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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-04-16 · 16 (16.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
16 (16.4.1926)
Date
1926-04-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang „gar nicht" zu essen, SO muß man ihnen erwidern, daß sie immer noch mehr zu s:ch nehmen, als sie durch ihre Körper« arbeit verbrauchen. Niehl unerwähnt will ich lassen, daß es seltene Formen vor, Fettsucht gibt, die auf einer Erkrankung lebenswichtiger Drüsen beruhen. Eine weitere häufige Erkrankung unserer Rüsse ist die Zuckerkrankheit; sie besteht darin, daß der tür das normale Funktionieren des Organismus überaus notwendige und meist an die Muskelsubstan: gebundene Zucker, der aus stärkehaltigen Stollen seine Umwandlung findet, im Übermaß mit dem Urin ausgeschieden wird und so zu allmählichem Kräfteverfall füliren kann. Bemerkenswert ist aber, daß die Zuckerkrankheit mit Vorliebe geistig arbeitende Menschen befällt, bei denen der Verbrauch an Nervensubstanz ein erhöhter sein muß. Stärkere Inanspruchnahme des Nervensystems scheint demnach diese Krankheit zu fördern. Da auch der westeuropäische Jude, wenn auch nicht aus den gleichen Ursachen wie der Jude des Ghetto, in sämtlichen Spielarten der Nervenschwäche den anderen Völkern überlegen ist, so ist es folgerichtig, daß auch hier der Diabetes unsere Glaubensgenossen bevorzugt. Erwähnenswert ist noch, daß auch schwere geistige Erkrankungen, wie die Idiotie, unter uns stärker verbreitet ist, als unter den Nachbarvölkern. Ob hierfür die häufigen Verwandtenehen maßgebend sind, scheint noch nicht erwiesen zu sein. Es stellt jedoch lest, daß Verwandtenehen die große Gefahr der Verstärkung krankt) Anlagen in sich bergen. Als letzte die Juden bevorzugende Krankheit sei noch der sogenannte grüne Star (Glaukom) genannt. Die entzündliche Form dieses überaus schweren Augenleidens, das aul einer Drucksteigerung im Augeninnem beruht und mit recht schmerzhaften Anfällen einhergeht, wird häufig duich heftige Gemütsbewegungen ausgelost und bevorzugt nervös veranlagte Menschen. Wenn wir die hier geschilderten Krankheitsbilder uns noch einmal vergegenwärtigen, so fällt uns auf, daß si' meist einen erhöhten geistigen Verbrauch zur Voraussetzung haben. Man kann daher unumwunden den Schluß ziehen, daß alle Krankheiten, die durch ein geschwächtes Nervensystem gefördert werden, beim Juden einen fruchtbaren Entfaltungsboden finden. Um daher unsere Nervensubstanz zu kräftis1'. es vor allem dringend notwendig, daß die Jugend zu Leibesübungen angehalten witd, daß man die Ernährung z weckt tiäf u gestaltet und daß das unhaltbare, gesundheitswidrige ui wal rer Pädagogik spottende nn-System allmählich aufgegeben wird. Dr. K. Soloweetschik Aus unserer Gemeinde Bericht der Fürsorgeabteilung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig über die Ausgaben im Rechnungsjahre 1915 26 Es wurden verausgabt......... M 114291.96 Im Laufe des Jahres gingen an Rückzahlungen ein M 15Q0.— sodaß sich die Gesamtsumme der Ausgaben der Fürsorgeabteilung auf...... M 112791.96 stellt. Das bedeutet eine monatliche Ausgabe von (112791,96:12) ...... M 9399.32 Cahn Unterstützung von Arbeitslosen Zur Unterstützung von Arbeitslosen hat die Gemeinde- Sitzung Anfan. Januar 1926 den Betrt g von M 20000 bewilligt. Da/u kamen bis zum 31. März d. J. freiwillige Zuwendungen in Hohe von M 2475.—. Ausgezahlt wurden im Januar M 6384.— Februar M 8 233.70 März M 8494.40 Die Zahl der Unterstützten ist auf 18U gestiegen. Aus dem Leipziger Programm der Reichsgesundheitswochc 1. Feierliche Eröffnung am Sonntag, 13. April, vorm. 11 Uhr im Konzertsaal des Städt. Kaufhauses mit einem Vortrag des Herrn Prof. Dr. Morawitz: „Der Wille zur Gesundnett « — tii"»ritt für jedennmn frei 2. Hygiene-Ausstellung vom 18 April bis 8. Mai in den Erfrischungsräumen des Städt. Kaufhauses. Sonntags 11 bis 1 Uhr. Wochentags 9—7 Uhr. Alkoholmißbrauch, Tabakschäden. Gewerbehygiene, Geschlechtskrankheiten, ansteckende Krankheiten,' Lehrmittel- , schau, Berufsberatung, Fleischhygiene, Kleidung, Verschiedenes. Qeg„iSchuppen vHaam^fall nur Dr. midSamthin± i n 7~,Ti"~mY Dose Mk. V* ' SANDSTEIN (-CO. O.H.B H. LflPHO DiTJBICf.DmO 16 3 Reihen- und Einzel-Vortrüge: Für die in sehr gr< ßer Zahl angekündigten Vorträge sei auf die Veröffentlichungen in den Tageszeitungen verwiesen. 4. Besichtigungen und Führungen: Es werden eine Reihe von Führungen durch gemeinnützige Anstalten, öffei Ii die Einrichtungen (Desinfektionsanstalt, Hallenbäder) u. \. stattfinden, über die gleichfalls in den Tageszeitungen eingehende Programme zu sehen sind- Das Gleiche gilt von den 5. anderen Veranstaltungen, wie: Rettungsmanöver der Feuerwehr und Samariter Übungen, Schaufenster-Ausstellungen, sportliche Veranstaltungen u. dergl. Bekämpfung der englischen Krankheit Als Auftakt zur Reichsgesundheitswoche veranstaltete der Jüdische Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig, am Sonnabend, den 10. April, im Saale des Volks.vohl eine Filmvorführung mit erläuterndem Vortrag des Hern; Dr. S V.oweetsenik über die englische Krankheit, ihre Bekämpfung und Verhütung. Welches Interesse dem The na e it| e angebracht wurde, ging daraus hervor, dali der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Redner wies darauf hin, daß si;h das Reichsgesundheitsamt i:i den letzten Jahren der Bekämpfung der Rachitis (engl. Krankheit) sehr annehme und mit HiliC des Films aufklärend zu wirken bemüht sei. Im Interesse einer gesund heranwachsenden Qeneration sei dies dringend geboten; jeder müsse mit den Kennzeichen, den Verhütungs¬ und Bekämpfungsmaßnahmen vertraut sein. Die allerersten Anzeichen der Krankheit sind selbst für das erfahrene Auge des Arztes oftmals schwer zu erkennen. Sie stellen sieh zuerst an der knorpeligen Rippe ein, dann am Schädel, an der sogen. Fontanelle, die bei der Rachitis zu einer spateren Verknöcherung gelangt, schließlich an den Zähnen bzw. am Zahnfleisch. Man hat mm che Beobachtung gemacht, daß Brustkinder weniger von dieser verheerenden Krankheit befallen w< rden, als die mit Kuhmilch ernährten und daraus die Schlußfolgerung gezogen, daß zur Behebung der Krankheit, eine Aenderung in der Ernährung notwendig s>.i. So setzt man heute anstelle der früheren beliebten Mehlpapps, erfrischende Fruchtsäfte, Gemüse, Salate, und lälit im Gegensatz zu der alten Methode der langsamen Erhitzung der Kuhmilch, dieselbe schnell und nur kurze Zeit sieden. Bei dieser Gelegenheit machte Herr Dr. S. auch auf die Gefahren aufmerksam, die eine zu fetthaltige, einseitige Ernährung bei Erwachsenen zur Folge hat, ja, er berichtete,

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