Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 32 (6.8.1926)
- Date
- 1926-08-06
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 2. Jahrgang Unternehmen, das der s^eistiijen Fortbildung und Entwicklung seiner Leser dienen soll, mehr erwartet!" Weil wir unverbesserliche Optimisten waren und es jedem recht machen wollten, erging ein Aufruf, in welchem unsere werten Leser zur eifrigen Mitarbeit am Gemeindeblatt aufgefordert wurden. Nun setzte das große Schweigen ein! Uber allen Wipfeln war Ruh' — kein einziger Mitarbeiter meldete sich aus der Schar der scharfen Kritiker. Daher ging man an einige als geeignet erscheinende Persönlichkeiten heran und bat sie um Beitrage, jetzt erlebte man erst recht seine blauen Wunder: der eine reiste eben ab und der andere kam soeben an, zwei Gründe zur Absage, die ohne weiteres einleuchten müssen. Der drille halte wohl Stoff, aber, wie er sdiämig eingestand, keinen Stil, während der vierte nach seiner eigenen Aussage .'war über einen glänzenden Stil, aber über ktinen Stoff verfügte. Kandidat Nr. 5 fürchtete sich vor der liebevollen Kritik seirer Glaubensgenossen (wie recht haue der Mann!), wahrend Nr. 6 bereitwillig und ohne Zobern einen Artikel zusagte, ihn aber trotz ungezählter Mahnungen niemals tieliefert hat. So blieb den Redaktionsmitgliedern schließlich nichts ai - deres Übrig, als ihre Zeitung allein zu schreiben, was zwar viel Arbeit macht, aber dafür auch wohlwollende Beurteilung einträgt: ..Die Redaktion liest sich wirklich zu «eine! Immer wieder die gleichen Leitartikler! Könnte man nicht einmal einen anderen zu Wort kommen lassen? Das latt scheinbar der Autorenstolz jener Leute nicht zu!" Nach urd nach findet man sich, wenn audi manchmal zähneknirschend, mit all diesen Beanstandungen ab: man wird allmählich dickfellig, und das ist ein Glück im journalistischen Beruf. Noch auf ein anderes Gebiet sei die Aufmerksamkeit gelenkt, nämlich aul die personlichen Bitten aus dem Leserkreis. Da hat eine Mitbürgerin einen begabten Großneffen in Kvritz an der Knatter, der dort im Wohltätigkeitskonzert des Vereins „Eintracht" eine Sonatine von Schubert vorspielte Die Lokalpresse lobte die vorgeschrittene Technik und den seelenvollen Anschlag des jungen Kürstiers, der von der Vorstandschalt besagten Vereins durch eil ei Lorbeerkranz geehrt wurde. Dies wellerschütternde Ereigl S soll nun aul Wunsch der ehrgeizigen Tante durch das Gemundeblatt der st;.uncnden Mitwelt verkündet werden. Der schüchterne Einwand, daß lokales Interesse bei dieser Sache nicht vorhanden sei, lost bei der Bittstellerin lodernde Umrüstung aus. Sie macht einige abfällige Bemerkungen über die Langweilig- und Inhaltlosigkeit unserer Zeitung, setzt sich aufs Sofa und nimmt übel. Ein anderes Bild! Einer unserer Leser schickt aus der Sommerfrische ein herrliches, selbstverfaßtes Gedicht, in welchem sich „Herz" auf „Schmerz", "Lust" auf „Brust* sinnig reimen. Man \erweigerl wegen „Kaummangel" die Aufnahme. Nun geht's los! „Das ganze Jahr hat man für die Gemeinde die hohen Steuern und die vielen Vereinsbeiträge zu bezahlen. Wenn man aber selbst einmal etwas von ihr will, dann versagt sie natürlich 1'' Und der verkannte Dichter setzt sich aufs Sofa und nimn i gleichfalls übel. Seil man von den liebenswürdigen Briefen erzählen, die einlaufen wenn mau am Manuskrip1 eines hinsei ders eine kleine notwendige Änderung vorgenommen Tal? Oder \on den Beleidigungen, die herniederhageln, wenn man scheinbare Verdienste nicht genügend würdigt? Und von den Verdäu. igungen, deren man ausgesetzt ist. wenn man da lobt, wo nach Ansicht des pp. Nörglers nichts zu loben is? Von den Benachrichtigungen und Mitteilungen aus totsicherer Quelle, für deren Zuverlässigkeit ..man' persö dich einsteht, und die nach ihrem Erscheinen der unglücklichen Redaktionskommission eine Fülle von Unannehmlichkeiten oder gar gerichtliche Klagen bringet? |a. es ist ein ahwechslungsreidies und dankbares Geschäft, das Redaktionsgeschäft, und es gehört in merhin eine ordentliche Portion Selbsiemäußerung dazu, um nidu die gute Laune gründlich m verlieren. Aber die ist gliicklidierwe^e in der Redaktionsstube unseres Gemeindeh!atUjs in genügendem Maße vorhanden. Deshalb wird besagte Redakti« nskommission auch weiterhin bemüht sein, ihren Leserkreis, der jetzt durch das Hinzukommen der Lürther Gemeinde eine willkommene Erweiterung erfahren hat, zufriedenzustellen. Es wird nidit an ..Niveau" und nicht an „Popularität" fehlen, „fleißige Mitarbeiter" sind nach wie vor hoch willkommen und „Zuschriften aller Art" werden bereitwilligst aulgenommen. Sollte trotzdem die herbe Kritik nicht schweigen, so trösten wir uns eben mit dem Spridiwort: „Iis sind die schieditesten Früchte nicht, an denen die Wespen nagen"! Aus unserer Gemeinde Neues Heft der „Zedakah" Die Verhandlungen der Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen luden vom 6.—H. Juni in Düsseldorf werden in einer Sondernummer der Zedakah (Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege) veröffentlicht. Außer den Vorträgen bei der Tagung und in den Arbeitsgemeinschalten der jüdischen Tuberkuloseiürsorge und jüdischen Gefährdetenlürsorge wird die Zedakah auch die Begrüßungsansprachen enthalten. Der Preis der Nummer (ca. 50 Seiten) ist M 1,50. Bestellungen werden an die Geschäftsstelle der Zentralwahlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin C 2, Rosenstraße 2-4, baldigst erbeten. ^^^^^^S^^rn^^ig ^^^^^^^^M^M^M^U^^^^^WMMxO 16 Die ordentliche Generalversammlung des Jüdischen Studentenvereins in Leipzig Am 24. Juli tand die ordentliche Generalversammlung des Jüdischen Studentenvereins in Leipzig statt. Herr Dipl. agr. Kajdan beriditete über die finanzielle Tätigkeit und Herr cand. phil. Schächter gab einen Überblick über die Organisations- und Kulturarbeit des Vereins. Man muß es schon den energischen jungen Leuten im Vorstand zugeben, daß es ihnen innerhalb ihrer kurzen Amtsperiode gelang, eine segensreiche und produktive Tätigkeit zu entfalten. So hatte er, dank seiner guten Beziehungen, die er mit dem „Verband jüdischer Studentenvereine in Deutschland e. V.", i der jüdischen Gemeinde und der Logen in Leipzig, den Herren Rabbiner Dr. Goldmann, Eitingon, Nussenow (Ehrenmitglieder «SÄ HERfARNN HORRfARNN £2*