Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 16 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GT.MEINDEBLATT l'KR ISRAELITISCHEN RELIGJ0NSGEME1NDE, LEIPZIG 2. Jahrgang „Reichsgesundheitswoche" aus unserem Judentum heraus inneres Verständnis entgegenbringen, so gewinnt sie für uns besondere Bedeutung, weil die äußeren Lebensumstände unserer Gemeinschaft und ihre innere Entwicklung in der neueren Zeit die Probleme der Gesundheitspflege auch im' die Juden i• i ein neues Lieht gerückt haben. Die durch wirtschaftliche Entrechtung während langer Jahrlinin! rt< erzwungene Einseitigkeit der Berufsstellung,nicht minder der oft sehr dürftige Lebensstand weiter Kreise der |udi nl t h iben dahin geführt, daß man gewisse Krankheits( rscheinungen als bei den Juden besonders häufig itstellen mußte: es ist notwendig, dem nachh n und um das Uebel /u beseitigen, die Ursachen zu kommt hinzu, dal' die Juden nach ihrem Eintri t in die allgemeine Kultur in beträchtlichem Umfange n I 'ebungen, die einstens der Hebung der Gesundheit forderlieh waren, wenige oder keine Beachtung mehr schenken, so daß die gleichen Maßnahmen wie für die Qesamtbevölkerung in vollem Umfange auch für uns von größter Wichtigkeit sind. So soll denn auch an dieser Stelle der Gedanke der „Reichsgesundheitswoche" Förderung erfahren, indem einerseits iiul die Leipziger Veranstaltungen hingewiesen wird, andererseits der Inhalt der vorliegenden Nummer im wesentlichen der Erörterung solcher Fragen Raum gibt. E s sollte nie m a n d e n g e b e n, der s i c h nicht i n diesen Tagen ernsthaft mit den Problemen befallt, und nicht zu der Erkenntnis dessen gelangt, was er sich selbst, den Seinen und cl e r des a m t h e i t zur Hebung der Ge S U n d h e i t schuldig ist. Das Wunder der Gesundheit Von Dr. med. Pascal Deuel, leit. Arzt des Israelitischen Krankenheims Erde ist der Mensch unumschränkter Herri alle Lebewesen, über die gefährlichsten und tiere gew orden. Nur mit dem Winzigsten in dei itur, i.iit den Bakterien, kaum größer als der tau* [eil eines Millimeters, steht er in einem unerbitt- Kam] f, aus dem er keineswegs immer als Sieger In . ien fallen Millionen und Millionen zum Opfei Ironie über die Herrlichkeit des Menschen, die am Kleinste .1 scheitert! Früher galt die Meinung, daß nur diejenigen ,in deren Körper die Keime Eingang fanden, krank würden. Die .....tr eine Bazillenfurcht unter Laien und Aerzten, .......te man, daß überall, WO Menschen leben, Mikr< rganismen in unzählbaren Milliarden existieren. .......rem Korper hausen sie. In unserm Speichel ternd die Erreger der Lungenentzündung, n kleinen Bruchteil eines Tropfens dieses Speichels eine Maus innerhalb von 24 Std. töten. Millig [ährlichsten Eitererreger trägt der Mensch mit ich. In seinem Darm wimmelt es von Keimen; in iß Löchelchen in dieser Wand und sie rufen eine tödliche Bauchfellentzündung hervor. Dabei versieh die k\ mie SO rasch, daß aus einem ein/igen, .... Schranken, innerhalb von -I Tagen eine isse von der Größe des Atlantisehen Ozeans entstehen wurde. I dich', alle Krankheitskeime zu vernichten. Wir können ihnen nicht entfliehen. Kein Mensch würde »er I rde sein, wenn uns nicht zum Glück die Natur geeignete Abwehrkräfte geliehen hätte. »wie ein kräftiger Staat, rings von Feinden umgeben, k - Heer ständig bereithält, nicht anders der Zcll- Orga ismus. Wenn Krankheitskeime einird das stehende Heer der Leukozyten mächtig Armeen von zahllosen Millionen werden in l .»ir aus dir Erde gestampft, gegen den F 1 rf( n. Sic bilden eine dichte Phalanx gegen ihn, : ihm ein weiteres Eindringen ins Innere des uk< zyten besitzen zudem die Fähigkeit, ifressen und außerdem abwehrende bakluszuscheiden. Neben den Leukozyten in hervorragendem Maße auch andere Kör- Abwehrkampfe und an der Bildung der Abwehrstoffe beteiligt. Diese sind aufs feinste individuell gegen die jeweiligen Erreger abgestimmt und ge richtet, oft so reichlich, daß der tausendste Teil eines Blutserumstropfens genügt, um tausende von Bazillen innerhalb von wenigen Augenblicken zu töten. Die Infektionskrankheit ist nichts anderes, als Kampf des Organismus mit den eingedrungenen Keimen. Der Organismus ist siegreich, wenn er genügende Abwehrkräfte gebildet hat. Zum ülück ist aber das Ueberstehen einer schweren Krankheil durchaus nicht nötig, um uns gegen die jeweiligen Erreger zu schützen. Schon schwache Infekte, die noch keine merkbare Krankheit zeigen, können ausreichenden Schutz hinterlassen. Diese schwachen Infekte, denen wir alle Tag für Tag ausgesetzt sind, gereichen uns zum Segen. Weile, wenn sie fehlen. Es ist vorgekommen, daß Masern, auf eine einsame Südseeinsel eingeschleppt, die ganze Bevölkerung vernichtete. Es ist bekannt, daß Menschenaffen und Neger in Europa sehr oft an akuter Tuberkulose sterben. Sie sind w ehrlos, weil sie vorher keine Gelegenheit hatten, mit dem Krankheitserreger in Berührung zu kommen und genügende Schutz- und Abwehrstoffe zu bilden. Als die Grippe vor etlichen Jahren plötzlich auftrat, forderte sie ungeheure Opfer, und erst in den folgenden Jahren büßte sie ihre Gefährlichkeit ein, weil die Bevölkerung inzwischen mehr weniger immunisiert war. Aerzte und Schwestern erkranken trotz des dauernden Umgangs mit Kranken verhältnismäßig selten, weil sie eben dadurch kleine unmerkliche Infektionen durchmachen, die die Schutzstoffbildung immer wieder anregen. Wahrscheinlich beruht auch die größere Widerstandsfähigkeit der Tuberkulose, die man den Juden nachsagt, auf einer stärkeren Immunisierung infolge des engen Zusammenlebens in den Getthos. Der Schutz, den uns die dauernde Berührung mit gesunden und kranken Tigern von Bakterien verleiht, kann jedoch durchbrochen werden, wenn es zu massenhaften Infektionen, wie durch das Sputum des Tuberkulosen, komm; oder wenn starke Erkältungen die Widerstandskräfte und die Funktionen der Organe schädigen. Je tiefer wir in diese Vorgänge einzudringen vormögen, um so mehr wird uns bewußt das Wunder der Gesundheit. Der geflochtene Schuh als letzte Modeneuheif! 16.50 19.50 NORDHEIMER