Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 42 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, wird am Sonntag, 31. Oktober, vorm. 11 Uhr im Ufa-Theater Kasinolichtspiele, Neumarkt 21-27, erfolgen. Über die Btdeutung dieses Films lesen wir im „Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" (vom 1. Sept. 1926): Klingt es nicht wie ein krasser Widerspruch: Film und Wohlfahrtspflege? Und vollends Film und jüdische Wohlfahrtspflege? Aber der Gegensatz besteht nicht mehr. Der Hlm ist geadelt, das alte Vuiuiieil gegen den „Kicntopp" langst beseitigt. Seitdem vor etwa 16 Jahren die i.erliner „Gesellschaft lür wissenschaftliche Kinematographie" umer Opfern dein Film neue, höhere Ziele wies, hat der Kurbelkasten sich höheren Aufgaben zugewandt, sich von der Alleinherrschaft der Hintertreppen« mar.e, der Verorecherjagden und der Detektivgeschichten freigemacht. Nun der Film sich mit reinen Mitteln in den Dienst der Wohlfahrtspflege stellt, hat er audi sein Bürgerrecht in unserer sittlichen Welt, in der Gemüts- und Herzensregion unseres Volkstums erworben. Äußerlich scheint der Film, der unsere Wohlfal rlspflege darstellt, in das Gebiet der Propaganda- oder Werbefilme zu gehören — und davon haben wir ja so viele. Städte, Kurorte, Landschaften werben durch ihn. Veikehrswesen, Industrien, Gewerbe stellen lockend ihre Betriebe dar — von den mancherlei gröberen Reklamefilmen rieht zu reden. Wenn die jüdische Wohlfahrtspflege es unternimmt, ihr Wirken einer weiteren Öflentlid keit im Lichtbild darzustellen, so ist sie natürlich weit davon entfernt, für sich Reklame machen zu wollen. Werben will sie alerdings Aber „nur" für die Teilnahme am Schicksal der Enterbten, der Stiefkinder des Schicksais, der Verwaisten, Kranken, Blinden, geistig und körperlich Zurückgebliebenen Umso wirksamer werben, je lebens voller und anziehender der Film ist. Und der Bildstreifen „Ein Freitagabend" wirkt überaus fesselnd. Fr ist geradezu als ein geschickt aufgebauter Unterhalt ungb!iIm anzusprechen, wenn man zuftib', daß unsere Aufmerksamkeit dauernd anziehen, unseie Betrachtung, unser Denken beschäftigen die edelste Form der Unterhaltung ist. Der Film nützt und ergötzt zugleich im Sinne des Goelheschen Spruches: Hoch ist der Doppelgewinn zu schätzen: Barmherzig sein und sich zugleich ergötzen. Was diesem Film aber seine ganze, das Gemüt aufwühlende, sich tief einprägende und zur Mitarbeit aufrufende Wirkung verleiht, das ist die verständnisvolle Liebe, mit der sich die Schöpferin des Werkes, Frau Gertrud David, in ihre Aufgabe versenkt und an die Durchführung allen Fifer, alles Geschick gesetzt hat. Der Findruck des nach einem Manuskript von Faul Frank verfaßten Films wird durch die stimmungsvolle Musik aufs Wirksamste unterstützt, die Kapellmeisler Leo Kopf unter teilweiser Verwendung jüdischer Melodien komponierte. Wenn sonst eine Filmvorführung das Ergötzen einer S unde, eines Abends sein mag, hier ist einmal ein Film, der sich tief in unser Gemüt gräbt, der unsere Gedanken dauernd beschäftigt und unser Verhalten dem großen Werk der jüdischen Wohlfahrtspflege gegenüber beeinflussen wird. Franz Schubert-Abend Fs war ein glücklicher Gedanke, diesen vorwiegend für die Lyrik beaniagten und deshalb in den kleineren Musikformen besonders erfolgreichen Tondichter der hingebungsvoll lauschenden Jugend des Abendheims näherzubringen. Der unerschöpfliche Reichtum an melodischer und harmonischer Erfindung, die blühende Frische des Ausdrucks, die künstlerische Veredelung des Volksliedes, all dies macht gerade ihn geeignet, jungen Seelen zum verstehenden Bewußtsein zu bringen, wie die Macht der Töne in eine bessere Welt zu entrücken vermag. So darf der unermüdliche Leiter des Abendheims, Herr Dr. Soloweetschik (dem bei der musikalischen Ausgestaltung des Abends Herr Barnet Licht beratend zur Seite stand), mit voller Befriedigung auf die Veranstaltung zurückblicken. Für das gut gewählte Programm hauen sich ihm in liebenswürdiger Weise als ausgezeichnete Interpreten die Konzertsängerin K. Grund mann (Sopran), der Konzertmeister E. Hering (Violine) und der Lehrer am Leipziger Konservatorium Amadeus Nestler (Klavier) zur Verfügung gestellt; die Firma Blüthner halte uneigennützig einen Flügel überlassen. So waren, nachdem Herr Dr. Soloweetschik in kurzen Sätzen auf die musikalische Eigenart Schuberts hingewiesen hatte, alle Voraussetzungen für eine starke Wirkung des Konzerls gegeben. Der aufrichtige Beifall der Zuhörer legte Zeugnis für das Gelingen des Abends ab. — Schuberts „Deutsche Tänze op. 33 für Klavier" bo en die Überleitung zum Tanz, der die zahlreich erschienenen Mitglieder und Freunde des Abendheims noch manche Stunde zusammenhielt. -st- Palästina von heute [.[Vortrag in der Ortsgruppe der „Poale Zion" Der angekündigte Vortrag fand am 6. Oktober, allerdings ohne die in Aussieht gestellten Lichtbilder, statt. Felix Fechenbach berichtete über das, was er in Palästina gesehen, und was das Gesehene ihn gelehrt hat. Drei Fragen beschäftigen ihr. 1. Welche Interessen hat England an Palästina? Er antwortet: Rein imperalistisbhe Interessen: Palästina, cie Brücke zwischen Orient und Okzident, Stützpunkt zur Beherrschung der Ölquellen des Ostens, der Bagdadbarn, zur besseren Überwachung der ägyptischen und arabischen Küste. 2. Welches Verhältnis besteht zwischen Arabern und Juden? Fechenbach meint: Nie wird Palästina ein jüdisches Land sein, denn die Juden :ind nur ein kleiner Bruch eil der gesamten Bevö kerung. Der noch ist ein gutes Einvernehmen zwischen Juden und Arabern möglich Dieses Einvernehmen wird durch die jüdische Arbeiterschaft geschaffen; denn sie hebt das kulturelle Niveau der Araber durch Gründung von Schulen und verbessert ihre ökonomische läge durch gewerkschaftliche Organisation, dafür sind die Aiaber dankbar. 3. W i e entwickelt sich d a s L e b e n d e r j ü el i - sehen Arbeiter auf den Siedlungen? Die gewerkschaftliche Zentrale befindet sich in dem europäisch angelegten Tel-Awiw, das von den ersten jüdischen Bauarbeitern geschaffen ist. Jüdische Arbei.er aus dem zaristischen Rußland sind die beste Stütze der proletarischen Organisation; denn in Rußland hatte sich früher als in anderen Ländern eine proletarische Ideologie heraufgebildet. Die genossenschaftliche Bewegung ist m.t der gewerkschaftlichen eng verbunden. Den geringsten Einfluß haben die Arbeiler auf die kapitalistischen Rothschild'schen Siedlungen in Petach- Tikwah. Das Wahlrecht ist hier vom Vermögen und einem zweijährigen Mindestaufenthalt am Orte abhängig. (leicr.!■■>■' Wöbe! in größter Auswahl nur solid und pre-iswert Riedel & Böhme KitharinenstraBe 19, l. Etage Aufstellung in 3 lltagtn