Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 6 (4.2.1926)
- Date
- 1926-02-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4876568-5968774-5968886--0305-4876832- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 GEME1NDERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Ort"-Aktion in Deutschland pi Am Dienstag, den 12. Januar, hat sich der Aktions-Ausschuß der „Ort" (Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden) für Deutschland, nachdem im Oktober unter Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Baeek die Gründungs-Konferenz stattgefunden hatte, konstituiert. Es waren u. a. folgende Persönlichkeiten anwesend: Justizrat Dr. |. Brodnitz, Justizrat Chodziesner, Dr. Arthur Hantke, Bankdirektor Wilhelm Kleemann, Moritz A. Loeb, Dr. Loewenstein, Frau Henriette May, Dr. Paul Nathan, Frau Minna Schwarz, Dr. A. Singalowski, Bankdirektor Dr. N. Soloweetschik, Justizrat Hugo Sonnenfeld und Professor Ludwig Stein. — Der Aktions-Ausschuß hat es sich zur Aufgabe gemacht, für die Bestrebungen der ..Ort"-Bewegung, die — wie bekannt — die Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden betreibt und bereits in Rußland. Rumänien, Polen, Lettland, Estland, Litauen, Tsehecho-Slowakei, Prankreich, England, Amerika in weitestem .Maße Fuß gefaßt hat. auch die ideelle, moralische und materielle Linterstützung der deutschen Juden zu gewinnen und zu mobilisieren. Dem Präsidium' des Aktions- Aussduisses für Deutschland gehören an: die Herren Wilhelm Kleemann, Direktor der Dresdner Bank. Chefredakteur Georg Bernhard, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil und Proiessor M. J. Bonn. Für die Leitung der zu leistenden praktischen Arbeit, um die Mittel für den Wiederaufbau-Fonds zu beschaffen, steht dem Präsidium der engere Arbeits-Ausschuß zur Seite, der seinerseits von verschiedenen Sonder-Kommissionen unterstützt wird. Die Mittel des Wiederaufbau-Fonds sind für die Kredit- Operationen des Verbandes „Ort" bestimmt, der so die jüdischen Handwerker mit Rohstoffen und Werkzeugen und die jüdischen Ackerbauer mit Maschinen, Saat, Dünger usw. zu günstigen Kredit-Bedingungen versorgen kann. In der Sitzung am 12. d. M. wurde der Arbeitsplan für die nächste Zukunft vorgelegt und durchberaten. Mit der praktischen Arbeits-Erledigung des genehmigten Arbeitsplanes ist sogleich begonnen worden. Auf Grund eines von Dr. Erwin Eisenstaedt gegebenen Berichtes hat die „Ort"-Bewegung im ganzen deutschen Reich großen Widerhall gefunden. Einige Hundert Unterschriften und Sympathie-Erklärungen der führenden deutschen Juden für die Weitertragung der „Ort"-Bestrebungen in Deutschland sind bereits eingelaufen. Zu diesem Zwecke hat der Aktions- Ausschuß beschlossen, einen Aufruf zu erlassen. Aus unserer Gemeinde Lesestoff für Gefangene In den Leipziger Gefangenenanstalten gibt es leider eine beträchtliche Anzahl jüdischer Untersuchungs- und Strafgefangener. Zurzeit mau ihre Zahl etwa dreißig betragen. In der Einsamkeit der 1 laft macht sich das Bedürfnis nach LesestofI und nach Gebetbüchern in ganz besonders starkem Maße geltend. Die beträchtlichen hierzu erforderlichen Mittel sind aber leider nicht vorhanden. Die Bitte des Unterzeichneten geht nun dahin, ihm Bücher jeglicher Art für die Gefangenenanstalten zur Verfügung zu stellen. Es kommen in Betracht: I.Gebetbücher für die Wochentage und Feiertage, 2. jüdisch-religiöse Werke in hebräischer Spradie. 3. Unterhaltungsliteratur in jüdischer Sprache (ganz besonders notwendig). 4. Unterhaltungsliteratur in deutscher Sprache. Wer durch Schenkung solcher Bücher den Gefangenen in der nervenaufreibenden Eintönigkeif der Haft Gelegenheit zu religiöser und geistiger Erhebung gibt, tut gewiß ein gutes Werk. Zusendungen erbittet Gemeinderabbiner Dr. Felix Goldmann, König Johannstr. 271. Auf telefonischen Anruf (Nr. 21667) werden die Bücher auch abgeholt. Personalnachricht Am 12. Februar vollendet das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Fräulein R o s a I i e Wildau, ihr 95. Lebensjahr. Die Jubilarin erfreut sich körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Wenn es nur eben die Witterung gestattet, macht sie ihren Spaziergang im Rosental. Von ihrer geistigen Frische zeugt das kleine Gedichtchen, das sie jüngst diktiert hat: Bald ist der zwölfte Februar, Da bin ich 95 Jahr, Und glaubt nur nicht, ich bin vermessen, Zu denken: Gott hätt' mich vergessen. .....j. .... :u~ rmVit, ui wuiuc gerne /.u nun ^»u Denn in der Welt ist's nicht mehr schön. Die meisten Lieben sind gestorben, Und mir geraubt, was idi erworben. Nun wünsche ich aus Herzensgrund, Daß, die mir blieben, stets gesund. Wir wünschen der in so gesegnetem Alter stehenden Greisin von Herzen Bewahrung ihrer Frische, Freudigkeit an weiteren gesunden Lebensjahren. Jüdischer Theaterverein / jOdlscher Jugendbund zu Leipzig iener Prater-Rummel herrscht am Montag, den 8. Februar d. J. in den oberen Sälen des Krystallpalastes Von Anfang bis Ende urgemütliche Stimmung! Von Anfang bis Ende urgemütliche StimmungI Wollen Sie an diesem Fest des Jüdischen Theatervereins 'Jugendhundes teilnehmen, so besorgen Sie sich umgehend Fint"t*i1"t"<iW^ll*1"fakn 2"5^ und 3.50 Mk. bei Herrn Ph. Hübner, Lessingstr. 6 oder Herrn H. Brecher H-LolVCi.1 Ltll Tauchaer Str. 11. — An der Abendkasse Kartenabgabe nur in beschr. Umfange' Beginn 8 Uhr. Maske oder Gesellschaftsanzug 1 Prämiierung der schönsten Damen- und Herren-Mask« >n.