Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 29 (16.7.1926)
- Date
- 1926-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 6 OEMEINIDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Aus unserer Gemeinde Eine Stiftung der liberalen jüdischen Frauen Eine Anzahl liberaler jüdischer Frauen unserer Gemeinde hat den Wunsch, zu der so unbedingt notwendigen Verschönerung unserer so schmucklosen Gemeindesynagoge durch Stiftung eines Thoravorhanges beizutragen. Unsere Gemeindesynagoge besitzt nur zwei bereits schadhafte Vorhänge, während sonst jede Gemeinde ihren Stolz in einem würdigen Thoraschmuck sieht. Bei einer kürzlich stattgefundenen Vorbesprechung ging die einmütige Ansicht dahin, die Beschaffung dieses Geschenkes zu einer Aufgabe aller liberalen jüdischen Frauen unserer Gemeinde zu machen. Es ergeht daher an jede einzelne liberale jüdische Frau unserer Gemeinde die herzliche Bitte, durch einen Beitrag ihr Interesse an diesem schönen Werk zu bekunden. Um jeder Frau Gelegenheit zur Beteiligung zu geben, werden auch kleine und kleinste Beträge gern entgegengenommen. Frdl. Beiträge werden erbeten an Frau Rabbiner Else Cohn, Löhrstraße 10. Auch die Untfcrzeidineten sind zur Entgegennahme von Spenden gern bereit. Das Komitee Mathilde Abraham, Cöthner Str. 54, Martha Baumann, Thomasiusstr. 2, Flora Cahn. König Johann-Str. 19, Betty Cohn, hlsterstr. 24, Else Cohn, Löhrstr. 10, Eva Goldmann, Koni); Johann-Str. 17, Frieda Goldsdimidt, Humboldtstr. 9, Emilie Jatfe, Foniatowskistr. 10, Johanna Joske, Ferdinand Rhode-Str 23, Kosi Lampel, König Johann-Str. 23, Susanne Markendort, Christianstr. 29, Else Müller, Hardenbergstr, 21, Hedwig Üppe, Hallische Str. 29, Martha Proskauer, ötzsch, Waldstr. 7, Fanny Rosenthal, Auenstr. 19, Selma L'ry, Wächterstr. 32, Tilly Wohrizek, Auenstr. 3. Studentischer Arbeitsnachweis Die Leipziger Univerrilät war schon immer ein Bildungszentrum für jüdische Studenten des In- und Auslandes. Die Zahl der an der Universität immatrikulierten jüdischen Studenten ist aul etwa 150 Personen zu schätzen. Ein großer Teil dieser Studierenden setzt sich zusammen aus Werkstudenten, die mit Rücksicht aul die wirtschaftliche Lage schwer um ihre Existenz zu kämpfen haben. Der beim Verein jüdischer Studenten, Leipzig errichtete Arbeitsnachweis hat sich zur Aulgabe gestellt, Arbeit besonders während der Ferien für die notleidenden Studenten zu vermitteln. Bei einer durchgelührten Statistik ergab sich die Zahl von 32 arbeitsuchenden Studenten. Es kommen in Frage: Stunden (der hebräischen Sprache sowie aller Gymnasialfächer), Büroarbeiten, Vertretungen von Zahnärzten und Apothekern. 15 Studenten sind auch zu jeder körperlichen Arbeit bereit. Wir wenden uns hiermit an die jüdische Öffentlichkeit mit der Bitte, uns bei der Beschaffung von Arbeit für die notleidenden Sludenten behilllich zu sein. Die jüdische Studentenschalt ist ein Glied der jüdischen Gesellschaft. Sie hofft, daß man ihr beim Daseinskampf hilfsbereit zur Seite stehen W. KretSChmar Inh.: Rob. Hahne. praktischer Hemdenschneider Tadellos, sitz. Oberhemde« und jegliehe Herreiiwasoki naoh eigenem Idealsystem, Cmrattn-NMht Jetzt 71 Jahre am Markt in Leipzig. wird. Die Studentenschaft betont bei dieser Gelegenheit ihr Einssein mit der jüdischen Gesellschaft in ihrem gesellschaftlichen Kampf und die daraus von uns zu ziehenden Konsequenzen. Der Arbeitsnachweisleiter. Akademisches Heim, Moritzstr. 23 Ein liebenswürdiger Wirt Uns wird geschrieben: „Im Restaurant zur .Bienitz-RodelbahnV Besitzer Müller, spielte sich am Sonntag, dem 4. Juli, folgender Vorfall ab: An einem kleinen Tisch sitzt ein christlicher Herr, der in Gesellschaft seiner Schwester und einer christlichen Dame ist; die betreffenden Herrschaften sind seit vielen Jahren Stammgäste des Lokals. An demselben Tisch haben zwei jüdische Herren Platz: genommen, die sich im Laufe des Abends mit den am Tisch Sitzenden gut unterhalten, aber wie ausdrücklich hervorgehoben sei, für sich separat sind. Da im Saale eine erdrückende Hitze ist, holt sich die eine der Damen ein Glas frisches Wasser. Dieses beobachtet der Wirt Müller, der unter Fluchen und Schimpfen das Glas Wasser eigenhändig mit folgenden Worten vom Tisch nimmt: „Wenn Ihr den ganzen Abend nur bei Wasser sitzen wollt, da könnt Ihr ruhig heimgehen". Als der christliche und die zwei jüdischen Herren ob dieser Ungezogenheit den Wirt zur Rede stellen wollen, schreit derselbe: „Ihr Judenbengels könnt heimgehen, geht ins Centraitheater". Die drei Herren protestieren natürlich gegen eine solche Behandlung, zumal sie bereits schon seit Nachmittag in dem Lokal weilen und eine anständige Zeche gemacht haben. Mit Recht verlangen sie, als Gäste behandelt zu werden, was der Wirt mit den Worten ablehnt: „Ach was, Ihr seid keine Gäste, Ihr seid Ausbeuter. Die Juden sollen aus meinem Lokal bleiben". Außerdem ruft der Wirt Müller seiner Musikkapelle zu: „Sobald die Juden das Lokal verlassen haben, könnt Ihr weiterspielen," und schon setzt die Musik mit dem ,Fridericus Rex' ein. Zum Schluß verbietet noch der Wirt seinem Chauffeur, die betreffenden christlichen und jüdischen Damen und Herren mit dem stets zur Verfügung der Gäste stehenden Auto bis zur Außenbahn zu fahren". Wir glauben, unseren Lesern von diesem Vorfall Kenntnis geben zu sollen, damit sie sich hüten, den Zorn dieses liebenswürdigen Wirtes hervorzurufen. Ht?rre n h üte JULIUS MULLER Leipziq/Petert-Str. 30 u.QohlitsHallbihe Str. 87-89