Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 42 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT l'ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang so geändert, daß zahlreiche Kiemente, denen dies angeblich früher nicht möglich war, wieder abgewandert sind. Die Zahl der Ostjuden in Deutschland dürfte jetzt einschließlich der von den deutschen Behörden wahrend des Krieges hereingebrachten kaum größer sein als vor dem Kriege. So nimmt auch das Wanderungsproblem wieder das gleiche Gesicht an wie vorher. Es gilt vor allen Dinger, das zwecklose Hin und Herfahren zu verhindern. Die einzelnen Gemeinden suchten die iäsiigen Petenten dadurch loszuwerden, caß sie ihnen so schnell wie möglich eine Fahrkarte nach einem anderen Orle gaben, ohne weiter zu prüfen, was denn dort mit diesen Wanderern geschehen sollte. So geschah es vielfach, daß die Wanderer mit immer neuen Fahrkarten nach Ablauf einer geraumen Zeit an ihren Ausgangspunkt zurückgelangten und dann die Wanderung von neuem antraten. Um hier Ordnung zu schaffen, war bereits im Jahre 1909 auf Veranlassung des deutsch-israelitischen Gemeindebundes die deutsche Zentrale für jüdische Wanderfürsorge gegründet worden Sie arbeitete mit einem System von Provinzialkassen und suchte vor allen Dingen die Wanderer nach einem bestimmten Ziel und auf möglichst weite Strecken zu befördern und sie davon abzuhalten, sich die Mittel zur Weiterreise von Haus zu Haus zusammenzubetteln. Nachdem die Tätigkeit der Zentrale infolge des Aufhörens der | Wanderung während des Krieges fast ganz eingestellt war, konnte sie nach dem Kriege den stark einsetzenden Wanderstrom nicht bewältigen. Unter Einwirkung des Arbeiterfür- | sorgeamts wurde deshalb im März 1925 die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise gegründet, die schon jetzt über ein ganz Deutschland umfassendes System von Provinzialstellen verfügt. Für die eigentlichen Durchwanderer und für die Reisenden mit bestimmten Zielen ist hiernach gesorgt Das Problem konzentriert sich jetzt auf diejenigen Wanderer, die ein bestimmtes Ziel nicht vor Augen haben. Bei dem eben geschilderten Material der jüdischen Binnenwanderer ist es nun äußerst schwierig, diesen Hilfe zu gewähren, die über bloße Weiterbeförderung hinaus die Quelle ihrer Notlage beseitigt Die christliche Wanderfürsorge ist beheirscht von dem Gedanken der Arbeiterkolonien. Es sei hier nur an die Tätigkeit des Pastors Bodelschwingh in Bielefeld erinneit. Daneben sucht man in neuester Zeit vorübergehend wenigstens durch die Einrichtung des Arbeitsplatzes zu helfen. Hier hat besonders der Caritasdirektor Dr. Kaus in Elberfeld hiervonagendes geleistet. Die jüdische Wanderfürsorge hatte vor dem Kriege die Arbeiterkolonie in Weißensee bei Berlin, die jetzt aber diesem Zwecke nicht mehr dient. Audi sie beschäftigt sich mit dem Problem, durch Schaffung von Arbeitsstätten den Wanderern wenigstens vorübergehende Beschäftigung zu schaffen. Ihre dauernde Wiedereingliederung | in die deutsche Wirtschaft ist ein Teil des Arbeitsnachweisproblems. Aus unserer Gemeinde Stiftung eines Vorhanges für den Thoraschrank der Gemeindesynagoge (GottschedtstraßO Vor einiger Zeit wurde an dieser Steile der Plan liberaler jüdischer Frauen bekanntgegeben, einen neuen Vorhang für den Thoraschrank der Gemeindesynagoge zu stiften. Die B tte um Spenden fand freundliche Zustimmung. Herr Architekt Haller hat in uneigennütziger Weise einen Entwurf von eigenartiger Schönheit geschalten, sodaß der neue Vorhang hei entsprechender Ausführung zu einem künstlerisch wertvollen Schmuck unserer Synagoge werden wird. Bei Uberprüfung der Kostenanschläge für Material und Arbeit zeigt es sich aber, daß die bisher aufgebrachte Summe nicht annähernd ausreicht, daß vielmehr ein mindestens vierfacher Betrag benötigt wird, wenn eine Beeinträchtigung der Wirkung, wie sie bei minderwertiger Ausführung eintreten muß, vermieden werden soll. Wir richten daher an diejenigen liberalen Frauen, die sich bisher an der Sammlung nicht beteiligt haben, die herzliche Bitte, uns die Vollendung des begonnenen Werkes, das zugleich ein Beweis des Interesses aller liberalen Frauen sein soll, zu ermöglichen. Frdl. Beitrage werden erbeten an Fi au Rabbiner Else Cohn, Lohrstraße 10. Auch die Unterzeichneten sind gern zur Entgegennahme von Spenden bereit. Das Komitee Mathilde Abraham, Cüthener Str. 54, Martha Baumann, Thomasiusstr. 2. Flora Calw, Koniu-Johann-Str. 19, Betty Cohn, hlsterstr. 24, fclse Cohn, Löhrstr. 10, hva Uoldmann, K6ni«-Johann-Str. 17, Frieda Goldschmidt, Humboldstr. 9, Emilie Jatfe, Poniatowskistr. 10, Johanna Joske, Ferdinand- Khode-Str 23, Kosi Lampel, König-Johann-Str. 23, Susanne Markendort, Christianstr. 29, fclse Müller, HardenberKStr.1l, Antonie Oesterreicher. Uustav-Adolt-Str. 27, Hedwig Opoe, Halltsdie Str. 29, Fanny Rosenthal, Auenstr. 19, Selma Lfry, Wächterstr. 32. Tilli VVohrizek, Auenstr. 3. Arbeitsgemeinschaften des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig Die Arbeitsgemeinschalten über Bibelkunde, geleitet von Frau Anna Neumann, und über Moderne jüdische Literatur, geleitet von Frau Hadassah Chamizer, die im vorigen Jahre so viel Anklang gefunden haben, werden in der nächsten Woche wieder aufgenommen. In der Arbeitsgemeinschaft „Bibelkunde" wird die Zeit der Erzväter behandelt werden; in der Arbeitsgemeinschaft „Moderne jüdische Literatur" wird über Werke von Wa ter Rathenau, Lewinsohn, Galsworthy usw und die sich daraus ergebenden Probleme gesprochen Wir verweisen auch an dieser Stelle auf die unter den „Vereinsnachrichten" allwöchentlich erscheinenden näheren Ankündigungen. Ausstellung und Verkauf von Handarbeiten jüdischer Frauen veranstaltet vom Sdiwesternbund der Leipzig-Loge Der Schwesternbund der Leipzig-Lope beabsichtigt, Mitte November eine Ausstellung von Handarbeiten und kunstgewerblichen Gegenständen, die von jüdischen Frauen selbst verfertigt sind, zu veranstalten. Die Ausstellung soll eine Woche dauern und dem Publikum Gelegenheit geben, Einkäufe für Chanukkah zu machen. Es wird so Damen des Mittelstandes eine günstige Gelegenheit gegeben, eigene Arbeiten zum Verkauf zu bringen. Anmeldungen von Damen, welche die Ausstellung beliefern wollen, nimmt entgegen und nähere Auskunft erteilt die Vorsitzende des Schwesternhundes der Leipzig Loge. Frau Fanny Rosenthal, Auer Straße 19 (Tel. 23488) Montag vormittag 10—12 Uhr Mittwoch nachmittag 2—4 Uhr, und nach telephonischer Vereinbarung auch zu anderer Zeit. Der jüdische Wohlfahrtsfilm: Ein Freitagabend Während der jüdischen Tagungen, die anläßlich der „Cesol ei" in Düsseldorf abgehalten wurden, erlebte der Wohllahrtsfilm „Ein Freitagabend" seine Uraufführung. Wie seinerzeit hier angekündigt wurde, werden wir auch hier den Film kennen lernen. Seine Vorführung, veranstaltet von der hiesigen