Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 16 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Seite 3 Proben altjüdischer Lehren^ Besser arm und gesund und kräftig in seinem Tun als reich und von seinem Leibe gequält Gesundheit und Wohlbefinden sind besser als alles Ciold; ein kräftiger Korper ist besser als unermeßlich Gut. Es gibt keinen besseren Reichtum als Gesundheit des Körpers... (Sirach 30,15 17.) Es sterben mehr Menschen am Kochtopf als am Hunger. (Sabb. 33a.) Zwei gingen in einen Laden; einer aIi Kleiebrot und Hülsenfrüchte, der andere aß Feinbrot und fettes Fleisch und trank dazu alten Wein. Derjenige, der Delikatessen aß, erlitt Schaden; der Grobes aß, nicht. (Koliel. r. zu 1, 18.) Iber rechte Ernährungsweise Die Thora Klüt als rechte Lebensweise, dal; der Mensch nicht zuviel Fleisch, sondern nur soviel essen soll, wie er zur Lebenserhaltung braucht. (Chulin S4a.) „Sorge für das Leben deiner Jugend;" daraus lerne, sagt .War Sutra, daß du dein Kind nicht Fleisch und Wein (zu genießen) lehren sollst, (ebd.) In einer Stadt, in der kein Gemüse zu haben ist, darf ein Schriftgelehrter nicht wohnen (weil das Gemüse als Wohlbekömmliche und wohlfeile Speise unentbehrlich ist; Erubin 55b und Raschi z. St.). Vom Genüsse des Obstes werden die Augen glänzend (ein Zeichen der Gesundheit; Sanh. 17b.) Die häufigen Krankheiten unüee* den «Duden Für"' die Verbreitung gewisser Krankheiten spielen neben anderen Umständen die sozialen Verhältnisse und die berufliche Tätigkeit eine große Rolle. So hat während des Krieges der Mangel an gehaltvollen NahrungsmitteIn Krankheitsbilder heraufbeschworen, wie die Knochenerweichung, die uns vordem wenig bekannt waren. Gegenwärtig wird die steigende Verbreitung mancher Krankheiten, wie der Tuberkulose und ihrer Abarten, auf das Konto der herrschenden Wohnungsnot geschrieben. Eine Erklärung gerade für die letztere Tatsache wird wohl darin zu suchen sein, daß die Kaumknappheit eine Verschlechterung der Reinlichkeitsverhältnisse nach sich ziehen muß, die ihrerseits einmal vorhandenen oder neu eingeschleppten Ansteckungskrankheiten einen günstigen Verbreitungsboden bieten müssen. Dazu kommt, daß in der Enge die Verteilung an Luft und Licht, dieser wichtigen Faktoren für die Gesunderhaltung des Erwachsenen und vor allem des Kindes eine ungleiche und unvollkommene bleibt. Es ist nun wissenswert, daß die Wohnungsfrage, die in Westeuropa erst in der Nach kriegszeit so aktuell geworden ist, im Ghetto des Ostens sozusagen eine alte Krankheit darstellt. Die gesundheitswidrigen Zustände in den Judenvierteln in Polen sind naturgemäß älter als diejenigen in den bekannten Industriezentren Westeuropas. Ich erinnere midi, noch lange vor dem Kriege in der Nähe von Brest-Litowsk Erdhöhlen gesehen zu haben, in denen mehrküpfige jüdische Familien hausen mußten. Die leicht übertragbaren Krankheiten, zu denen die Skrofulöse und dort ganz besonders eine schleichende Augenetkrankung, das Trachom, gehört, waren unter den Juden stark verbreitet. Bedenkt man überdies, daß in den timn, wohin die Kinder bereits vom fünften Lebensjahr geschickt werden und in den m^c?1 die hygienischen Maßnahmen sehr mangelhaft waren, und daß auf Leibesübungen überhaupt kein Wert gelegt wurde, so ist es verständlich, daß diese Anstalten die Verbreitung ansteckender Krankheiten, vor allem der Lungentuberkulose und chronischer Kopfaussdiläge (Ekzeme), in hohem Maße fördern mußten. Hierbei tritt noch ein anderes Moment in Erscheinung. In den D'nn, die nicht die geringste erzieherische Grundlage besaßen und weder auf die Leistungsfähigkeit noch auf das Seelenleben des Kindes auch nur die geringste Rüdsicht nahmen, hat man mit dem Nervensystem des heranwachsenden Menschen geradezu Raubbau getrieben; an den schönen Sommertagen, wo das Gemüt des Kindes ins Freie drängte, war man dazu verdammt, in oft überfüllten schwülen Stuben Bibelstellen medianisch auswendig zu lernen. Und wenn man spät abends heimkehrte, W.KretZSChmar Inh.: Rob Hahne praktischer Hemdenschneider Tadellos, sitz. Oberhemden und jeg-liohe Herrenwäsche naoh eigenem Idealsystem. Crawanen-Neuheiten Jetzt 78 Jahre am Markt in Leipzig. war keine Zeit mehr da, um sich uodi ein wenig im Garten oder auf der Wiese zu ergehen. Ich greife diese Reminiszenz aus eigener Erfahrung heraus, weil sie am besten verständlich macht, wj der Grund für jene Krankheitserscheinungen liegt, die unter uns Juden so stark verbreitet sind. Ich meine den Krankheilskomplex, der auf Reizbarkeit und Überempfindlichkeit des Nervensystems basieret.d, als Nervenschwäche bezeichnet wird und in ererbter und erworbener Form unzählige unserer Glauhensgenoi-sen befällt. Wenn die dumpf-mittelalterliche Methodik des nn das kindliche Nervensystem mit Aulgaben überbürdete, denen es kaum gewadisen war, und von der Liebe zur Natur gewaltsam ablenkte, so hat das spätere Leben nodi ein übriges dazu getan, indem es durch den bitteren Kampf um Dasein des Ghettojuden seine Nervenstränge vollends überspannt hat. Die Unfähigkeit, über den Tag richtig zu disponieren, das unselig lange Aufbleiben, wozu auch die Kinder angehalten wurden, wirkte geradezu vernichtend auf die körperiidie und geistige Gesundheil des jungen Menschen. Was Wunder, daß die Labilität des Nervensystems von Generation zu Generation immer stärker wurde! Dazu kommt, daß die Frnährungsweise, die zwar nur an Feiertagen übermäßig, sonst eher als unzweckmäßig bezeichnet werden kann, vorwiegend auf dem Genuß von ciwe.ß- und fetthaltigen Nahrungsmitteln aufgebaut war. Das Fehlen der Gemüse, die außer ihrer regulierenden Wirkung auf die Verdauung noch einen großen Teil jener wertvollen Ergänzungsstoffe enthalten, die für eine ungestörte Entwicklung des Nerven- und Knochensystems, insbesoudere im Kinuesalter, unentbehrlich sind, legte weiteren Grund für die Stoffwechselkrankheiten, mit denen unser Volk ebenfalls gesegnet ist. Die Fettsucht, von der die jüdischen Frauen häufig befallen werden, beruht nicht allein, wie viele glauben, auf einer erblichen Belastung, sondern ist die Folge mangelhafter körperlidier Betätigung und übermäßiger Ernährung mit fett- und zuckerhaltigen Stoffen. Besteht im Körper ein Ausgleidi zwischen aufgenommener Nahrung und geleisteter Arbeit, so kann ein übertriebener Fettansatz unter normalen Verhältnissen nicht Zustandekommen. Und wenn korpulente Mensdien vorgeben IIIIIIIII LOTTE WOLF-BOLXilMß dipl, Lehrerin der ftHensendä^ck^Gymnastik Aufbau Atmung — Gestaltung beginnt mit neuen Kursen tür Erwachsene und Kinder PORZELLAN-PA LAIS, rittebstk. 26 Ecke Goethestraße - Kui 41170 l'll