Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 42 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Das Gemeinschaftsleben der jüdischen Arbeiter macht einen ausgezeichneten Eindruck, die Malaria ist endlich geschwunden und wird durch gute hygienische Einrichtungen ferngehalten. Die Erziehung der Kinder in den sozialistischen Siedlungen erfolgt gemeinschaftlich: infolgedessen ist das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern herzlicher geworden, denn man kommt zusammen, wenn man sich sehen will. — Die jüdische Arbeiterbewegung ist wie jede andere eint Klassenbewegung, aber der Idealismus — betont Fechenbach — gibt ihr ein besonderes Gepräge und ist die stärkste Triebfeder der inneren Erneuerung. Die jüdischen Festtage bei den indischen Arbeitern sind der erhebendste Ausdruck dieses Idealismus. — Nach Fechenhacli spricht Alfred Berger. Er geht auf manchen Funkt erneut ein, macht weitere Ausführungen über die fortschreitende HebraTsierung und die große Krise und weist auf die Bedeutung des „arbeitenden Palästina" hin: der Antisemitismus könne, wenn überhaupt, nur durch dieses überwunden weiden. H.B. Tagung des Jüdischen Frauenbundes, Mitteldeutscher Landesverband, in Leipzig am 4. Oktober 1926 Am Montag, dem 4. Oktober 1926, nachmittags fand die zweite Tagung des Mitteldeutschen Landesverbandes des Jüdischen Frauenbundes in den Räumen der Leipzig-Loge statt. Nachdem die Vorsitzende, Frau Neukamp aus E r f u r t, die Sitzung mit warmen Worten der Begrüßung für die zahlreich erschienenen Delegierten, besonders für das Mitglied des Hauptvorstandes, Frau Paula 011 e n d o r f f, eröffnet hatte, berichtete sie über die segensreichen Einrichtungen, die der Jüdische Frauenbund bisher geschaffen hat, das Tuberkulosenheim, das Heim des jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg, die Pflegestellenzentrale in Elberfeld usw. Eine Dezentralisierung der Arbeit ist durch die einzelnen Landesverbände eingetreten. Zum besonderen Arbeitsgebiet des Mitteldeutschen Landesverbandes gehört es, die Ideen des Jüdischen Frauenbundes in die kleinen und kleinsten Städte zu tragen. Zweck der Tagung ist es, zu beraten, wie diese Arbeit trotz der finanziellen Schwierigkeiten auszubauen ist. Frau Neukamp empfiehlt als Propagandamittel die Blätter des Jüdischen Frauenbundes, den zu Rosch- Haschono erschienenen Kalender, dessen Inhalt ebenso wie sein Außeres viel Beifall findet, und das demnächst erscheinende von Fräulein Aenna Meyer aus Düsseldorf zusammengestellte Kochbuch, sowie die Wohlfahrtsmarken des Rheinisch- Westfälischen Verbandes. Frau Else Cohn begrüßt als Vorsitzende der Leipziger Ortsgruppe die Delegiertentagung in warmen Worten. Sie betont, daß die jüdische Frauenarbeit gerade in kleinen Orten von besonderer Bedeutung ist, weil dort die Aulrechterhaltung jüdischen Lebens durch die Gefahr der Assimilatk n einerseits und die Gefahr der Vereinsamung andererseits stark bedroht ist. Alle Schwierigkeiten lassen sich durch schwesterliches Zusammenhalten überwinden. Tagungen des Jüdischen Frauenbundes erwecken immer ein Gefühl der Freundschaft aller durch die gleiche Idee verbundenen Frauen. t rau Paula 01 i e n d orf I überbringt die Grüße des Hauptvorstandes und hebt hervor, daß sie persönlich, im Gegensatz zu anderen maßgebenden Frauen, nicht die Verbundenheit aller Frauen als wichtigstes Arbeitsziel anerkennt, sondern daß sie die praktische lokale Arbeit an den einzelnen Orten als Haupt- (jegen Schuppen »Haarausfall ziel ansieht. In dieser Hinsicht hat der Frauenbund schon so viel geleistet, daß man ihn sich aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegdenken kann. Praktische Arbeit überbrückt alle Gegensätze. Glücklicherweise ist an die Stelle der Wohltätigkeitsarbeit soziale Arbeit getreten. Hilfe anderen gegenüber empfindet man als eine Pflicht gegen sich selbst. Finanzielle Sorgen waren immer sofort behoben, sobald eine Einrichtung gesund und jüdisch war. Der Bericht über die Leipziger Tagung wird bei der Zentrale in Berlin von besonderer Bedeutung sein, da er anläßlich einer Besprechung des Hauptvorstandes mit einem Londoner Abgesandten vorliegen wird. Diese Besprechung wird dazu dienen, Wege zu linden, um der sittlichen Gelährdung der weiblichen jüdischen Emigranten in den Ländern der Durchwanderung zu begegnen. Frau Dr. Schüftan beriditet als Schriftführerin des Verbandes, daß diesem folgende Vereine angeschlossen sind: Arnstadt, Coburg, Dessau, Dresden, Eisenach, Oera, Gotha, Halle, Leipzig, Mühlhausen, Magdeburg, Meiningen, Nordhausen, Plauen, Sonneberg, Suhl. — Korrespondierende Mitglieder sind: Jena, Weimar, Apolda, Rudolstadt, Sondershausen, Weißenfels, Hildburghausen. — Neu eingetreten sind: Chemnitz und Zwickau.— Ausgetreten ist Bleicherode. Die Arbeit des Verbandes gestaltet sich infolge der finanziellen Nöte besonders schwierig, sodaß notwendige Einrichtungen unterbleiben müssen. Die Jahresbeiträge müssen pünktlich abgeführt werden. Anstelle der erkrankten Kassiererin, Frau Dr. Hirsch aus Gera, erstattet alsdann Frau Dr. Schüftan den Kassenbericht. Frau Selig, Nordhausen, beklagt, daß nur die ältere Generation Interesse an der Arbeit bekundet. Diese Ausführungen rufen eine lebhafte Debatte hervor über den Weg, auch bei jungen Menschen Interesse zu wecken Die Delegierten der verschiedenen Städte schildern die Arbeit ihrer Organisationen und bedauern, daß finanzielle Schwierigkeiten es unmöglich machen, prominente Rednerinnen in die kleinen Städte zu bringen. Frau Dr. Margulinski, Magdeburg, schlägt Zusammenarbeit der verschiedenen jüdischen Frauenvereine eher Stadt, also eine Art Arbeitsgemeinschaft, vor; ferner regt sie an, Arbeitsprogramme in den verschiedenen Vereinen zu sammeln, und wandern zu lassen, um gegenseitig anregend zu wirken. Frau 011end0rfI bezeichnet als das Wesentlichste in jeder Vereinigung die Persönlichkeit der leitenden Frau, da sie der ganzen Verbindung ihren Geist aufprägt. Frau Sander, Suhl, beantragt, daß überall, auch in den kleinsten jüdischen Gemeinden, Gelegenheit zum jüdisdien Religionsunterricht geschaffen werden muß. Die Versammlung ist der Meinung, daß dies nicht Sache des Frauenbundes ist, sondern dem Reichsverband der deutschen Juden vorgelegt werden soll. Die Vorsitzende dankt Frau Sander für die Anregung, sie wird den Antrag dem Vorstand des Jüdischen Frauenbundes Ubermitteln mit der Bitte, ihn im Reichsverband der deutschen Juden zu befürworten, will aber dem Jüdischen Frauenbund Anregung geben, innerhalb der Ortsgruppen Kurse einzurichten, welche die Mutter mit dem Inhalt der Gebete vertraut machen, damit die Ehrfurcht vor dem Worte Gottes in der Erziehung einen größeren Raum einnehmen kann. Ein Antrag der Ortsgruppe Leipzig geht dahin, in den kleinen Gemeinden Lehrstellen für schulentlassene Knaben und Mädchen zu schaffen, um sie den schädlichen Einflüssen der Großstadt zu entziehen. nur Dr. medSandskjt fi i Dose Mk. Vs SANOsreiNeco. on.B h lhpiio omoicnouiü 16 PUR» Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portleren Herrenu. Damengard. 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