Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-04-30 · 18 (30.4.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
18 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4876568-5968774-5968902--0439-4876955
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 3 Gottesdienst. Aber auch damit ist keine besondere Eigenart im wertmindernden Sinne einer Kunstfeindlichkeit aufgedeckt. Fast alle Kunst geschichtlicher Völker und Menschengruppen zeigt in ihrem Ursprung innige Beziehungen zum Gottesglauben oder Aberglauben. Denn der Zusammenhang bddender Kunst mit dem wichtigsten und bedeutsamsten Kulturinhalt einer Zeit ist überall und >tets ein sehr enger. Ein Altmeister früh- und vorgeschichtlicher Forschung, Moritz Hoernes, hat schon Für jene Frühen und eben darum verhältnismäßig einfachen und leichter übersehbaren Kulturzustände der Menschheit Jen Nachweis erbracht, daß die Kunstübung c'.es vorgeschichtlichen Menschen bereits eine verschiedene ist, je nachdem es sich um Kunst nomadisierender Jägervölker oder seßhafter Ackerbauer handelt. Und gerade das wird im Hinblick auf alle Folgezeiten wichtig: alle Kunst wird zum großen Teil mitbestimmt von dem Kulturinhalt. Wo, wie eben im Judentum, aber auch im frühen Christentum oder Buddhismus der Gottgedanke im Mittelpunkt lies seelischen Erlebens steht, knüpft folgerichtig auch die Kunst am gleic len Punkte an, steht ganz besonders die Baukunst als die mit der allgemeinen, überindividuellen; Kultur am innigste) verflochtene Kunst in allerengster Be-* ziehung /um Gottc ibegriff, /um Gottesdienst. j' Auch in der fi ihen Theokratie des Abendlandes ist.» dieser Zusammenhang deutlich, die kirchliche Baukünste, beeinflußt tiefgehend alle Architekturentwicklung jener" Epochen, und Malerei und Plastik stehen nicht minder im Dienst der Kirche. Mii der Wandlung der Theokratie zum Cäsaropapismus etwa unter einem Julius II., wandelt sich auch die Kunst: wie neben den Papst als Statthalter Christi auf Erden de$ weltliche Herrscher als Erbe des Cäsar- | gedankens tritt und in einer Person verschmilzt, so treten in das Bild der Kunst gleichstarke weltliche Züge: neben den Dorn tritt das fürstliche Wohnhaus, neben die Bilder Gottes und aller Heiligen die Bildnisse der Päpste selbst und die Gestalten schöner brauen. Mit zunehmender Verweltlichen^ europäischer Kultur wachsen diese weltlichen Züge der Kunst: im Zeitalter des Absolutismus etwa werden die Königsschlösser und Adelssitze Mittelpunkte aller künstlerischen Kräfte, hier vereinigen sich mm alle Künste zum prunkvollen Kranz, um des Königtums Glanz zu mehren. In all dieser Zeiten Wandel aber leben Juden, meist nur eben geduldet, abgeschlossen von jedem lebendigen Zusaminei.hang mit dieser stets sich erneuernden Umwelt, sich klammernd an den Ewigen und seine Gebote, seine Lehre und sein Allerbarmen. So verliert die jüdische Kunst jene Beziehung zum Gottesdienst und frommem Kunst jene Beziehung zum Gottesdienst und frommen Brauch nicht im Strome der Zeit; sie bleibt, namentlich in allen Werken, der leicht mit sich zu führenden Kleinkunst eng verbunden, mit der Urväter Ueberlieferung, wird als wertvoller, herzverbundener Besitz mitgeschleppt auf der rastlosen Wanderschaft von Ort zu Ort, von Land zu Land. Nur die Gotteshäuser bleiben — oft genug geweiht zu Stätten fremden Glaubens. Die Gräber bleiben; und es bleibt die Legende von der Im Wesen des Judentums begründeten Kunstfeindlichkeit, ein vorschnelles Vorurteil, das, wie die meisten seiner Art, mitgespeist wird aus jenen trüben Quellen antisemitischer Herkunft, die da behaupten, daß der .,materiell-gerichtete" Jude einer Begeisterung für die Ideale künstlerischen Schaffens nicht fähig sei. Aull dem Wege zum Reichsverband! cSer deutschen Juden* In voriger Nummer berichteten wir über die Bestrebungen, den Reichsverband der deutschen Juden über den D. J.Q.-B zu schaffen. Inzwischen haben sieh die in Betracht kommenden Körperschaften doch dahin verständigt, die Land, sw rl ,ind - zur Basis dis Zusammenschlusses zu walden. Darüber erfahren wir folgendes! Am 25. April tagten ZU Berlin, Logenhaiis, Kleiststr. 10, die Vertreter der Landesverbände jüdischer Gemeinden, des Deutsch-I;ra litischen Gemeindebundes und des Halberstädter Ve»'; ides gesetzestreuer Gemeinden. Gegenstand der den ganzen Tag über dauernden Verhandlungen war die Frage der Schaffung eines einheitlichen Reichsverbandes der deutschen Juden. Den Vorsitz in der Versammlung führte Herr Kammergerichtsrat Dr. Leo Wolff, stellvertretender Vorsitzender war Prof. M. Sobernheim. JLL iraiLm jlo-j BOQ_f£_ Malratj-, Steppdecken Daunendecken Komplette Schlafzimmer und Einzelmöbel LEIPZIG, ßATHAüSRINÖ'iy BEM/AftNM.uiPyic»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.