Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 31 (30.7.1926)
- Date
- 1926-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 2. Jahrgang Es kann daher zusammenfassend nur gesagt werden, daß schwere äußere Hemmnisse wirtschaftlicher und technischer Natur sich der jüdischen Stellenvermittlung entgegenwerfen. Sie werden aber noch überboten durch die inneren Gründe, die die Vereinigung jüdischer Arbeitgeber und -nehmer so stark behindern. Vielleicht ist es aber doch möglich, durch rechtes Veistehen der Piobleme, die zweifellos in den Verhältnissen und in den .Menschen ließen, hier Abiilfe zu schaffen. OrttRere Bereitwilligkeit der Kreise, die hier ratürlich die Entscheidung in Händen haben, würde doch wohl ab und zu zu einem weit energischeren Eingreifen führen müssen, als es bisher der Fall ist. Auf der anderen Seite käme eine vollkommene Kiars'ellung der Recht und Pflichts«iten der Arbeitnehmer in Betracht, die sich mehr auf diesem so wichtigen Gebiet erreichen ließe. Die große Arbeitslosigkeit, wie sie im ganzen Reich und auch in Ostpreußen besteht, könnte sich vielleicht doch in etwas lindern lassen Es müßten sich dann überall die jüdischen Steilenvermitt'unten zu gat z anderen Faktoren in der sozialen Arbeii unserer Gemeinden auswachsen — anknüpfend an die Erkenntnis, daß Arbeitsvermittlung das Wohlfahrtsgebiet ist, das allein durch seine aufbauende Tätigkeit das leistungsfähigste ist Die erste Weltkonferenz jüdischer Invalider Im Danziger Schützenhaus wurde am 15. Juli die erste Weltkonferenz jüdischer Kriegsinvalider eröffnet. Erschienen waren mehr als 60 Delegierte aus vielen Ländern. Mehrere der Dt legierten sind selbst Sdiwerkriegsverletzte, man bemerkt unter ihren Vollblinde, Beinlose und ähnliche Invalden. — Die Konferenz wurde von einem Vertreter der Danziger Regierung, von mehreren ausländischen Persönlichkeiten und von allen öffentlichen jüdischen Institutionen Danzigs begrüft. Auch hatten fast alle Konsuln im Namen ihrer Regieruugen Begrüßungsschreiben gesandt. Der Delegierte aus Amerika, Ziprinsky, eröffnete die Konferenz mit einer Ansprache, in der er darauf hinwies, daß schon im Jahre 1924 die Idee der Schaffung eines Weltverbandes jüdischer Invalider reif gewesen war, roch aber gab man sich der Hoffnung hin, daß die jüdischen sozialen Ins itutionen der Lage der unglücklichen jüdischen Kriegsopfer das gebührende Interesse zuwenden werden. Diese Hoffnung hat getrogen, die jüdischen Invaliden aller Länder müssen zur Selbsthilfe greifen urd sich zu einem starken Verband vereinigen, der sich mit der Besserung des Loses des jüdischen Invaliden, der in allen Ländern, rechtlos und verlassen, eine tieftraurige Existenz fr^ten muß. Der Antisemitismus macht keineswegs vor dem jü. Sitten Inva'iden Halt, insbesondere hat der jüdische Invalide i it.T dem offiziellen Antisemitismus in vieler Ländern zu leiden Oft wird er gegenüber dem nichtjüdischen h validen in krassester Weise zurückgesetzt. Der Vorsitzende regte an. daß die Konferenz eine Abordnung nach Amerika entsendet, die die Mission haben soll, die amerikanische Judenheit über die Nöte der jüdischen Invaliden zu informieren. Nach der Lröffnungsrede des amerikanischen Delegierten Ziprinsky hielt der Abgeordnete des polnischen Sejm, Heller, eine großangelegte Rede, in der er ausführte, die Konferenz wolle nicht eine r.cue A!moscrar.sta!t schaffen, sondern nach Mitteln für konstruktive Hilfe suchen, da der Invalide, obwohl von schwerer physischen Leiden heimgesucht, produktiv sein will. Noch immer glaubt die Welt, der Invalide müsse von Almosen leben. Damit will die Danziger Konferenz brechen und die neue Losung proklamieren: Organisation der jüdischen Invaliden aller Länder zwecks Aufbauarbeit. — Hierauf hielt der Krakauer Invalide Dr. Bachner eine Gedenkre ie aul die im Weltkriege gefallenen jüdischen und nichljüdischen Soldaten, die der Kongreß stehend anhörte. — In das Präsidium wurden sodann Dr. Bachner (Polen), Pojanoff (Bulgarien) und Ziprinsky (Amerika), in das Sekretariat Blum (Rumänien) und Prof Lasar (Oesterreich) gewählt PÜRt Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portieren Herrenu. Damengard. Nächste Filiale: Salzgäßchen Nr. 6 Nach Eingehen in die Tagesordnung hielt Ziprinsky die Programmrede und führte u. a. aus: Zwei Momente bew< n den jüdischen Soldaten: die Hi: gäbe an das Vaterland i J die Ehre des jüdischen Volkes. Obwohl statistisch festgestellt worden ist, düß der Anteil der Juden an den Frontkämpfen verhältnismäßig höher war a s der anderer Völker, vi rstummt nicht die antisemitische Infamie, die den Juden Laxheit im Kriege vorwirft. Zweck dieses Kongresses ist es, neben der Schaffung von Hilfsmitteln für den verelendeten jüdischen Invaliden, die Abwehr antisemitischer Verdächtigungen zu organisieren. Zu Beginn des zweiten Sitzungstages, am 16. Juli, führte Ziprinsky aus, in Amerika seien unter der Losung „Hilfe an die Kriegsopfer" Millionen gesammelt worden die aber nicht den wirklichen Kriegsinvaliden zugeführt worden sind. Auch das JOINT-Comittee hat in dies r Beziehung Fehler begangen. Er schlage vor, daß der Kongreß ein repräsentatives Organ für konstruktive Invalidenhilfe schaffen und proklamieren soll, daß nur dieses Organ für Geldsammlungen zugunsten der Kriegsopfer legitimiert sei. Es folgten sodanr Berichte aus den einzelnen Ländern. Pojanoff (Bulgarien) führte aus, in Bulgarien bestünden keinerlei politische, moralische und materielle Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden. Doch ist der Staat nicht in der Lage, die sehr zahlreichen Kriegsopfer Bulgariens zu versorgen, da das Land verarmt und das Staatsbudget stark belastet ist. Der jüdische Invalidenverein Bulgariens stellt sich dem Antisemitismus erfolgreich entgegen und wirbt um Sympathien für die luden, die ihre ganze Pflicht gegenüber dem Staat erfüllen. Die jüdischen Gemeinden Bulgarjens sind finanziell belastet durch die Pflicht, die zahlreich in das Land strömenden jüdischen Flüchtlinge aus Rußland und Thrazien zu unterstützen. Die bulgarische Regierung tut, was sie kann, sie stützt das jüdische Waisenhaus in Sofia usw. Unter der. 50000 bulgarischen Juden sind 1500 Kriegsverletzte. Der Antisemitismus, der aus Deutschland importiert wurde, wird schließlich überwunden werden. Ghadschi (Rumänien) berichtete, daß in Rumänien die Gleichberechtigung zwischen jüdischen und nichtjudischen Invaliden nur auf dem Papiere steht. Nur in sehr seltenen Fällen erhält auch der jüdische Invalide irgend eine Monopolkonzession. Die Invalidenstütze ist miserabel. Ein Invalide mit 00" „ Arbeitsunfähigkeit monailidi 30 Lei (M 10,50), was höchstens für ein Brot reicht. Ein 80° „-Invalide erhält 55 Lei, ein Vollinvalide 100 Lei monatlich, wofür sich der letztere kaum vier Brote kaufen kann. Allein in der Provinz Bukowina sind 1200 IHoOeä/ansflütJe Plans 6Une/AQ.x