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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-07-16 · 29 (16.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
29 (16.7.1926)
Date
1926-07-16
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 GEMEINIDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 5 gibt es Kinderhorte mit 2000 Plätzen in allen jüdischen Großgemeinden, Waisenhäuser und Erziehungsanstalten -mit 1350 Kindern, hier findet auch die Erholungsfürsorge Berlin, die jährlich 1300 Kinder in ihre Heime an die See und ins Freie schickt (Miersdorf, Misdroy, Hirschbach, Eimen, Kolberg, Lehnitz). Daneben wurden 1913-26 2124 Kinder betreut, darunter uneheliche (d. h. aus nur nach jüdischem Ritus geschlossenen Ehen stammend) 602 deutsche und 887 ausländische, und von ■den ehelichen Kindern: 499 deutsche und 136 ausländische. Die Ausstellung der im Osten wirkenden Gesellschaft für jüdischen Gesundheitsschutz „OSE" kann allein für 1925 21 Polikliniken, 10 Säuglingsfürsorgestellen, 42 ärztliche Schul- «berwachungsstellen, 16 Sanatorien, 3 Röntgenstationen usw. aufweisen. 59414 Fälle wurden in 160000 Konsultationen behandelt; 236500 Milchportionen für Kinder wurden verteilt. Einen starken Eindruck macht auf den Beschauer, der sich Zeit nimmt, eine Tafel zu betrachten, nach der 1750 in Offenbach eine jüdische Männer- und Frauenkasse begründet wurde, die Arzt, Heilmittel, Krankenpflege, Krankengeld zur Verfügung stellte, wahrlich ein erhabenes Zeichen jener Zeit. Von rituellen Nachbildungen ist die Friedberger Mikweh glänzend gelungen, ebenso die Passahreinigung eines Hauses. Alte Stammbäume, Elievcrüäge, Besduieidungsgerät, eine Bibliothek, Waschbecken, Gerätschaften für das Schächtwesen geben einen guten zusammenfassenden Überblick über die Religionshygiene. Soll sich das Judentum weiter sozialhygienisch betätigen, so wird eine derartige Schau von dringender Notwendigkeit sein. Sie bringt nicht nur reichhaltige Belehrung, sondern starke Anregung, intensive Aufforderung, den altjüdischen Gedanken der „Gesolei" niemals zu vernachlässigen. Die Öffentlichkeit kann den Düsseldorfer Veranstaltern ihren Dank für diese mutige Tat aussprechen. (J. T. A.) Aus Sachsen Weihe eines Ehrenmals auf dem israelitischen Friedhof in Plauen Im Beisein von Vertretern einiger Staatsbehörden, der Stadtverwaltung, des Roten Kreuzes, Abordnungen des Turnvereins „Heubner", des Reichsbanners Schwarzrotgold und zahlreicher Gemeindemitglieder der israelitischen Religionsgegemeinde fand am Sonntag vormittag auf dem israelitischen Friedhof am Tannenhof die Weihe eines Ehrenmals für die im Weltkriege 1914 18 gefallenen jüdischen Glaubensgenossen aus Plauen statt. Des ungünstigen Wetters wegen mußte die ernste Feier in der Friedhnfskapelle durchgeführt werden. Nach Harmoniumspiel und einleitendem Gesang durch Kantor Wormser hielt Prediger Heimann die Weiherede. Er ging davon aus, daß wir Juden in diesen Wochen voll wehmütig-ernster Trauer des heldenmütigen und doch unglücklichen Kampfes gedenken, den unsere Vorfahren im heiligen Lande vor 1900 Jahren gegen die römische Weltmacht führten und der damit endete, daß der jüdische Staat zertrümmert und die Juden über die weite Erde zerstreut wurden. Ein römischer Chronist urteilte damals Uber die Juden: „Diese Barbaren sind •einfach Riesen an Körperkraft und ihr Mut ist der eines Tigers, wenn er für sein Leben kämpfen muß". Durch die feindliche •Gesetzgebung ihrer neuen Wohnländer gezwungen, sanken die Juden nun aus einem Volke von Bauern und Kriegern zu einer Gemeinschaft von Händlern und Hausierern herab. Die unwürdige Leidensperiode fand für die deutschen Juden erst vor 100 Jahren ihr Ende, als das Vaterland in seiner tiefen Not alle seine Söhne zu seiner Rettung aufrief und auch die Juden nun erstmalig unter denen waren, die mit ihrem Blute den deutschen Boden vom Feinde befreiten. Durch ihre damalige Tapferkeit, die von Hardenberg öffentlich gerühmt wurde, haben sich die Juden die deutsche Nationalität erworben, wenn anders das Wort Stresemanns richtig ist: „Wer die deutschen Grenzen beschützt hat, ist national". Im Weltkriege 1914/18 haben die Juden wieder Schulter an Schulter mit ihren christlichen Kameraden das deutsche Reich gegen eine Welt voll Feinde heldenhaft verteidigt. In drei Erdteilen haben 100000 deutsche Juden, darunter 12000 Kriegsfreiwillige, gekämpft, und rund 12000 deckt die feindliche Erde. Leider ist Deutschland durch den Ausgang des Krieges, mehr aber noch durch den schmachvollen Frieden in eine Tiefe unsagbaren Elends hinabgestoßen worden; während des darauffolgenden Jahrfünfts hat sich das deutsche Volk noch weiter zerfleischt. Eine Gedenkfeier für die Gefallenen kann nicht vorübergehen ohne das Gelöbnis, in Treue mitzuarbeiten am Aufbau des schwer heimgesuchten Vaterlandes. Das schlichte Denkmal wird immer das Zeichen der Dankbarkeit für die heldenhaften Kämpfer bilden. Doch noch ein Höheres hat unser Ehrenmal zu künden. 1914 zogen unsere Streiter mit dem Gelöbnis hinaus, daß dieser Krieg der letzte sein solle. Ähnlich lehrte Kant: Nach einem Kriege möchte es nicht unschicklich sein, daß das Volk einen Bußtag veranstaltete, für die große Versündigung, daß der Staat im Verhältnis zu anderen Völkern noch immer das barbarische Mittel des Krieges angewendet. — Darum soll das Ehrenmal für uns letztens eine Mahnung zum Frieden und zur Versöhnung der Völker sein. Im Anschluß daran sprachen Herr Landgerichtsrat Dr. Löwenthal im Namen des Denkmalsausschusses und im Auftrage des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde, wie auch für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Herr Fabrikant Fritz Kupferberg für die Ortsgruppe Chemnitz des R. j. F., der Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Hirr Max Steinberg, als Vertreter des sächsischen Gemeindeverbandes und unserer hiesigen Religionsgemeinde Herr Rabbiner Dr. Goldmann, für das Reichsbanner Herr Lehrer Forkel. Nach dem Totengebet am Denkmal erfolgte die offizielle Kranzniederlegung durch die bereits erwähnten Vertreter sowie durch Rechtsanwalt Dr. Goldberg im Namen der Gemeinde und durch die Dresdener Ortsgruppe. Das Ehrenmal, aufgestellt auf dem freien Platz vor der Friedhofshalle, trägt die Inschrift: Unseren gefallenen Helden 1914/18, und die Namen der neun Gefallenen.

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