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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-09-10 · 37 (10.9.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
37 (10.9.1926)
Date
1926-09-10
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT PER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2 Jahrgang in einem in meinem Besitze befindlichen Werkchen „Taame Hamizwaus". das sich die spezielle Aufgabe stellt, dem Grunde jedes frommen Brauches und seinen Besonderheiten nachzuspüren, ist darüber nichts gesagt. Wohl aber wird dort von großen und berühmten Rabbinern berichtet, die sonst immer von Jüngern und anderen Getreuen begleitet waren, daß sie gerade zu Taschlich alleine gegangen seien. Da habe sich's einmal bei Rabbi Jesaja Wen s. A. ereignet, daß ihm jemand ans Flußufer nachgeschlichen sei; der Rabbi habe sidi beim Geräusch der Fußtritte umgewandt und den Anderen nach seinem Begehr gefragt, worauf dieser erwiderte: „Rabbi, die Sünden, die d u von dir wirfst, möchte ich gerne auffangen — mehr wünsche ich nicht". Ob man danach nicht vermuten darf, daß der Rat, sich nach außerhalb der Stadt zu begeben, bedeute, daß man sich möglichst vom Wohnsitz der Menschen entfernen, Aufsehen vermeiden, und die Blicke Unberufener und Unverständiger nicht auf sich ziehen solle? Wir tragen ja auch sonst unser Gebet nicht auf die Straße, kennen ja keine Umzüge und Prozessionen und suchen für die Zwiesprache unserer Seele mit unserem G'tt allseits umschlossenen Raum, getreu dem Worte der Schrift, daß man „zurückgezogen wandeln solle mit G'tt". Für die ..Fische im Wasser" fehlt es an Gründen nicht. Man solle durch sie an das Wort des Koheles erinnert werden: „denn es weiß nicht der Mensch, wann seine Stunde schlägt, gleich den Fischen, die gefangen werden im Netze des Unheils". Der Anblick der Fische solle ferner den Segen Jakobs in Erinnerung bringen, den er seinen Enkeln Ephraim und Menasche erteilt, sie sollen sich „wie die Fische" mehren inmitten der Erde, ein Vergleich, der folgendes besage: Die Fische vermehren sich unter der Oberfläche des Wassers, ohne daß ein böser Blick sie trifft; so wünscht der Patriarch, daß seine Enkel wachsen, blühen und gedeiher, sidi mehren und ausdehnen auf allen Gebieten — aber geräuschlos, ohne die Augen anderer aufzureißen, ohne die Blicke Unbeteiligter auf sich zu ziehen, Neid zu wecken oder Mißgunst rege zu machen. So soll den Tasdilidibetenden der Gedanke durchzucken, daß das uns auf Erden gewährte Bürgerrecht uns nur „auf jederzeitigen Widerruf" erteilt ist, daß wir daher Veranlassung haben, mit unserem Besitz niemand ins Gehege zu kommen, bei unserer Ausdehnung auf Erden in so bescheidenen Grenzen zu bleiben, daß kein „Ajin Hora" uns treffe, unsere Mitlebenden nicht zum Arger und unfreundlidier Gesinnung gegen uns gereizt werden. Aus alledem geht doch wohl zur Evidenz hervor, daß es nichts Geringes ist, um einen alten jüdisdien „Minhag", daß die Palästinenser Recht hatten, als sie zu den Babyloniern die feierliche Botschaft sandten: „Nehmet Euch in adit mit den geheiligten Bräuchen Eurer Väter". Tasehlichmadien ist kein Qegsn Schuppen vHaarausfall nur Dr. nndSandstmBC£ m i I I fTi^fff Dose Mk. ff* M SANOSTfiNCrC 6 M.B H UlPtl(~> O'VDICfDlNü 16 ^yö^^<^r>[ rßor?L>l(an,&ifta/I unb tölasyi ßmif bei Lohmen! hQ )Kcrk Sir bas! X&S*^1^ jnen/ Gesetz, es steht bei weitem nicht auf der Stufe eines solchen und ist z. B. mit dem Schauforblasen nicht in einem Atemzug zu nennen. Aber ein durch die Väterüberlieferung geweihter, durch die Jahrhunderte geheiligter Brauch ist es, dem niemand sein wohlerwerbenes Heimatrecht in Israel streitig machen dari. Und wer ihn übt, diesen Brauch, und die durch ihn geweck ten Ideen in seinem Innern Gestalt gewinnen läßt, der träg; gewißlich von seinem kurzen Verweilen am Flußufer in der Nachmittagsstunde des heiligen Tages reichen Gewinn für Herz und Seele mit nach Hause. Aber eine Hinzufügung möchte ich machen. Gerade die zuletzt entwickelten Gedankengänge legen uns bei Übung dieser Mizwa eine gewisse Reserve, bescheidene Zurückhaltung auf. Selbst wenn die Atmosphäre nicht, wie sie es doch leider G'ttes nun einmal unbestreitbar ist, von Judenhaß geschwängeri wäre, selbst wenn eine religiöse Übung der Juden nicht, wit wir es mit Bedauern konstatieren müssen, immer der Mißdeutung ausgesetzt wäre, auch dann wäre es geboten, An Sammlungen zu meiden, die Neugierde der Andersglaubenden die erfahrungsgemäß so schnell in Spott und Hänseleien übergeht, nicht hervorzurufen. Die Scharen betender Juden locker. Scharen aufmerksam werdender Passanten an, die gar zu leicht geneigt sind, irgend einen mystischen Aberglauben hinter unserer heiligen Sitte zu suchen. Wir brauchen der albernen Meinung nicht Vorschub zu leisten, mit der Törichte und vorschnell Urteilende ohne weiteres bei der Hand sind, als ob die Juden den Fluß anbeteten, ihren G'tt im Wasser suchter und dergleichen ungereimtes Zeug mehr. Männer, die es gut meinen mit der jüdischen Ehre uno gerade der religiösen Überzeugung gesetzestreuer Juden mi: der allergrößten Achtung begegnen, sind in der gegenwärtigen Zeit besorgt und ängstlichen Gemüts; sie haben mich um der Hinweis gebeten, der mit diesen Zeilen gegeben werden soll Ich kann mich der Berechtiguug ihrer Besorgnis nicht verschließen und lege deshalb allen Gesinnungsgenossen die Bitte ans Herz, mit unentwegter Treue festzuhalten an de; jüdischen Pflicht, bei ihrer Ausübung aber die Vorsicht, Be scheidenheit und Reserviertheit walten zu lassen, die nicht nur ein Gebot der Stunde, sondern auch das beste Zeichen auf richtiger und verinnerlichter Religiosität ist. SCHIRM-HAMPEL Das Haus der guten Schirme u. Spazierfföcke HAINSTRASSE 31 fyc*«*** VviD IVtVl "^**n^ ■ IwT* mÄPwI « =ßf,( ff 91 1 V2hbB « 5?J La *l RÖTHER&KUNTZE ä <ä. Quo/lföf es. Torrn t-avs //»'/<-» s/'</. iDenfcbar tjtjrtstigfStc ^Ve/se. itf/em ersse .^.or/>/c/Aj.gK3 o^e/o/cry^ tr~. 7. 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