Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 13/14 (26.3.1926)
- Date
- 1926-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seiitc 6 seine Schularbeiten nur flüchtig, vielleicht auch gar nicht anzufertigen verleitet wird Zu dieser und anderen Gefahren gesellt sieh zuweilen die Freudlosigkeit mangels anregender Ansprache und Aussprache, zweier wichtiger Faktoren für die seelische Entwicklung der Kinder. Diese auf sich angewiesen, durchleben in ihrer Kinderzeil begreiflicherweise weit weniger köstliche Stunden als jene, die durch sachgemäße Anleitung gewöhnt werden, ihre Zeil ebenso nützlich als angenehm einzuteilen. Die Zahl der Zöglinge im Hort schwankt zwischen 45 und 50. Alljährlich ZU Ostern verabschiedet der Horl die schulentlassenen Zöglinge; durch die verschiedentliche Entwicklung ihrer Fähigkeiten glauben die meisten vor ihrer Entlassung zu wissen, welcher Beruf ihnen am gelegensten sein dürfte. Dank der Fürsprache des Hörles ist diesen Zöglingen oftmals die Möglichkeit gegeben, alsbald entsprechende Stellungen zu erhalten. — Nach Ostern nimm! der Hort mit den noch verbliebebenen Zöglingen und den neu aufgenommenen seine Tätigkeit in gewohnter rühriger Weise wieder auf. Verfolgt doch der Hort das hohe Ziel, seine Zöglinge möglichst sorglose Schuljahre durchleben zu lassen. Bevor die Kinder in Ruhe und in Sauberkeil ihre Schulaufgaben anfertigen, werden sie durch eine Vespermahlzeit, bestehend aus Kakao und Brötchen, gestärkt. Nach Beendigung der Arbeiten tummeln sich die Kinder bei frohen Spielen. Im Sommer auf dem Spielplatz hinter dem Hause, im Winter in dem breiten Vorraum der Etage. Einmal wöchentlich beschäftigen sieh die größeren Mädchen unter sachgemäßer Anleitung mit praktischen Handarbeiten, die größeren Knaben mit Lesen in Unterhaltungsbüchern, indes die Jüngsten, die A13 C.-Schützen, sich vergnüglich in Bilderbüchern ergehen. Audi 'roher Gesang wird im Hort gepflegt, wie das Studieren jüdischer Gedichte und jüdischer Gesänge, die zum Chanukahfest jeweilig zum Vortrag gebracht werden. Um die siebende Stunde versammelt sich die junge Schar wiederum auf den Plätzen, um gemeinsam das Abendgebet zu sprechen. Dann eilt ein jedes, in ungestümem Laut, den Ordnungsruf der Lehrerin kaum noch hörend, die Stufen hinab, dem Elternhause zu. So durchleben die Kinder gesegnete Stunden während vieler Jahre, deren selbst längst gereifte .Männer und Frauen sich in Dankbarkeit gern erinnern. Mit wohlwollenden Blicken beobachtet die Lehrerin aber auch die schwächlich aussehenden Kinder, um diese dein zuständigen Arzt des Kinderhortes für eine Kur im Solbad Dürrenberg vorzuschlagen. Audi andere Kinder, nicht dem Hort zugehörig, werden in der Solbad-Kolonie Dürrenberg bereitwilligst aufgenommen. Die Anmeldung der Kinder kann an jedem Freitag auf dem (kmeindeamt, Löhrstraße lüpt., von 10—11 Uhr erfolgen. — Als eine anerkennenswerte soziale Leistung darf die Führung des Kinderhortes bezeichnet werden, umsomehr. als sieh diese in mandiem Jahre nur durch die Willenskraft edler Frauen und Männer durdizusetzen vermochte. fiaffeefyaus Gd/iefjet <%)oniet)mci KufeutQalt Tätlich nachmittags und abends Ji ü n ft C e r - J? o n j c r t c W.Kretzschmar inh: r0«j Hahne praktische! Hemdenschneider Tadellos, siu. Dbtihemden und Juhöhe Herrenvmche nach eigenem Ideaisysiem. Crawatlen-Keuheiten Jetzt 75 Jahre am Markt in Leip7ig. Möge der Kinderhort noch vielen jungen Generationen zum Segen dienen, dank edler Oönner, die sich in steler Hilfsbereitschaft in deren Dienst stellen. Patty Meyerstein Synagogenkonzert am 14. März Man muß es dem S\nagogenchor Dank wissen, daß er eine Reihe werlvoller Chorwerke, die innerhalb des Gottesdienstes nicht oder nur selten zu Gehör kommen, der Öffentlichkeit vermittelt hat. Der Chor ist unter seinem zielbewußten Letter Ba r n et Li ch t imstande, auch schwierigere unbegleitete mehrstimmige Gesänge mit reiner Tongebung, rythmischer Genauigkeit ui d deutlicher Textaussprache wiederzugeben; nur möchte man den: Sopran etwas mehr Glanz und Frische wünschen. Von den vorgetragenen Chören sind zwei Psalmen von Salonion Rossi von besonderer Bedeutung; sie sind wohl die ältesten nach weisbaren mehrstimmigen synagogalen Gesänge und stehen musikalisch auf außerordentlich hoher Stute, ähnlich den Werken der großen Meister der Renaissancezeit; der strenge reine a capella Stil verleiht den Gesängen eine weihevolle, verklärte, im besten Sinne religiöse Eigenart. Die zahlreichen wertvollen Werke Rossi's verdienen die Aufmerksamkeit und Pflege aller Synagogenchöre. In zwei Gesängen vorwiegend gotteseienstlicher Arl von Lewandowski und Lampe! wurden die Rczitative, im ersteren von Kantor Jaffe, im zweiten vom Komponisten selbst in bekannter vortrefflicher Weise vorgetragen. Die sonstigen durchweg sehr tuten Chorleistungen bestanden in Werken von jadassohn und Arnold Mendelssohn sowie zwei Chören von F. Mendelssohn- Barth oldy mit A'tsolo, das von Frau E. Merklein mit klangreicher Stimme gesungen wurde. Die Motette von A. Mendelssohn „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird" ist in der geistvollen musikalischen Gestaltung der Gegensätze besonders hervorragend In Vertretung für Frau Fanny'Cleve sang Frau Käte Grundmann mit bester Wirkung Arien von Händel (aus ..Debm,!") und F.Mendelssohn („Jerusalem" aus dem Oratorium „Paulus"). Leo Schwarz erfreute durch den künstlerisch vollendeten Vortrag der D-moll-Folia aus einer Violinsonate von Arcangelo Gore Iii, eines auf beständig wiederkehrendem Baßthema aufgebauten, großangelegten Variationenwerkes. Organist Kantor Hiller bewährte sich in den Begleitungen der Solovorträge und mehrerer Chöre und in der Wiedergabe der G-mol!-Fantasie von J. S. Bach als Meisier seines Instruments. Alles in allem; ein eindrucksvolles, wohlgelungenes Konzert, dem hoffentlich zu geeigneter Zeit weitere folgen werden. Karl Lebredit Korbmöbel enorme Auswahl - - gediegene Formen Kinderwagen aparte Neuheiten - billigste Preise TfoäMäcjftä. Neumarkt 16/16 (HohmmiS Hof)