denen man gern die letzte Höhe der neuen Religion erblicken wollte, lassen sich als Lehre und als Beispiel auch rm rabbinischen Schrifttum nachweisen. Die Besonderheit des Christentums besteht vor allem darin, daß es die Absoiutheit dieser Forderungen aufgestellt hat während sie im Spätjudentum doch nur als M ö g I i c h - keit, als etwas Erreichbares erscheinen. — Inwieweit diese Unterscheidung Anerkennung oder Ablehnung erfahren wird, darüber werden die Erörterungen in gelehrten Zeitschriften Klärung zu schaffen haben. Bezeichnend ist es aber, daß die Untersuchung doch auf den Nachweis des Trennenden hinausläuft. Gleichwohl stellen wir mit freudiger Genugtuung die Abkehr von jener grundsätzlichen Verächtlichmachung jüdischer Ethik fest, die nachgerade zu einer Gepflogenheit geworden war. Vielleicht wird man dort zu einer ganz gerechten Beurteilung des Judentums dadurch gelangen, daß man, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, auch das nachtalmudische Schrifttum heranzieht: in ihm wird zutage treten, wie man die Ethik des Talmuds im Judentum verstanden hat; ob da wirklich nur Möglichkeiten und Erreichbarkeiten vorliegen. Die Kitteische Schrift hat für uns in Leipzig besonderes Interesse, weil sie Israel J. K a h a n gewidmet ist, dem großen Kenner und Lehrer unseres Schrifttums, dessen Andenken in weiten Kreisen unserer Gemeinde fortlebt. G. C. l/nfversitätsprofessor 2>r. Xudwig J/em, Die luden in der Philosophie der Gegenwart. Berlin 1925 | Philo- Verlag) Heinrich Jfosin, Die faden in der Medizin. Vortrag, gehalten im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Berlin. Berlin 1926 (Philo-Verlag). Die Tendenz der beiden kleinen Abhandlungen kennzeichnet Rosin dahin, daß „unter tiein Gespött und der Anfeindung seiner Widersacher . . . das Selbstbewußtsein und der Stolz der jüdischen Glaubensgenossenschaft allgemein gelitten" haben, und daß deshalb ihren Gliedern gezeigt werden soll, wie sie 5)er beßannfe ^ubiPopf - $rifeur nur £Tid>arfc £oreti3, 3*rül>l 4 CcrJtÜlajjiae Pamonjalons. Alle nur denkbaren Schönheilsmillel Sämtliche i>eufjd>?n unb fran3öfi{cbcn Parfüme«, (ßroßes i'ager in 3öpfcn, i)aarfcilcn, ^orberfrijuren unb cjan3c pcrücScn. XDorPftaff für allen $ a a r e r j a fj. Prompt ii. | vorzüglich Jc\.2b2Q'i ST€0)P€L ALBERT OTTO lEIPZIG.PIauen$cheStr2 Achtung! ^#3 Milch! ^ttf3 Ab Sonntau, den 31. 10. verkaufe ich in meinem Laden Lohmühlffasse 17, Ecke Eberhardstraße la koschere Rittergutsmilch per Liter 32 Pfennig Dieselbe sowie la irische Butter sind hergestellt unter Aufsicht des orthodoxen Kabbinats der hies. Gemeinde. Lieferung zu jeder Tageszeit frei Haus. Um gütigen Zuspruch bittet Tel 3410 S. Ringelblum Leipzig