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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-02-19 · 8 (19.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
8 (19.2.1926)
Date
1926-02-19
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 QEMEIN1DEBLATT DEB ISRAELITI die unaufhörliche Abwechslung von aktiven und passiven Epochen kennzeichnet am treffendsten den Werdegang des Judentums. Doch der Drang, die Zustände nach dem Prinzip der Gerechtigkeit tu gestalten, die ethischen und nationalistischen Bestrebungen, Verbesserungs- und Wiedergeburtsplttie zu verwirklichen, all dies hat sich im Judentum trotz allem Wandel der Zeiten immer erhalten. Verfolgung und Unterdrückung haben diesen Aktivismus nicht etwa gelähmt, sondern, im Gegenteil, zu noch zäherer Ausdauer und noch höheren Leistungen getrieben Diese ewige Defensivstellung, das Bedürfnis, aul jedem Gebiet immer wieder zu zeigen, „wir können es auch", erzeugte eine unvergängliche revo- 1 uti o n a r-sc h öpf erisc Ii e K ra11 im Judentum. So entstanden zwei Haupttypen: der kluge Typus, der mit einer staunenswerten Virtuosität es verstellt, über alle Schwierigkeiten Herr zu werden und sich im Leben durchzukämpfen, und der prophetisc h e T y pus, der die Verjttngungs- und Erneuerungsfähigkeit des jüdischen Volkes repräsentiert, die sich aller vorübergehenden Ermattung zum Trotz immer wieder kundgetan hat Die traurigste Epoche ist das XIX. Jahrhundert Das hldentum, das sich mit dem Zwang der Tatsachen niemals abgefunden hat, bei dem das Unmögliche zur Möglichkeit wurde, offenbarte zu dieser Zeit die größte Schwäche und Nachgiebigkeit, die seine Geschichte überhaupt kennt: ein Teil dieses Volkes hat sich nämlich assimiliert. Hieraul kam CHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang als Reaktion die moderne nationale Bewegung der Juden, der Zionismus auf, der sich die historisch notwendige Aufgabe stellte, das Judentum aus der Lahmung, Genügsamkeit, dem Behagen aufzurütteln. Seit vierzig Jahren bemüht sich der Zionismus, die nationale lixistenz des Judentums zu reuen. Heute droht wieder, bis tief in die Reihen der Zionisten, die große Gefahr der Passivität. Das Gebot der Stunde heißt' diese Entmutigung zu überwinden und mit Irischer Kraft an das große Erneuerungswerk des Judentums heranzugehen. Goldmann ist ein außerordentlich begabter Redner. Er verleiht seinen Gedanken eine wunderbar geschmückte, sehr gefällige und pathetische Form. Man vermißte aber die konsequente, wenigstens einigermaßen wissenschaltliche Durchführung des Themas. Der Inhalt des Vortrages konnte von der Möglichkeit einer jüdisch-nationalen Renaissance nicht im geringsten überzeugen. Hierin stimmten die anwesenden Anhänger und Gegner des Zionismus völlig überein. Vergleicht man die zwei Vorträge miteinander, so macht sich gleich ein merkwürdiger Gegensatz geltend. Goldmann sagt die Wiedergeburt des jüdisch-nationalen Genius voraus, ohne ihre historische Notwendigkeit irgendwie begründen zu können. Der Vortrag und das literarische Werk Stelan Zweig's stellt dagegen jüdisches Schöpfertum keineswegs nur als erhoffte oder erwünschte, sondern als unmittelbare Wirklichkeit dar. Stelan Gellüri. Aus unserer Gemesrade Frauenverein ..Ruth Am Dienstag, den TS. Februar, findet die diesjährige Generalversammlung des Frauenvereins „Ruth" im Pfauensaal des Zoologischen Gartens statt. Mit Rücksicht auf die schwere wirtschaftliche Lage und die Notwendigkeit, <u sparen, sieht der Vorstand davon ab, den üblichen Jahresbericht zu verschicken, und nibt nachstehend Rechnungsabschluß mit der Bitte, daß auch weitere Kreise ihn zur Kenntnis nehmen. Sie werden daraus ersehen, wie dringend der Verein zur Aulredilerhaltung seiner segensreichen Arbeit der Unterstützung der breitesten Öffentlichkeit bedarf. R«-chnungs-Abs' iiluss tür das Jahr 1925 Einnahmen Auagaben Kaaaenbeatandl.Jaa.2S M 1296.18 Unteratfitzung. in bar M 6425.70 Rücklage' I. Jan. 25 3559-30 1 raui nklinik, Arzte- Reinertrag y Teenadim. honorar,Medikamentc — 739-23 im Februar 25 2H24.9Ü riebanunengebfihren . 1130.— desul. Im Novbr, 25 ., 2050.45 Pflegerinnen - 170 20 Beitragt 7569.— MUtterberatun gaal alle u Spenden 314230 Sänglingatfiriorge _ S063.49 Rückzahlung Lebensmittel 1160.18 Zinsen 49530 Milch B 759 91 p-.....Lma n . DilrfccAn 11.1.... ... ... ■ IIMUPtll , '.^ fr 1£im9 Wasche _ 13030 Inkassolionorar _ 750.55 11 egramme und Porti 131.65 1 >i iieksaehen p 284J0 Bl uriiije an V ereint 10530 Diverses 154.70 RUcklage ■ 331235 Kaaaenbeataad 856.72 M 2il'.i5.1« M 2111 »5.18 Vorstehenden Rechnungsabschluß geprüft und für richtig befunden Leipzig, den 31. Januar l92(i Rosa Singer Charlotte Gliiekin Ke\ lao rinnen Die jüdische Jugend und ihre Umwelt Am Montag, den J. Februar d. J. sprach im „Kaufmännischen Vcrcinshaus" Herr Dr. Bloch in einer gut besuchten Versammlung der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Jugendorganisationen" über das Thema „Die jüdische Jugend und ihre Umwelt". — Der Referent betonte vor allem in seinen Ausführungen, daß unser Zeitalter im Zeichen von Radio und Sport stehe und daß auch die politischen und wirtschaftlichen Krisen der Nachkriegszeit dazu geführt haben, in der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland eine gewisse, aber deutlich spürbare Resignation und Stagnation eintreten zu lassen. Während in der Zeit vor dem Kriege und besonders in der Generation, der der Redner angehörte, ein beweglicher, revolutionärer Geist die jüdische Jugend beseelt habe, der sich zu neuen Ideen und Idealen aulgeschwungen habe, könne man heutzutage von einer eigentlichen jüdischen Jugendbewegung gar nicht sprechen. Vor allem brauche die jüdische Jugend neue Führer! Lr betonte weiter, daß der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in einer jahrzehntelangen Sisiphusarbeit nicht viel mehr erreicht habe, als zur Zeit der Emanzipation bereits erreicht worden war, und daß die deutsche jüdische Jugend, die dieser Bewegung angehöre, wohl kaum noch als Juden anzusehen wäre. Die einzige Möglichkeit, die jüdische Jugend zu bewußten, echten Juden zu erziehen, erblickte tfaffeefyaus Schießet GDornefymev Zlnfenttfatt Täglich nachmittags und abends JtünftleT'Jtoniexte rm.. „ub-iü^f-jc. - ----- iClirnnrniir^iifjiiitijjii -iiWIPl'," I* i:¥ 1 riM'1 ' *1 £eipjig, 5>i(trid>ring 1$.

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