Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 26 (25.6.1926)
- Date
- 1926-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 26 GEMEINPERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 Bevölkerung eingehend begründete. Über„J üdischejugendn o t u n d J u g e n d h i I f e" sprach sodann Herr Obermagistrats* ral Dr. Friedrich Düendorf! und Fräulein O'.tcnheimer. Wah- •end Herr Dr. Ollendorif die Grundlinien für einen systematischen Ausbau der jüdischen W( hlfahrtspflege in Deutschland [(zeichnete und an der Hand von Beispielen anschaulich 'achte, beleuchtete Fräulein Oitenheimer die besonderen Bein fnisse einzelner Kategorien von Jugendlichen, insbesondere ■i sdiulentlassenen. Der Nachmitlag bradite unter sachkundiger Führung des; lerrn Rabb Dr. Fschelbadier die Besichtigung der Ausstellung I lygiene der Juden". Der Dienstag vormittag war der Frörterung der Hauptarbehsgebieie der Zern ral wohlfahrtssteile in den Aru its^emeinsehaften der jüdischen Gefährdeteniiirsorge und Tuerkulosefürsorge gewidmet. An den Beratungen rahmen nicht nur die engeren Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaften, sondern fast alle bei den Tagungen anwesenden Gäste aus dem Reiche teil. Über den wichtigen Punkt der „Fürsorgcfürjugend- I i di e Psychopathe n" sprach Herr Lehrer Sawady, Frau Paula Ollendorf über „Oef ängnisf ür sorge". Den iieiden Themen schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in welcher wertvolle Ergänzungen vor allen Dingen durch Herrn Rabbiner Dr. Horowitz. Frankfurt M. und Frau Klara Caro Köln zu den beiden Themen, insbesondere aber zu dem Thema „Gefängnislürsorge" gemacht wurden. In der Arheitsgemcinschafl der Tuberkulosefürsorge referierten Herr Dr. Samson über „Neuz.eitliche Maßnahmen der Tuberkulosebekämpfung und - F ü r s o r g e", Fräulein Frieda Weinreich über „Stand d erMaßnahmen zurBekämpfung der Tuberkulose unter den Juden in Deutsch- 1 a n d". Zum Schlüsse sprach Frau Brenner über „Z u k u n \ t s - aufgaben der jüdischen Tuberkulosefürsorge". Audi hier fand eine eingehende Diskussion statt, an weldier sich u. a. Herr Sanitätsrat Dr. Auerbadi Köln und Herr Dr. Mosczytz-Freiburg beteiligten, In beiden Arbeitsgemeinschaften wurden Resolutionen gefaßt, welche die Ergebnisse der Referate und der Aussprache festhielten und die für den weiteren Fortgang der Arbeit bestimmend sein werden. Am Schlüsse dankte Herr Caspary noch einmal der jüdi- -dien Gemeinde Düsseldorf und dem Frauen verein für die reiche Gastfreundschaft und für die sorgfältige Vorbereitung der Tagung, welchen hauptsächlich das glänzende Gelingen zu danken war. Am Nachmittag fand eine Kundgebung des Reichsaussdiusses der jüdischen Jugendverbände statt, bei welcher Herr Georg Lubinski über „Das soziale Programm c'jr jüdischen Jugend" sprach. Auch hier wai trotz der ungünstigen Zei' ein recht zahlreid er Besudi. Den Abschluß der Veranstaltungen bildete die Urvorführung eines jüdischen Wohlfahrtsfilmes, der im Rahmen eine» Abseht.ittes aus dem jüdisd'er Familienleben die jüdische Wohllahrtsarbeit zu anschaulidier Darstellung bringt: Es ist in Berlin am Freitagabend vor einer Synagoge; die Beter verlassen das Gotteshaus. Fin armer Jude, der bescheiden seitwärts steht, wird nach einer schönen Sitte von einem Glaubensgenossen aufgefordert, den Sabbathanfang mit ihm in seiner Familie zu begehen, sein „Schabbesgast" zu sein. Und nun sehen wir die Gebräuche beim Freitagabend-Mahle. Der Gast, aufgefordert, seine Schicksale zu erzählen, berichtet, wie Krieg, nachfolgende Inflation und Krankheit der Frau seine Mittel aufzehrten und ihn zwangen, sein blühendes Geschäft in der ehemaligen Provinz Posen aufzugeben, um in Berlin für sich und seine Familie eine neue Fxistenz zu gründen. Nadi seinem Weggang verweist eine zu Besuch anwesende Dame den über das Schicksal seines Gastes besorgten Hausherrn auf die jüdische Wohlfahrtspflege, von der er aber als einer umständlichen „sdirecklichen" Finriditung nichts wissen Will. Da zählt nun diese Dame, selbst in der jüdisdien Wohlfahrtspflege tätig, deren Finrichtungen auf, die im Bilde an uns vorüberziehen. Wir sehen den mustergiltigen Betrieb der Jugendfürsorge, der Hauspflege, der Berufsberatung, die umfassenden Finrichtungen eines großen Krankenhauses. Überall hat jüdische Wohltätigkeit mustergilti^e Heime für schwächliche Kinder und Frwaehsene gesdiaffen, ferner in landwirtsdiaftiidien Betrieben gleichzeitig jungen Leuten Gelegenheit gegeben, sich im Feld- und Gartenbau auszubilden. Auch ein Altersheim fehlt nicht. Im ganzen bestehen zurzeit im deutschen Reidie 200 jüdische Pflege-, Fürsorge- und Krankenanstalten, nicht eingerechnet die j roße der Kir.( md meindlidl besorgten freien Hauspflege. Mit Befriedigung nahmen die zahlreichen Zuschauer von all diesen Einrichtungen Kenntnis, auf die die jüdischen Gemeinden mit Recht stolz sein können. — Der Film wird im Herbst auch in Leipzig durdi die Ortsgruppe des Jüdisdien Frauenbundes vorgeführt werden. loe Einwariderung in Palä^iSnai Henri üaafcipe »QSS Anläßlich der in diesen Tagen in Genf stattfindenden Beratungen der Mandats-Kommission des Völkerbundes hat die Zionistisdie Organisation ein ausführliches Memorandum über alle den Aufhau des jüdisdien Palästina betreffenden Fragen überreicht Wir entnehmen dem Memorandum die lachstehenden Darlegungen über die Einwanderung in l'a- .stina. Die Zahl der von der Palästina-Regierung als Einwanderegistrierten luden im lahre l'.'25 belief sich auf 33SOI nüber 12N50 i. J. 1924 und 7421 i. J. 1923. Die Auslerungsziffern fur 1925 zeigen eine Summe von 2151 werten Ausreisenden, davon 666 Vorkriegseinwohner und 1H5 rückwandernde Immigranten. Somit ergab sidi eine jü- ^die Netto-Einwanderung von 31650 Personen im Jahre 1925. S MSbelüansßCrde (PürnsSänerAQ! \ Suie Jäedienurui ■ die beste, yiehlcune. Das ist weitaus die höchste bisher in einem Jahre festgestellte Ziffer und um 50", mehr als die gesamte Neito-Finwandcrung in den drei Jahren 1922, 1923 und 1924. Der Hauptstrom der jüdischen Wanderung, der früher nach Nord- und Südamerika ging, wird jetzt sidnüch nach Palästina abgelenkt. Im ersten Vierteljahr des Jahres 1926 kamen etwa 5500 jüdische Einwanderer, während die Zahl der Ausreisenden insgesamt etwa 500 betrug. Die Gesamtzahl der Juden, die sidi seit der britischen Besetzung bis zum 31. März 192b" in Palästina angesiedelt haben, belauft sidi auf annähernd 83000, uneingerechnet die etwa 5000 Einwohner, die nach dem Kriege in iiire Wohnsitze zurückkehrten. D>e gesamte Netto-Einwanderung (ausschließlich der rückwandernden Einwohner) während der erwähnten Periode ist ungefähr 71000. Die jüdische Be- *..< W. 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