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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-04-30 · 18 (30.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
18 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Das «Judentum und die bildende Kunst. Das Judentum und die bildende Kunst. Von Dr.-Ing. Leo Adler, DWB., Architekt BDA., Leipzig. Die Ausführungen über „Kunst im jüdischen l eben" in Heft 12 dieser Blätter, aus der Feder des Herrn Schriftleiters, sind um so begrüßenswerter, als sie von schrittgelehrter Seite stammen und somit lehrreiche Streiflichter auf die Beziehung jüdischer Lehre zur Kunst werfen. Vom allgemein kunstwissenschaftlichen Standpunkt indes können sie in mancher Hinsieht noch erweitert und in größere Zusammenhänge eingegliedert werden. Sehr beachtlich ist es vor allem, daß die ausgesprochene Bilder feindlichkeil der strengen jüdischen Lehre nicht vereinzelt innerhalb der alten Mittelmeerkulturen dasteht. Sie findet ihr verblüffend genaues Gegenstück u. a. im Islam. Hie Stellung .Mohammeds und seiner Lehre zur bildmäßigen Darstellung geht auf jüdisches Vorbild zurück und entspricht diesem genau. So ist der Islam nicht weniger bilderfeindlieh wie das Judentum, aber von diesem selben Ausgangspunkt aus und das eben ist lehrreich gelangt er zu ganz anderen Ergebnissen: trotz strenger Einhaltung des Bildverbots hat es der Islam vermocht, eine Kunst von Weltbedeutsamkeit, namentlich eine Haukunst zu schaffen, die zu den verbeitetsten und prunkvollsten Blüten menschlichen Kunstschaffens überhaupt gehört. Unmittelbare Zeugen jener versunkenen Groß-Kunsl sind die Paläste und Moscheen, die sich von Südspanien (Alhamhra) bis nach Nordindien (Delhi, Agra, Dschaipur) erstrecken; Nordafrika und Aegypten, Syrien und Persien, Kleinasien und Südosteuropa sind in schier unübersehbarer Fülle bedeckt mit Werken jener doch durchaus bildlosen Kunst. Und die mittelbaren Einflüsse islamischer Kunst, namentlich der Zierkunst, erstrecken sich um vieles weiter, fast bis in jede unserer Wohnungen: die .Wuster der Teppiche stammen nahezu res*!'!- ans dem islamischen Orient. In diesem Beispiel des Islam und seiner Kunst liegt es wohl klar zutage, daß ein Verbot bildlicher Darstellung keinesfalls einen grundsätzlichen Verzicht auf Kunst schlechthin bedeutet. Bilderfeindlichkeit ist noch nicht Kunstfeindlichkeit denn Kunst und Bild sind ja nicht ein und dasselbe. Im Judentum und im Islam aber führen die gleichen Voraussetzungen deshalb zu so verschiedenen Ergebnissen im Reiche der Kunst, weil die weitere Bedingung jeder großen Kunstübung in beiden Fällen grundverschieden ist: die Frage politischer Macht und pers(")nlieher Sich e rheit. Die Umstände aber, die dazu führten, daß beide dem Judentum während langer Jahrhunderte nur in verschwindend geringem Maße zuteil wurden, ergeben lediglich einen geschichtlichen und insofern fast zufälligen Tatbestand, jedenfalls nichts für die Stellung des Judentums zur bildenden Kunst Wesenhaftes mehr. Durch die hinsichtlich der Bilderfeindlichkeit gleiche Stellung des Islams i-t in. E. in aller Deutlichkeit eine wirksame Stütze für die Auffassung gegeben, daß das Judentum in seiner Lehre und in seinem Wesen nichts schlechthin Kunstfeindliches aufweist. Dieser grundsätzlichen Erkenntnis gegenüber stellt allerdings eine Erfahrungstatsache von zunächst scheinbar erdrückendem Gewicht: wo, könnte man sagen, sind Zeuj.i auch nur bedeutsame Spuren vergangener, dahingesunkener jüdischer Kunst von ausgeprägter Eigenart? Die Bauten des Islams recken ihre Minaretts und ihre (unter himmelwärts von Spanien bis hin zum Wunderlande Indien wo aber, Volk Israel, sind die Denkmäler deiner Kunst? Die Fragen scheinen Verlegenheit für den Gefragten zu bedeuten. Und doch gibt es Antwort, mancherlei Erwiderung sogai auf diese Fragen, Vor allem: von jüdischer Kunst in jenen kurzen Zeiten politischer Selbständigkeit und Macht wissen wir, weil! die Welt so gut wie nichts, kennt sie so wenig wie vor kurzem noch die Wunderwelten vorklassisch-griechischer oder frühmesopotamischer Kunst. Die Kenntnis dieser Kunst- und Kulturkreise hat erst im Verlaufe der letzten fünf, sechs Jahrzehnte die „Wissenschaft des Spatens", die streng und genau schürfende Ausgrabungsarbeit erbracht. In Palästina aber, jenem Lande, wo fast jeder Fußbreit Bodens drei Weltreligionen heilig ist, stoben Ausgrabungen auf schier unüberwindliche Schwierigkeiten. Soweit aber vereinzelte Schürfungen vorgenommen weiden konnten, lassen sie mindestens den einen, wahrlich nahe genug liegenden Schluß zu: Juden haben sich als Baumeister und Werkleute nicht minder betätigt wie jedes andere Volk ihrer Zeit und Umwelt. Freilich, die Zeitspanne, die dem Judentum als politisch geeintem Volke, als ortlich geschlossener Kulturgemeinschaft gegönnt war, umfaßt kaum sieben Jahrhunderte! Und die Kürze dieser Zeitspanne ist bei Beurteilung der Entwicklung jüdischer Kunst nicht außer acht zu lassen. Jeder Vergleich mit anderen Kunst- und Kulturbczirken läßt erkennen, daß 700 Jahre nicht ausreichen, um die Einflüsse fremder, namentlich reiferer, älterer Kuustkreise der umgebenden Welt auf die eigene Kunstübung so weit auszuschalten oder auch nur in den eigenen Gestaltungswillen so weit aufzunehmen, daß sie als restlos verarbeitet gelten können, daß die Kunst völlig eigenes, ganz selbständiges Gepräge aufweist. So beispielsweise hat das frühe Mittelalter im Abendland noch fast ein Jahrtausend mit antikem Kunst gut gearbeitet, so daß in der Wissenschaft der Kunst sich der Begriff der „Christlichen Antike" bilden konnte. Noch in Karolingischer Zeit, also bis rund S50 n. Ol. etwa recht beispielsweise die Entwicklung der deutschen Baukunst auf dem damals noch jungem Steinbau „und mit diesem war die antike Formuberlieferung unlöslich verbünden", wie neuerdings erst Dehio in seiner „Geschichte der deutschen Kunst" wiederum feststellt. Was Wunder also, wenn jüdische Kunst in jenen kurzen Jahrhunderten, und auch da kaum, ungestörter Entwicklung Einflüsse aller Art aufzuweisen hat, Einflüsse, die immerhin mit grober Wahrscheinlichkeit schon in Salomons Tempelbau zu eigenartig-neuem verschmolzen wurden. Jedenfalls, und darauf allein kommt es hier an, ist der Einwand, es gäbe keine jüdische Kunst, im strengsten Wortsinne nicht stichhaltig gegenüber der kurzen Zeit örtlich zusammengefabter politisch-kultureller Selbstständigkeit des Judentums. Woher aber alle diese Kunsteinflüsse auch stammen mögen, bezeichnend für alle K u n s t ü b u n g des Judentums bleibt ihr enger Zusammenhang mit dem Der geflochtene Schuh als letzte Modeneuheit! 16.50 19.50 NORDHEIMER

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