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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-10-22 · 43 (22.10.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
43 (22.10.1926)
Date
1926-10-22
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43 Seile 3 Gemeinde Die deutsch-jüdische Jugendbewegung Die von der Ortsgruppe des C.-V. veranstaltete Jugendversammlüng war von Vertretern aller Richtungen in der jüdischen Jugendbewegung gut besucht. Ihr Verlaut hal gezeigt, wie bedeutsam für die Klärung schwebender Fragen die direkte Aussprache ist. Der Referent. Herr Fiiedrich Borcrardt aus Dresden, vertrat den Standpunkt der deutschjüdischen Jugendbewegung. In seinem Referat behandelte er zueist die geschichtliche Stellung der Jugend und erwähnte dabei ihre mannigfachen Verdienste um den Staat, die Kunst und die Wissenschaff. Er besprach den Zusammenbruch der Jugendbewegung im Sinne der Meißner Formel von 1913, dir c folgt ist, weil die Forderung der Jugend nach Mitbestimmung und Selbstverwaltung durch die Republik verwirklicht wurde, und der Jugendbewegung somit der eigentliche Inhalt genommen war. Das führte zu />" splitternng und zur Politisierung. Die jüdische Jugendbewegung muß nun. so lühne er weiter aus. aus dem Zusammenbruch der deutschen Jugendbewegung und des Blau-Weiß gelernt haben, daß jugendbeweglerische Übertreibungen schädlich sind und das Fehlen des Inhalts den Zusammenbruch bedeutet. Dem ureigenen Wesen der Jugend entsprechend muß die jüdische Jugend das Gute und Bewährte der deutschen Jugendbewegung sich aneignen, darf aber hierbei nicht die oberste Forderung außer Acht lassen: Schaffen des Inhalts, das Wissen von Deutschtum und Judentum. Nach einer programmatischen Behandlung dieser Frage kommt der Redner auf die Einstellung zu den anderen jüdischen Jugendoiganisationen zu sprechen. In kurzen Zügen lennt er die zionistische und reutrale Jugendbewegung ab. Bei der Kadimah empfiehlt er Vorsicht, da diese ihre Neutralität erst beweisen müsse. Als notwendig bezeichnet es der Redner, mit der andersgläubigen deutschen Jugend in Fühlung zu treten, um sich kennen zu lernen und gegenseitige Achtung vor einander zu erhalten. Mit einem Appell an die Jugend zur Wahrhaftigkeit schließt der Redner seine Ausführungen. In der daran anschließenden Aussprache nahmen Vertreter der „Kadimah", des Wanderbundes ,.Kameraden", und der national-jüdischen Jugend zu den Ausführungen des Redners Stellung und betonten ihre mehr oder weniger abweichenden Ansichten, Der Teil der Anwesenden, der sich mit den Bestrebungen des Redners einverstanden erklärte, schloß sich zu einer Gruppe zusammen, um die Arbeit nach den vorgetragenen Richtlinien aufzunehmen. QcgenSchuppen "Haarausfall nur Dr. medSandshin '* p^mTJf^^ Izj^j 1^B^*^^mw^^>c^^^^h^/wg Dinp>c>i?inü ie SCHIRM-HAMPEL Das Haus der guten Schirme u. Spazierfföcke HAINSTRASSE 31 Synagogenbesuch von Nichtjuden Das Interesse an unserem Gottesdienste nimmt in niditjildischen Kreisen erfreulicherweise zu; immer häufiger suchen Nichtjuden Kenntnis durch eigei en Augenschein, um vorurteilsloser an jüdische Dinge heranzukommen Am vergangenen Freitagabend nahm eine Anzahl von Studierenden des Instituts für Kirchenmusik im Anschluß an einen von dem Organisten, Herrn Kantor lliller, gehaltenen Vortrag am Gottesdierst in der Gemeindesynagoge teil, Sie sprachen Herrn Gemeinderabbiner Cohn für die Erläuterungen, die er ihnen gab, herzlichen Dank aus und zeigten hohe Befriedigung darüber, daß ihren Gelegenheit gegeben wurde, sich praktisch Kenntnis vom Verlaufe des jüdischen Gottesdienstes zu verschaffen Krach bei den Völkischen Der Centraiverein deutschet Staatsbürger jüd. Glaubens Ortsgruppe Leipzig bittet uns um Bekanntgabe eines Vorganges in unserem Stadtparlament der sicherlich bekannt zu weiden verdient. Die Stadtverordnetenversammlung vom 13. Oktober brachte eine kleine lustige Überraschung. Bei den Völkischen; hat's Krach gegeben, der schließlich damit endete, daß Hunger in der Stadtverordnete nsitzung die folgende Erklärung abgab: Nachdem ich mich in wiederholten Fällen davon überzeugen mußte, daß innerhalb der von mir vertretenen Deutschvölkischen Freiheitspartei sich Zustände herausgebildet haben, die einen aufrechten deutschen Mann zwingen, sich von dieser Partei abzuwenden, erkläre ich hiermit meinen Austritt unter Beibehaltung des /Mandats. Was aber waren die Gründe dieses aufrechten Deutschen, die Fraktion zu verlassen? Gottes Feindschaft gegenüber Hunger vcranlaßtc ersteren zu einer Denunziation. Götte lief zum Polizeibureau und zeigte an, Hunger besitze einen Revolver, und das sei doch nichl recht. Datauf wurde gehaussucht. Gefunden wurde nichts. Aber Hurger brachte die Sache vor die Fraktion in der Hoffnung, nun den Götte zur Strecke zu bringen, Doch die Fraktion konnte sich nicht schlüssig werden, ob sie den Denunzianten Götte oder den der Attentatslust verdächtigen Hunger ausschließen sollte Nun ist Hunger ihnen zuvorgekommen. Nahum Sokolow der Präsident der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hält sich auf seiner Reise von Palästina nach London einige Tage in Deutschland auf und wird 3 Tage, und zwar vom 19. Oktober bis einschließlich 1. November in Leipzig weilen. Sokolow ist weit über die zionistischen Kreise hinaus als Schriftsteller, vor allem aber als einer der hervorragendsten jüdischen Politiker überhaupt bekannt. Wie erinnerlich war Sokolow bei seinem letzten Aufenthalt in Rumänien Gast des KOnigs und hat sich erfolgreich für die Besserung der Lage der rumänischen Juden bemüht. Präsident Sokolow wird am Sonnabend vormittag dem Gottesdienst in der Synagoge Otto- Schill-Straße beiwohnen und am Montag, dem 1. November, in einer großen öffentlichen Versammlung über die Lage in Palästina berichten. ftSf HERMRMM HORRMRMN

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