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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-07-16 · 29 (16.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
29 (16.7.1926)
Date
1926-07-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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. . ■ ■ T'i'-'' 1 ' W .'.'*.•■ i/i Seite 4 GEMEINiDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Osten (Warschau, Lodz, Krakau 1922-24) etwa das Doppelte, wobei die Nachkriegszeit bedeutende Einsparungen gegenüber der Zeit vor dem Kriege zeigt. Die nichtjüdischen Tuberkuloseziffern sind durchweg fast doppelt so hoch. Dagegen ist das Verhältnis der Augenleiden im Osten umgekehrt; in den Großstädten Rußlands leiden an Augenkatarrh 16.9" ,'„ der Juden, 8,9",, Nichtjuden; am Trachom 1,4",, (Nichtjuden .0,9" 0), an Schielen 1,3" „ Juden und nur 0,4° „ Nichtjuden. Ähnliche ungünstige Ziffern ergeben sich für die Zuckerkrankheit (Diabetes). Eine Statistik der Geisteskrankheiten (u. a. von Leipzig) zeigt dieselben Prozentzahlen bei syphilitischen Hirnleiden (16), Altersschwachsinn die Hälfte, zirkulärer Irrsinn mit starker jüdischer Beteiligung, Epileptiker bei den Juden 4" 0 (gegen 8" „ bei Nichtjuden). Jüdische Alkoholiker sind nur mit 1 °/0 (bei 18,6" „ Nichtjuden) vertreten. Die geringe alkoholische Verseuchung ist sehr eindringlich, allerdings durch viele ältere Untersuchungen z. B. aus München und Wien, die u. a. den Alkoholabusus der Kinder feststellten, dargelegt. Leider ist das erfreuliche Kapitel der Säuglingssterblichkeit nicht so gut dem Auge des Beschauers nähergebracht. Es sind hier wunderbare Ziffern, geradezu ideale Verhältnisse, die der Kenner zum Teil erst durch genaues Studium feststellt. Frankfurt, Amsterdam usw. zeigen für die neueste Zeit (ab 1919) 5 und weniger Todesfälle auf 100 Geborene, und selbst Wilna hatte 1924 25 nur 5,5",,. Das sind für den Fachmann „goldene" Ziffern, die gegenüber der Umwelt einen sehr erfreulichen Stand des Interesses an dem Nachwuchs zeigen. Es gilt hier übrigens noch einiges neue Material zu gewinnen. Dr. Neustädter hat mit Hilfe von Dr. Hutmann, Koralnik, Lestschinski und Dr. Segall einen geschickten Überblick über die Gesundheitsverhältnisse der Juden gegeben. Hanauer bringt die Familienbildung der deutschen Juden. Die Entwicklung der Mischehen (26565 gegenüber 88 447 rein jüdischen Ehen 1909 22 im Reich) nimmt einen breiten Raum ein, die stärkere Beteiligung des jüdischen Mannes und der protestantischen Kreise wird in den eindrucksvollen Tafeln klar sichtbar. Dr. Theilhaber hat neun Arbeiten zu dem Kapitel Neo-Malthusianismus der deutschen Juden beigesteuert. Das Versiegen des fluchen Landes, der Rückgang der Dritt-, Viertusw. Geborenen wird an der Berliner Statistik gezeigt, der Einfluß des Berufes der Väter, des späten Heirats- resp. Zeugun^salters usw. herausgeholt. Neustädter hat auf Grund Theilliaberscher Arbeiten ein Diorama herstellen lassen. Das drehbare, beleuchtete Arrangement zeigt mittels kleiner Wachsfiguren die große Fruchtbarkeit der Generation der Großeltern, denen 36 Enkel entsprachen, während heute den 4 Großeltern ein Enkelkind gegenübersteht. Lestschinski und Koralnik haben das Geburtenmaterial für eine Reihe weiterer Staaten und Städte bearbeitet. Diesem Raum schließt sich die Palästina-Ausstellung an, die recht wirkungsvoll ist. Sie bringt einen guten Überblick über die große Arbeit, die von Juden für den Aufbau geleistet wird. Ziifernmäßig brachte in den letzten 40 Jahren Geld ins Land: der Nationalfonds 20 Mill. Mark, der Keren Hajessod 40, die Ghaluka 80, der Baron Rothschild (Pica usw.) 100 und das Privatkapital 160, sodaß 400 Mill. Mark durch Juden der Entwicklung des verkommenen Landes dienen. Die Einnahmen und Ausgaben des Keren Hajessod, die von 6 Millionen 1921 auf lü Millionen 1923 stiegen, sind in ihrer Bestimmung für Verwaltung, Hygiene, Schulwesen, Landwirtschaft getrennt angegeben, ebenso die territorialen Eingänge. Die große Kulturarbeit des Nalionalfonds wird z. B. in der Kultivierung von 1800U0 Dunam und der Anpflanzung von 700000 Bäumen PURh Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portleren Herrenu. Damengard. Nächste Filiale: Salzgäßchen Nr. 6 u. v. a. deutlich gemacht. Zur Malariabekämpfung wurden 50000 Rohre gelegt, sowie an Betonkanälen, Flußbetten, Erdarbeiten gearbeitet. Die Erkrankungsziffern sind daraufhin in Beth-alpha von 35 auf 5n/0, in Nahalal von 9 auf 0,9 °/0 gesunken. Ebenso erzielte die Trachombekämpfung gute Erfolge. In jüdischen Schulen ging ihre Krankenzahl in den letzten 5 Jahren von 51 auf 21" ,,, in den Kolonien von 29 auf 11°/, zurück. Die Schulhygiene betraute 20425 jüdische Schüler mit 6 vollamtlichen und 25 nebenamtlichen Schulärzten. Unter den Schulen mit Schulärzten waren bereits 58 Dorfschulen und 44 Talmud Thoras. Die Kupot Gholim (Krankenkassen) stiegen von 300 Mitgliedern (1913) auf 14000 (1925), wobei von den Arbeitern 5000 in der Industrie, 4000 als Hilfe im Handwerk, 3000 in Kolonien und 2500 in Siedlungen, sowie über 1000 im Transportwesen und bei öffentlichen Arbeiten ermittelt wurden. Die Wirkung der Kassen zeigt u. a. ihre Statistik, die z. B. 50 Ambulatorien, 6 Krankenhäuser mit 100 Betten, 51 Ärzte (auf 600 Seelen) aufzeigt. Der Aufschwung im Lan le ist unverkennbar. Der fruchtbarste Boden im Emek, von de.n 1920 9500 Dunam in jüdischem Besitz waren, ist zu 360000 Dunam jetzt in jüdischem Besitz. Aus der Fülle interessanter Aufzeichnungen sei der Berufsstatistik Tel Avivs gedacht, wo 60" 0 Arbeiter (davon 31,6" ,, gelernte), Kaufleute und Angestellte je 11" 0, freie Berufe 6,5" „, Lehrer, Transportgewerbe, Industrieunternehmer je 3"'„, Rentner und Gastwirte je 1,5 °/0 ausmachten. Für die körperliche Ertüchtigung zeugt das interessante Programm der in ganz Palästina durchgeführten Gesundheitswoche, spricht das Aufblühen der Turnerschaft, die in Tel Aviv 1700 Mitglieder und in Jerusalem und in den Kolonien je 500, in Aufa 150, Tiberias 70 Mitglieder zählt. — Die Säuglingssterblichkeit fiel von 13,7" „ (1922) auf 10,8 (1924). Der deutsche Hjchaluz stellt eine Statistik vom 1. Juni 1925 auf, danach bildete er zu diesem Stichtag 739 Jungen und 264 Mädchen für Palästina aus. In Palästina waren bereits 527 resp. 117 deutsche Ghaluzim. Die jüdische Wanderbewegung, ..die vielfach auf Arbeiten Traubs zurückgreift, gibt einen guten Überblick Uber die neueste Wanderbewegung bis 1924. Altersaufbau, Herkunft, Beruf usw., alle Fragen der Ökonomie sind statistisch erfaßt. Im Mittelpunkt der Emigration stehen die Vereinigten Staaten und Palästina. Man erkennt die Leistungen der Hauptstellen für jüdische Wanderungsfürsorge und Arbeitsnachweis. Von den über 25000 Fällen, die das Berliner Büro beschäftigten, waren über 13000 aus Polen, fast 2000 . aus Rußland, je 500 aus Ungarn und Litauen, 200—400 aus Österreich, Tschedhoslovakei, Rumänien, Lettland. Diese Fälle sind nach ihren Wandertrieben, ihrer Ausbildung, Schulbildung usw. gut erforscht. Die Trostlosigkeit in der Wirtschaftslage gibt e.ne Statistik wieder, wonach in den jüdischen Arbeitsnachweisk.\rlellen für Geschäft und Büro 136 Nachfragen und 5 offene Ste len vorlagen; in der Hauswirtschaft war das Verhältnis von Angebot und Nachfrage 415:105 und bei Erziehung und Unterricht 122:55. Das jüdische Hilfswerk in Deutschland wire in der Inflation zusammengebrochen, wenn nicht das Ausland geholfen hätte. Die Hilfe des Joint mit 290000 Dollar weist folgende Hauptposten auf: öffentliche Fürsorge 80000, Jugendwohlfahrt 70000, Gesundheit 48000, Erholungsfürsorge 44000 und für das Alter 32000 Dollar. Zahlreiche Abbildungen zeigen nun das Wesen der jüdischen Fürsorge. Ein großes Utiz von Mutter-Säuglingsheimen, Kindergärten und Horten, Mädchen- und Volksheimen u. a. erstrecken sich als Einrichtungen der Wohlfahrtspflege über die ganze Landkarte Deutschlands. Da TISSbeUcansDod& Oians&ilnerAQ: Ssät, dkhesU. M t

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