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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-01-15 · 3 (15.1.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
3 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang fj; raschende Zusammenhänge zwischen der sozialen Bewegung der Weberzunft und der Literatur der verschiedenen Zeiten aufzuzeigen. Wiederholt waren jüdische Dichter an der Schaffung dieser sozialen Literatur beteiligt. — Gerade die im Mittelalter besonders angesehene Zunft der „K'eidermacher" war es, die durch die Fortschritte der Maschinentechnik aufs härteste betroffen wurde und mit Riesenschritten in ganz kurzer Zeit einer unsagbaren Verelendung entgegenging, die gerade wegen der Volkstümlichkeit der Zunft größtes öffentliches Aufsehen erregte und innerhalb der Reihen der Weber heftige soziale Kämpfe zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern hervorrief; früher als dies in anderen Arbeitergruppen der Kall war. Diese Vorgänge hatten ihre starke Wirkung auf die Literatur und der Redner wußte diese Einflüsse in fesselnder Weise darzustellen. Über Volksgesänge des 16. und 17. Jahrhunderts führte seine Betrachtung zu Heine („Die schlesischen Weber"), Freiligrath („Aus dem schlesischen Gebirge") u. a. und dann zur dramatischen Dichtung. Hier fanden Hauptmanns „Weber" und Tollers „Maschinenstürmer" besonders eingehende Beleuchtung. — Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine lebhafte Aussprache. In dem musikalischen Abend am 6. Januar d. J. erlebte der Verein nach langer Unterbrechung wieder einmal die Mitwirkung seines musikalischen Gruppenleiters, Herrn Erich Schmerel, der in einem gedrängten „Vorwort" eine bei aller Kürze recht anschauliche Übersicht über die Entwicklung der Musik von der Monophonie über die Klassik zur atonalen Moderne gab. — Zur musikalischen Illustration dieser Ausführungen wurden, außer kurzen Beispielen aus älterer Musik, klassische Klavierstücke von Brahms und Beethoven, moderne Stücke von Walter Niemann u. a. geboten, wobei sich unsere wackeren Vereinsmusikanten in dankenswerter Weise betätigten, wie Melitta Krupenie, Gebrüder Berkowitz und als Gast Herr Röltsch. — Der Abend war ebenso lehrwie genußreich und seinem Leiter, unserem Fritz Schmerel, ward herzlich gedankt. M. J. Abendheim der jüdischen Jugend Es ist beabsichtigt, um für jene Teile der heranwachsenden jüdischen Jugend, denen es an einem Heim fehlt, Zusammenschluß und Unterhaltung zu geben, an einigen Abenden in der Wuche Heimabende zu veranstalten. Die jungen Leute sollen zusammenkommen und nach einleitendem Vortrage oder musikalischer und literarischer Unterhaltung gemütlich beisammen bleiben. Die Veranstalter gehen von der Anschauung aus, daß gerade heute das Bedürfnis jüdischer junger Menschen, an ihren Abenden nicht auf ihr kahles Zimmer oder auf das Cafö angewiesen zu sein, ein besonders großes ist, und daß sie gern jede Gelegenheit ergreifen werden, um bei Unterhaltung und in angenehmer Gesellschaft ihre Abende zu verbringen. Vorläufig wird es nur möglich sein, zweimal in der Woche, und zwar Montag und Dienstag abend, derartige Heimabende abzuhalten. Sie sollen im grünen Saal des Zoologischen Gartens stattfinden, und zwar beginnen sie am Montag, den 28. Januar, um 8 Uhr, mit einer musikalisch-literarischen Abendunterhaltung, zu der alle jumien Leute beiderlei Geschlechts hiermit eingeladen seien. Nähere Auskunft erteilt Frau Berta Soloweetschik, Leipzig, Funkenburgstraße 7. £eip3ig, 'SWfrichring 18. Isr. Wohltätigkeitsverein, Abt. Speiseanstalt Im Jahre 1925 wurde die Speiseanstalt des Isr. Wohltätigkeitsvereins stark in Anspruch genommen. 1924 betrug die Gesamtausgabe der verabreichten Portionen 32400, während im verflossenen Jahre 43079 Portionen ausgeteilt wurden. Seit Anfang März 1925 ist die Sabbath-Speisung eingeführt worden, die sich einer steigenden Frequenz zu erfreuen hat. Auch die Studenten- und Mittelstandsspeisung hatte gesteigerten Ansprüchen Rechnung zu tragen. Besondere Gratis - Festessen wurden von unseren treuen Wohltätern und Gönnern an bestimmten Erinnerungstagen und gelegentlich froher Familienfeste gespendet und zwar in diesem Jahre an folgenden Tagen: am 7. und 17. Januar, 1. und 10. März, 2. und 10. April, 9. Mai, 5;Juni, 17. Sept. und 16. Okt. Die nachfolgend verzeichnete Übersicht der einzelnen Gruppen der Speiseanstalt dürfte für die Interessenten unseres Vereins ein übersichtliches Bild unserer Tätigkeit bieten. 1925 Altersversorg. Stud.- u. Mittelst.- Speisung Volkskiidie Regie Port, ohne i Fleisch An Durchreisende c .2 1 ■ h. iigetieseif Ptrllnri lillagesstl IM in D.ISibhth- Ihlfsi TagM Spmung , Gesamt- : Ausgabe Portionen Jan. 315 800 1042 177 46 82 87 15 _ — 2564 Febr. 272 741 887 174 32 76 29 18 — — 2229 März 297 856 1021 194 61 99 53 20 — 180 2781 April 203 519 702 135 29 86 24 11 — 130 1839 Mai 316 1070 1110 173 65 152 89 16 — 295 3286 Juni 325 1146 1267 152 115 132 50 9 10 197 3403 Juli 366 1351 1388 210 90 204 62 17 19 227 3934 Aug. 337 1225 1496 210 124 209 83 1 1 269 3955 Sept. 379 1037 1744 225 96 155 47 12 8 337 4040 Okt. 403 1383 1646 241 67 103 30 14 11 789 4687 Nov. 352 2024 1817 216 66 120 60 12 1 365 5033 Dez. 341 2182 1783 288 105 174 137 8 1 309 5328 c I 3906 | 14334 115903 2395 | 896 | 1592 | 751 153 51 3098 | 43079 Leipzig, im Januar 1926 Der geschäftsführende Vorstand Nachrichten aus dem Gemeindeamt Vorträge für Arbeitslose Das Arbeiterbildungsinstitut veranstaltet für Arbeitslose eine Reihe von Vorträgen mit Filmen und Lichtbildern. Die israelitische Religionsgemeinde stellt den jüdischen Arbeitslosen für die nachstehenden Vorträge unentgeltliche Eintrittskarten zur Verfügung; sie können im Gemeindeamt, Löhrstraße 10, Erdg., entgegengenommen werden. Montag, den 18. Januar, vorm. 11 Uhr, im Volkshaus, großer Saal: Filmvorführung: „Die weiße Seuche", Vortragender: Herr Dr. Soloweetschik. Montag, den 25. Januar, vorm. 11 Uhr, im Volkshaus, großer Saal: Film: „Ursache und Folge der Geschlechtskrankheiten", Vortragenden Herr Dr. Soloweetschik. SCHIRME REPARATUREN STÖCKE BEZÜGE GUSTAV HAMPEL, hainstr.13

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