Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 42 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 42 Seite 5 Zum Schluß der Sitzung macht die Vorsitzende noch auf das Buch „Aus der Arbeit des Jüdischen Frauenbundes" von Bertha Pappenheim aufmerksam. Es wird beschlossen, der Vorsitzenden des Jüdischen Frauenbundes, Frau Bettina Brenner, einen Gruß zu senden. Damit wird die Nachmittagssit/ung, die durch eine Kaffeepause unterbrochen worden war, in voller Befriedigung beschlossen. Vortrag der Frau Paula Ollendorff-Breslau „Erziehung zur Ehe" Finen glänzend gelungenen Abschluß der Delegiertentagung des Frauenbundes bildete der von der hiesigen Ortsgruppe im Saale des Kaufmännischen Vereinshauses veranstaltete Vortragsabend. Der Name der bekannten Führerin in der jüdischen Frauenbewegung, nicht minder das zeitgemäße Thema, hatten eine stattliche Zuhörerschaft herbeigerufen, die mit lebhafter Teilnahme den Ausführungen der Rednerin folgte. In liebenswürdiger Weise hat uns Frau Ollendorff eine Behandlung des Gegenstandes in unserem „Gemeindeblatt" zugesagt; wir können uns deshalb darauf beschränken, ihre Gedankengänge in großen Zügen zu skizzieren. — Fin verhängnisvoller Umschwung in dem Verhältnis der Geschlechter ist allerorten zu beobachten; tieftragisch ist er für das Judentum, weil er die Basis jüdischen Lebens, Heiligkeit und Reinheit, zu erschüttern droht. Schon mehren sich die Anzeichen, daß das Fheleben in zunehmendem Umfange seine Reinheit einbüßt. Schuld daran trägt der Umstand, daß die bessere Gesellschaft, die in dieser Hinsicht oft die schlechtere genannt werden muß, die innere Bindung zur Religion verloren hat, keinen Idealismus kennt, kein höheres Ziel v >r Augen hat, das ihre Haltung bestimmt. Dazu treten als weitere Ursachen: das Zusammendrängen in den großen Städten, die Unmöglichkeit der Frühehe u. a., und, als das Schlimmste, die Lockerung des Begriffes „Jüdischsein", „I ieiligscin" unter den Frauen selbst. Wenn man nach der Schuldfrage bei den Scheidungen forscht, so erweisen sich meist die Frauen als die Schuldigeren, weil ihnen das jüdische Eheideal bedeutungslos geworden ist. Das Judentum sieht in der Ehe die höchste Vereinigung von Mann und Weib; sie sollen sich verbinden mit dem Willen zur Verantwortlichkeit und zur Dauer ihres Zusammenschlusses; dazu gehört auch das Miteinander der Seelen. Juden leiden aber zu stark an einem Übermaß der Überzeugung von dem Wert der eigenen Persönlichkeit und bringen daher oft nicht die Kraft der Anpassung auf; in der Ehe aber müssen beide Teile ein Stück ihres Selbstbewußtseins opfern, damit eine Einheit erstehen kann. Zur Unterstreichung des Eigenen hat die Frau die Beschäftigung mit der modernen Literatur verleitet, in der recht unreine und deshalb unjüdische Gedanken über Liebe und Ehe vertreten werden. Darum sollte das Augenmerk der Eltern mehr auf die Erziehung ihrer Kinder zur rechten Ehe gelenkt werden. Es muß der Wille zu einer wahrhaften Ehe geweckt und gestärkt werden. Das aber kann nicht besser geschehen als in der häuslichen Gemeinschaft, in der jüdischen religiösen Atmosphäre eines reinen, einträchtigen, vorbildlichen Eheleben der Eltern, wo Vater und Mutter füreinander und gemeinsam für die Kinder leben. Wenn Mädchen durch das häusliche Vorbild zu Ehefrauen erzogen werden, die da wissen, daß sie sich vergessen und im andern aufgehen sollen, daß sie als Hausfrauen ein freundliche? Heim zu gestalten, aber ebenso auch mit Verständnis die Arbeit des Mannes zu begleiten wissen müssen, dann wird ihnen auch die Erziehung zur Ehe i n Prompt u. vorzüglich ST€(I)P€L 9c9^^p897 ALBERT OTTO iEIPZIG.PlauenscheStr.2 Tel.25291 SCHILD6R der Ehe gelingen: verheiratet sein heißt, immer wieder das' Glück des Miteinanderlebens zu erleben und eine Kunst der Steigerung des Glückes zu kennen. Das gelingt, wenn der Wille, den andern glücklich zu machen, stark ist und man sich davor hütet, die Ehe zu alltäglich werden zu lassen. Selbstzucht, V<*.rantwortlichkeitsgefühl, Ehrfurcht herrsche in der Ehe; dann wird sie eine gute, eine jüdische sein! — An einer Diskussion beteiligten sich Herr Rechtsanw. Dr. Goldschmidt, Frau Dr. Hirsch*Halberstadt und Frau Dr. Hadassah Chamiier Leipzig Aus dem Gemeindeamt Kalendarium 15.-23. Oktober 1926. — 7 —15. Chesehwan 5687 1926 Oktober Chesehwan 5687 Freitag 15. 7. S Hinabend 16. 8. Sabbath Lech-I'cho Sonntag 17. 9. Montag 18. 10. Dienstag 19. 11. Mittwoch 20. 12. Donnerstag 21. 13. Freitag 22. 14. Sinnabend 23. 15. Sabbath Wajero Gottesdienste Gemeindesynagoge Sabbathgotlesdienst: Freitag abend 5,15 Unr mit Predigt, die sidi besonders an die reifere Jugend wendet (Rabbiner Cohn); Sonnabend vormittag 9 Uhr, Nachmittagsgebel 5,30 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldmann); Abendgebet (5 Uhr. Wochentags früh 7 Uhr, abends 5,15 Uhr. Voranzeige: Sonnabend, 23. Oktober, nachmittags 3,15 Uhr, jugendgottesdienst. Talmud-Thora-Synagogen Otto Schillstraße 6 u. Keilstraße4 Freitag, 15. Oktober, Abendgebet 5,30 Uhr, nach dem Gebet Schrifterklärung. Sonnabend, 16. Oktober, Morgengebet 8,30 Uhr, Mincha 4 Uhr, Sabbathausgang 6 Uhr. Wochentags M >rgengebet 7,15, Abendgebet 5,30 Uhr. Amtliche Bekanntmachungen der Israelitischen Religionsgenieinde zu Leipzig Mädchenkonfirmation Die Vorbereitungskurse für die Mädchenkonfirmation beginnen im Oktober. Vorbereitung und Konfirmaton sind unentgeltlich. Zur Teilnahme berechtigt sind alle Mädchen, die am 1. April 1927 das 15. Lebensjahr vollendet haben werden, jUngere nur, wenn sie die Schule verlassen, um ins Leben zu treten. Anmeldungen bei Gemeinderabbiner Dr. Goldmann, König - Johann - Straße 17 (Sprechstunde 91.,—11 Uhr vorm., Fernsprecher 21667). Leipzig, den 31. August 1926 Der Vorstand der Isr. Religionsgemeinde zu Leipzig