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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-02-12 · 7 (12.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
7 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Seite 3 Aus unserer Gemeksd© Syn'agogale Architektur und das Problem jüdischer Kunst Dje hiesige Ortsgruppe des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am Donnerstag, den 4 Februar, ihre diesjährige Jahreshauptversammlung ah. Geschäfts- und Kassenbericht zeigten, daß die Ortsgruppe unter der rührigen und geschickten Leitung de: derzeitigen Vorsitzenden, Herrn Fabrikbesitzer Julius Krause, in gesunder Entwicklung arbeitet. Ans den Erschütterungen, die unmittelbar nach dem Kriege und in den Inflationsjahren an die Ortsgruppe herankamen, ist diese wieder gefestigt hervorgegangen, ,wie aus der intensiven Arbeit deutlich erkennbar ist Erforderlich aber ist eine weitere Steigerung der Teilnahme von Mitgliedern an der Vereiiisarbeit, die ja gegenüber dem Kampfe der Völkischen eine festgefügte Abwehrorgwiisation schaffen will. — Gemäß dem Vorschlage des Vorstandes wurde ein engerer geschäftsführender Vorstand gewählt, bestellend ans den Herren Julius* Krause (!. Vors.), Moritz Ury (2. Vors.), Rabbiner Dr. Goldmann, Rabbiner Cohn, Albert Held, Rechtsanwall Dr. Hans Jacoby, Max Rothschild; in den Gesamtvorstand wurden ferner die Herren David Bergmann, Dr. Hans Goldmann, Rechtsanwalt Dr. Conrad Goldschmidt, Max Jaffe, Hans joske. Rechtsanwalt Dr. Heinz Joske, Julius Lustig, Dr. Neuhaus und Moritz Ritter gewählt. — Nach Erledigung des geschäftlichen I eiles hielt 1 lerr Architekt Dr. Ing. Leo Adler einen äußerst anregenden, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über „die synagogale Architektur und das Problem jüdischer Kunst". Die mit zahlreichen Lichtbildern illustrierten Ausführungen wollten an dem Beispiel des salomonischen Tempels und den in Galiläa bloßgelegten Synagogenruinen das lügenartige jüdischer Kunst untersuchen. Von dem Wüstenheiligtum, dem Stiftszelt, sind keinerlei Reste geblieben, sodafi eine Rekonstruktion unmöglich ist. Kür den Tempel Salomos bietet , eine Darstellung der Bibel immerhin Grundlage genug für ein deutliches Bild wenigstens vom Grundrisse dieses Heiligtums. Ein Vergleich mit den heidnischen KultstäHen jener Zeiten verrat unverkennbar, daß für die Architektur des Tempels zu Jerusalem assyrische, ägyptische und phönizisch-aegaeische Einflüsse mitgewirkt haben. Aber es war eine haukünstlerische Tat von größter Bedeutung, daß der israelitische Grundriß d-e auch sonst Üblichen drei Räume des Tempels in einer Längsachse anordnete, sodaß sich dem Beschauer schon vom Eingange her der Blick über das gesamte Heiligtum eröffnet. Damit wurde der Grund des basilikalen Bautyps gelegt, der sich dann in der christlichen Basilika zum monumentalsten Bautyp abendländischer christlicher Architektur entwickelte. — Als das lange gesuchte Mittelglied zwischen den heidnischen Bautypen und der christlichen Basilika stellt sich der Bautyp der aus dem 3. Jahrhundert stammenden galiläischen Synagogen dar, deren Reste vor etwa 20 Jahren ausgegraben worden sind. Audi sonst haben diese Ruinenstätten interessantes I.icht auf die Bauweise jener alten Synagogen fallen lassen: im Innern haben sie eint an drei Seiten entlang laufende Säulenhalle mit eigenartigen Ecksäulen herzförmigen Querschnitts, an der vierten Seite sieht derThora« j Schrein; Anlage einer P.mpore als Frauenraum ist die Regel; an den Längsseiten sind die Sitzbänke angebracht. Die Frage der Begabung des jüdischen Volkes für die Kunst muß im Anschluß an diese Beispiele bejaht werden. Wenn fremde Einflüsse bemerkbar sind: wo gäbe es eine nationale Kunst, die ganz autochthon gewesen wäre. Alle Völker haben Fremdes aufgenommen. Aber dieses Fremde ist hier bei den Juden durchaus selbständig fortentwickelt worden. Die jähe Unterbrechung dieser jüdischen Kunst beweist nichts gegen die Be- | gabung der Juden: wohl paßt sich die Synagogen-Architektur späterer Zeil immer der Umgebung an; aber wie sollte das | anders sein, da das Schicksal die Juden in alle Windrichtungen zerstreute? Die zahlreichen bedeutenden Künstler unserer Zeit widerlegen, ebenso wie die alten stummen Zeugen, die Miir von dem Mangel an künstlerischer Schöpferkraft der Juden. „Vom Rechte, das mit uns geboren ist . . . ." (Zum „Nietzsche'-Vortragim Jüd.Theaterverein Jüd.Jugendbund) In der Gesetzgebung seiner Zeit und in ihrer Anwendung vermißte der große Olympier von Weimar schmerzlich die Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte und gab seiner Erbitterung darüber den lebhaftesten Ausdruck durch den Mund seines Mephisto. — In dem dieswöchigen Abschnitt des Gesetzbuches des großen Sinaiten hätte er diese Anerkennung in solch reichem Maße finden können, daß ihn der Gegensatz zwischen seiner Zeil und der Zeil vor mehr als dreitausend Jahren vielleicht noch schmerzlicher berührt hätte. Aber die glücklichen Besitzer dieses wunderbaren Oesetzbuches würdigen es selber kaum der Beachtung und man muß ihnen von Zeit zu Zeit am Gegensätzlichen zeigen, wie hoch die Lehren der Mosisbücher über allem stehen, was da aus dem Oeiste der Mehschheitsbeglücker im Laufe der Jahrtausende geboren worden ist. Aus diesem Gedanken heraus hat der Jüdische Theaterverein Jüdische Jugendbund einen Nietzsche-Abend veranstaltet und den in Wissenschaft und vollendeter Rednergabe gleich hervorragenden Gelehrten, Professor Dr. Menzel von der Höh. Isr. Schule zu Leipzig, für einen Vortrag über Friedrich Nietzsche gewonnen. Dem einsam ragenden Denker des „Übermenschentums", der die Kräfte, die mit uns geboren sind, über die Rechte, die mit uns geboren sind, stellen wollte, soll du;, Sinaigesetz mit seiner entgegengesetzten Lehre gegentlberge- I stellt werden. Und d?m heuchlerisch - falschen Stolz unsereder fabelhaft niedrigen Preise im Inventur-Ausverkauf vom 4. 16. Febr. des Uhrenhauses Opitz, Hainsfip.SC/^'^fMIl!) Keine agen ist gelöst! Ladenmiete, niedrige Spesen, Eigenfabrikation, große Abschlüsse für 3 Verkaufs- . 300 dauernd Inn Gang befindliche Uhren beweisen die Zuverlässigkeit selbst der billigsten Uhr. Hausuhren Eiche, Gon^schl.,Messin^wk. do. „ Westminst.-Glockensp. 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