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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-02-04 · 6 (4.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
6 (4.2.1926)
Date
1926-02-04
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Seite 3 Seitens der Leipzig• Loge ist geplant, wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse angängig erscheinen lassen, eine Ausstellung von Gemälden und Graphik lebender jüdischer Künstler zu veranstalten. Dann wird Gelegenheit sein, auch dieses wunderbar empfundene Blatt zu sehen. Wenn wir zu Bild 82 zurückkehren, so sehen wir, daß bei Genellis Zeichnungen die Linie die Hauptsache des Ausdrucks ist. Gleich im Nebensaal (dem früheren graphischen Kabinett) haben wir nunmehr Gelegenheit, einen in Technik und Farbe ganz extrem modernen Künstler bei der Auffassung eines biblischen Stoffes zu sehen. Der Künstler Rüdiger B er III (Bild 1122) schildert die Auffindung Moses (2. B. Mos. Kap. 2). Die Form dieses Ölbildes ist bedingt durch das innere Erlebnis des Künstlers. Das Bild soll wirken durch den einheitlichen Zusammenklang der Form und der Farbengegensätze, aus denen es aufgebaut ist. Uns Älteren ist es, als gewönnen die Modernen den Dingen eine Seite ab, die uns vorher verborgen war: dieses rhythmische Gemälde strebt nach liner neuen harmonischen Wirkung. Man kann keinen gröberen Gegensatz in der Auffassung des g I ei che n testamentarischen Stoifes anführen, als das Bild des Malers Dominique P apety im Saal 2t> (I.Obergeschoß Nr. 171). Im Hintergrund dieser groben Leinwand erscheinen die Baiaste der Pharaonen, man sieht in das Niltal. Vorn am Ufer des Stromes ruht, von ihren Dienerinnen umgeben, die Königstochter. Der kleine Moses, der ihr aus seinem Bastkorb gereicht wird, scheint zu be'.en. Die heilige Schrift spricht von einem drei Monate alten Knäbleiu. Dieser Junge würde sicher der Königstochter schon entgegenlaufen können. I'apety hat 1836 den großen Rompreis errungen, wohl kaum für diese Schilderung, die weder historischer noch jüdischer Einstellung genügen darf. Dafür haben wir im II. Geschoß (Saal 2) gemalt von Gerardt von Kügelgen, den ausdrucksvollen Prophetenkopf „Moses", der im Auge und Ausdruck grobe Kraft beweist, und damit von gutem Studium der Renaissancewerke eines Michel Angelo und Rafael zeugt. Die Schöpfungsgeschichte Adam und Eva im Paradiese und der Sündenfall ist in den Aktbildern von Wilhelm Müller. S di ö n e f e I d (Untergeschoß Bild T29) und in einer Ideallandschaft von L u d w i g von Holl m a n n (i )bergeschoß Bild 87(i). Fva am Baum der Erkenntnis, Adam auf blumiger Wiese schlummernd, gut vertreten. Ferner in einem eigenartigen Tryptichon auf Goldgrund von Ernst Degert, Düsseldorf (II. Geschoß, Saal 1). Die Handlungen des Sündenlalles sind gemalt. Von dem Baume der Erkenntnis ringelt die Schlange; links bietet Fva Adam den Apfel an; das Paar ist nackt. Rechts sehen wir das schuldbewußte Paar, die Lenden mit Feigenlaub bedeckt unier einem Garteniuium versteckt. Gott der Herr ruft dem Menschen EU: Wo bist Du? Die Worte der heiligen Schrift sind in die gothischen Bildecken eingegraben. Von dem Leipziger Maler Ad am F r i e d rieh Oes er ist in diesem Zusammenhange zu nennen: König Salomo dem Götzendienst höhnend (2. Buch der Könige, Kap. 11). An Darstellungen aus der Bibel wäre noch zu erwähnen das figurenreiche Gemälde „Das Opfer Noahs" (Bild 119, I. Obergeschoß) von Joseph Anton Koch. Uber einer Landsdiall mit Feiseugebirgen, Wasserfällen und Seen wölbt sidi der Regenbogen, die Tiere der Arche Noahs wimmeln auf Frden; Noah opfert auf selbsterrichtetem Altar, umgeben von seinem Weibe, seinen Söhnen und den Weibern seiner Söhne. Vergebens suchen wir etwas typisch Jüdisches von dem holländischen Maler Jos Jsraels, dessen ergreifendes Gemälde „Fin Sohn unseres Volkes" ein jeder Jude in Reproduktion besitzen müßte. Im städtischen Kupicrstichkabinctt ist Jsraels aber in sehr guten Radierungen vertreten. Audi (ahndeten wir nadi der Marmorbüste von Henriette Goldschmidt und ließen uns sagen, daß sie einen Ehrenplatz bei den Bürgern Leipzigs in der Wandelhalle des Neuen Rathauses gefunden hat. Bei dieser Gelegenheit fiel uns auf der Galerie das große Bild von Herberl llerkomer „Die Auswanderer" auf. Eine Wartehalle mit Auswanderern in einer I lafenstadt, die zusammengedrängt mit allen Habseligkeiten auf den abgehenden Auslandsdampfer warten. Sehnsucht, Abschiedsschmerz, Hoffnung, Verzweiflung, stumpfes Brüten und Leichtsinn, alle Regungen der Menschenseele sprechen aus diesen Gestalten. Die Mitte des Bildes beherrscht ein alter, ehrwürdiger jüdischer Greis, der sich auf seine Tochter stützt. Man fühlt, daß der gläubige Mann, auch losgelöst von seiner Heimat, im fremden Lande seinem Glauben treu bleiben und die ihm liebe und überlieferte Tradition halten wird, solange er atmet. Dieser großen Leinewand gegenüber zum Oberlichtsaal des Kunstvereins hängt die ein/ige aber vorzügliche Bronzeplakette eines großen Juden: Moses Mendelsolin (1729— ]786), ausgeführt von dem seit I9J4 in Leipzig lebenden Otto IBemann, angekauft aus städtischen Mitteln. Bei unserer Wanderung finden wir, daß die moderne Malerei das Stoffgebiet des Malers stark eingeschränkt hat. Portrait, Landschaft, Blumenstück, Stilleben wiederholen sidi. Es bleibt ein gutes Stück Welt außerhalb der Schilderung. Das kommt einem am besten zum Bewußtsein bei der Betrachtung graphischer Blauer. Alles, was der Maler aufgegeben ha!, darin und davon lebt der Graphiker In zehn ihrer Blätter ist mehr Mannigfaltigkeit als in hundert Gemälden. Gerade jüdische Künstler haben uns in Radierungen, Holzschnitten und Lithographien große und auch jüd:r.d:c Kunst geschenkt die in guten Vorzugsdrucken im graphischen Kabinett des Museums besichtigt werden können. |ede Woche ist das Kupferstichkabinett auch einige Abendstunden zur kostenfreien Besichtigung geöffnet. r i i v \r&srsai i.;s2:-vj:r, :. v*:^>:-?. 3u Domain '.Kollcmö'ö 60. (öeburfofage |J empfehle Mjcn t'lajjijdjcSSVrl'c 3n jiimtl.iRuogaben ft«to ouf £agcr> SAaAfrbftn bringe id> mein reichhaltige« Sortiment in Klassikern, Romanen, Reisebeschreibungen, Jugendschriften und alEen Neuerscheinungen in einpi'htenöe (Erinnerung. Aufkf>tft]<nbungen ftet* gerne ju Oi«nft«n. Ml. 'SO. Kaufmann, £etp3ig, 35rül)l $ Aaswerkauf* vom 1. hin 14. Februar ■ Madrasgarnituren, Künstlergarnituren, £ Halbstores, Spannstoife, Decken usw. u nie wiederkehrenden Gardinenhaus Willy Brägas, Grimmaische $\rA5, Hansa-Haus-Passage

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