Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 6 (4.2.1926)
- Date
- 1926-02-04
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 2. Jahrgang Volkstümliche Übersetzung des Kizzur Schulchan Aruchs von Rabbiner Dr. M, Kahn Durch Vermittlung der Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M., Zeil 2/, kann das obige Werk in etwa 4ü bis 45 Lieferungen von Heftchen zu je 32 Seiten Oktav .-.um ermäßigten Preis von 60 Plg. für jedes Heftchen bezogen werden. Das Werk unterrichtet über die Vorschriften unserer Religion in volkstümlicher Weise. Leipzig, den 18. Januar 1926 Her Voi stand der Isr Religionsgemeinde zu Leipziu Weine und Spirituosen der Firma Ad. J. Elkeles (Inhaber Hermann Flkeles), Hamburg Auf Veranlassung unseres orthodoxen Rabbinats weisen wir auf eine Bekanntmachung hin, die das Hamburger Rabbinal erlassen hat. Die Bekanntmachung lautet: Es wird hiermit bekannt gemacht, daß die von der Firma Ad. J. Elkeles (Inhaber Hermann Elkeles) in Hamburg in den Vorjahren in den Handel gebrachten W eine und Spirituosen am Pessach nicht gebraucht werden dürfen. Hamburg, den 28. Dezember 1925 (gez.) Oberrabbiner Dr. S. Spitzer Leipzig, den 19. Januar 1926 Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemelnde zu Leipzig Bildende Kunst Von Arthur Wildau Das künstlerische Schaffen der Menschheit hat irr. Laufe der lahrhunderte unermeßliche Kunstschätze aufgehäuft Vielen von uns sind sie fremd. Während durch Vorträge, Theater- und Konzertaufführungen ein großer Teil unseres im Geschäftsleben stehenden Volkes tiefe Findrücke von Literatur und Musik empfängt, bleibt es von der Malerei und Bildhauerei bis auf einen kleinen Teil Interessierter fast nahezu ausgeschlossen. An Museumsführungen können naturgemäß nur wenige teilnehmen, und so kommt es. daß viele von uns zum bildenden Künstler und seinem Kunstwerk noch nicht tiefe Beziehungen gefunden haben. Manche behaupten, daß das Verstehen von Kunstwerken angeboren sei und niemals gelernt werden könne. Diese Ansicht ist aber nur zum kleinen Teil richtig. Allerdings sind die Begabungen für das Verständnis der Kunst ebenso verschieden, wie die Begabungen zum Verstehen wissenschaftlicher Bücher oder zur übersichtlichen Leitung eines großen geschäftlichen Unternehmens, eines sicheren Gefühles für richtige Disposition oder der Entwicklung eines eigenen ausgeprägten (ieschmacks. Eben diese wirtschaftlichen Dinge macht der Mensch von seinem Verstände aus. Sein Denken ist es, das den Ausschlag gibt. Oerade das Gegenteil ist bei der bildenden Kunst der Fall. Hier spielt die vers'andesmäßige Überlegung keine Rolle. Hier überläßt sich der Mersch durchaus nur seinem Gefühl. Unser heutiger Aufsatz soll aus der Linermeßlichkeit des Kunstschaffens nur einen winzigen Ausschnitt geben, und die Behandlung der Frage: „W as interessiert uns im Leipziger Museum für bildende Künste besonders a i s Juden" soll nur eine Anregung sein zur Weckung des künstlerischen Bewußtseins. Auf der Suche nach Darstellungen biblischer Stoffe linden wir im Vestibül unseres Bildermuseums am Augustusplatz im Raum vor K.üngers Beethoven den berühmten Zeichner Bonaventura Gene Iii, einen geborenen Berliner, der 1868 in Weimar starb, seine kürstierische Entwicklung in Italien vollendete und in seinen großartigen Bleistift Tuschzeichnungen, angeregt durch den Maler Gornelius, europäischen Ruf genoß. Betrachten wir als erstes Bild Nr. 3 „Abraham mit den drei Fngeln", die ihm die bevorstehende Geburt des Isaak verkünden. Dieser Kanon ist später von dem in sehr bedrängten Verhältnissen in Mimchen lebenden Künstler auf Bestellung des Grafen Schack, der ihn unterstützte, als Ölgemälde ausgeführt worden. Mit der Freiheit des Künstlers benutzte er die Schilderung 1 B Mos. Kap. 18. Dankend neigt Abraham sein Haupt, und das Auge strahlt vor Glück über die Botschaft des zu erwartenden Sohnes, bei seinem hohen Alter. Sara soll die Fngel hinter den Falten des Zeltes vernehmen, steht aber hier als Jüngere vor dem Zelte. Vom gleichen Künstler sehen wir in Aquarellfarben „Die Vision des Ezechiel" (Bild 81). Geflügelte Gestalten mit Tierköpfen ziehen, von einem Fngel geleitet, den auf einem Triumphwagen stehenden Ezechiel. Audi das von allen Künstlern bis in die modernste Zeit gesuchte Motiv von „Simson und Delila" ist bei Genelli (Bild 82) in einer Rötelzeichnung im Stil des klassizistischen Umrißstiches vertreten, und es interessier! uns, wie sich noch andere Maler zu den wundervollen Kapiteln 14 bis 16 des Buches Josua eingestellt haben. Der Führer der modernen Malerei, Max Liebermann, baut daraus eine gewaltige Komposition der zwei nackten Gestalien auf weißem Ruhelager; durch die wehende Zelttür spähen lüsterne Philister, die im nächsten Moment den wehrlosen, herkulischen Simson blenden und wegschleppen. Der Hainburger E. S p e c k t e r (Bild 235) nähert sich in der Darstellung des gleichen Vorganges mehr der italienischen Schule. Das offene Zelt, vor dem sich die Philister drängen, bringt einen gesucht scharfen Gegensatz zu dem schlafenden Simson, dessen Locken Delila, in dem Gefühl des endlichen Triumphes, den Henkern entgegenstreckt Das Motiv des geblendeten Simson, der die beiden Mittelsäulen des Palastes der Philister stürzt und ergreilend die Bitte zu Gott um Kraft ausdrückt: „Laß mich sterben mit den Philistern", hat unser berühmter jüdischer Maler Lesser Ury aus Birnbaum in einem graphischen Blatt gemeistert. Stiefel Die große internationale Mode nordheimer /