Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 33 (13.8.1926)
- Date
- 1926-08-13
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Broschüre wendet sich gegen eine Eingabe des Münchener Tierschutzvereins an den bayerischen Landtag gegen das rituelle Schächten. Sie ist in vornehmem, gründlich wissenschaftlichem Geiste gehalten und enthalt in Kürze alles, was irgendwie vom Standpunkte des Juden und der Wissenschalt aus über das Schachten zu sagen ist. In Bezug auf die religiöse Verbindlichkeit der Schächtvorsdiriftcn lesen wir dort folgendes: „Gegenüber falschen Anschauungen und unrichtigen Darstellungen erklären die Rabbiner Deutschlands: „Die rituelle SchlaVhtmethode ist eine religiöse Satzung des Judentums, die im biblischen und nachbiblischen Schrifttum ihre Begründung hat. Dieser Satzung gemäß darf ein Tier nur geschlachtet werden, wenn es in keinem seiner wesentlichen Organe verletzt ist. Die Bttäubung durch Gehirnschlag, Schlachtmaske usw. würde son it einem Verbote des Schächtens gleichkommen und Hunderttausende von Bekennern des jüdischen Glaubens zwingen, auf den Genuß eines der wichtigsten Nahrurgsmittel zu verzichten, um nicht ihr Gewissen durch Übertretung einer Religionssatzung zu belasten". „Der Talmud selbst bezeichnet ausdrücklich als die Quelle dieser Vorschrift ein neemar lemoscheh misinai, d. h. ein dem Moses vom Sinai erteiltes Gebot (Trakt. Chulin 42a, vgl auch Siphra 3, Kap. 174 und Leviticus rabba 13. 4.)". Die Votschriften, deren Einhaltung nach den religionsgesetzlichen Quellen des Judentums in Bibel und Talmud als Voraussetzung für die religiöse Wirksamkeit des Schächtens bezeichnet ist. werden von den religiösen Instanzen des Judentums ausnahmslos als bindend noch heute anerkannt und beachtet. Zu diesen Vorschriften aber gehöit das Gebot der Verletzung der Gehirnhaut durch Schlag oder Schuß vor dem Schächten. Im Weiteren wird dann die Frage behandelt: „Ist das Schächten eine Tierquälerei?" und in Bezug auf die Vorbereitung zum Schächten wird aus den zahlreichen Äußerungen ernster Sachkenner ein Gutachten angeführt der tierärztlichen Hochschule Hannover, des Direktors Prof. Dr. Dammann, der Mitglied der Technischen Deputation für das Veterinärwesen ist, der mehr als hundertmal dem Schächten beigewohnt hat, also nicht als ein bloßer Theoretiker zu erachten ist. Dieser sachverständige Mann spricht sich folgendermaßen aus: „Ebensowenig wie der Schächtakt selber kann das vorbereitende Verfahren ein tierquälerisches genannt werden, vorausgesetzt, daß es in korrekter Weise zur Ausführung gebracht wird. Freilich, wer enragierte Schächtgegner schildern hört, wie die zur Schlachtstätte geführten Tiere infolge des Blutge- /' ^^y^^*^***' f "\ ^jmu*2^ \ US/L*«/f-ms UofiM*/.,» - ^;l|^r^&' Ma^ j^^u'/tif^y^.^ ifi&Um, ZU- ^m*f-+£~~~t/ , /i-ty — f?%ri(*+y- 2lr * t l,fs f S . .S s -*». ^r~ri***-n*rT M*0■ i £t*UfiS(/ «J»/ •i^riftjy+'S 4:4*** f n.it~*—- si/r*^***- <J&A j/i <%yU~~~*fr.t f-r^r/f^' TT' fJ&- PHOTO-ARBEITEN bis 10 Uhr vorm. gebracht, sind 0 Uhr abends fertig. ruches und des Anblicks der entseelten Genossen von Todesangst gepackt, wie sie geknebelt und gewaltsam zur Erde geworftn werden, sodaß innere Verletzungen, Rücken-, Beeken- und Hörnerbrüche die Folge seien, wie der Kopf gewaltsam umgedreht wird und das Schlachtopfer in der gezwungenen Lage schwere Qualen auszustehen hat, sodaß es oft über und über mit Angstschweiß bedeckt sich zeigt, — der mag wohl von SchaiiHpr durchrieselt werden und geneigt sein, der ganzen Prozedur den Stempel einer unverantwortlichen Grausamkeit und Rohheit aufzudrücken. In Wirklichkeit liegt die Sache aber ganz anders. Zunächst besteht der die Todesangst veranlassende Effekt des Blutgeruches und des Anblickes toter Genossen lediglich in der Einbildung des Erzählers. Ich habe an dem gestrigen Tage in dem hiesigen Schlachthause, nachdem bereits 70 Rinder geschlachtet waren und reichliche Massen von Blut sich auf den Boden ertossen hatten, Ochsen und Bullen, allerdings durch Augenleder geschützt, hereinführen und über eine Viertelstunde ruhig dastehen teilen, uhne daß sie auch nur die geringste Spur von Unbehagen oder Aulregung dokumentierten, und genau dasselbe habe ich anderwärts wahrnehmen können, wenn sogar der Anblick der geschlachteten Stücke, ja auch des Schlachtens selber unbenommen war. Wer das Fesseln und Niederwerfen als barbarisch biandu.arkt, der muß logischerweise auch jedes Werfen von Pferden und Rindern, wie es der Tierarzt zu therapeutisch-operativen Zwecken tagtäglich vornimmt, als einen tierquälerischen Akt kennzeichnen, woran doch sicherlich noch niemand gedacht hat. Verletzungen mögen beim Niederwerfen ganz ausnahmsweise einmal vorkommen, aber jedenfalls sind sie reine Raritäten. Ich habe mehr als hundertmal dem Schächten beigewohnt, ohne daß ich jemals das Eintreten von Brüchen oder inneren Laesionen dabei konstatieren konnte, und von Schlachthaustier ärzttn ist mir ein Gleiches berichtet worden. Das Wenden des Kopfes endlich aul die Stirn und des Halses auf den Kamm kann erst redt nicht als eine Marter angesehen werden, da das Tier, wenn es bewirkt wird, sich doch bereits in der Rückenlage oder in einer Rückenseitenlage befindet. Gewiß wird man einräumen dürfen, daß manche Tiere bei dem Werfen in Erregung geraten und wenn sie gefesselt daliegen, sträubende Bewegungen ausfuhren, wie man es in gleicher Weise bei dem Niederwerlen zum Behufe operativer Maßnahmen gelegentlich beobachten kann. Aber diese Erscheinungen sind nicht etwa durch Furcht vor dem Geschlachtetwerden veranlaßt, sondern sie stellen lediglich Reaktionen gegen den störenden Eingriff und gegen die unbequeme Situation dar. Der Mensch, welcher weiß,, daß das Tier ins Jenseits belördert werden soll, mag Qualen dabei empfinden, besonders, wenn die vorbereitenden Manipulationen sich ungebührlich lange hinziehen. Bei dem Tiere kann man hierbei aber von Todesangst auch nicht mit einem Scheine von Berechtigung reden. Wer diese in dem Auge des Tieres liest und aus dem angebiidien Angstschweiß herausdeutet, der sieht und deutet zu viel. Nichtsdestoweniger bin ich weit dav„n entfernt zu bestreiten, daß auch Fehler bei dem vorbereitenden Verfahren vorkommen, aber sie sind nicht der Methode an MMfaB---- £3 B i<5 B H B W B IS* Oberkanlor Speklor in der „Ahawas Thora" Der Verwaltung des Vereins „Ahawas Thora" (Färberstr. 4 b) ist es gelungen, Herrn Pinie Spektor als Vorbeter für die bevorstehenden hohen Feiertage zu gewinnen. Hs ist hiermit dem Wunsche weiter Kreise Rechnung getragen, den auch als Komponist berühmten i;n mit seinem Chor an den D'NTil W zu hüren. Die luftigen, treundlidien Räume der „Ahawas Thora"- Synagoge sind an den hohen Feiertagen mit Recht bevorzugt; es ist daher anzuraten, Karten ehestens zu bestellen. Die Preise sind niedrigst gehalten, bei M 10.— beginnend. Bestellungen aui Platze werden entgegengenommen: täglich 9-12 und 0-8 Uhr im Hüro des Vereins, Färberstr. 4-0 (Tel. 17309). in Ausnahmrf.illen sind auch die Herren E. Kestenbaum (Tel. 27811) und J. Ste.n (Tel. 23783 bereit. Bestellungen entgegenzunehmen. te H & ss VJ M 8 g e 8 $3