Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 2 (8.1.1926)
- Date
- 1926-01-08
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JNr. 2 GEMEINlDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIG]ONSGEME1N DE, LEIPZIG Seite 5 {Klasse enHielen aber volle 85°/0 aller Verpflegstafie. Von diesen ^wiederum zahlte die Stiftung ganz au! eigene Kosten {1926 Tage, also von der Gesamtzahl 28°/„. Für mehr als ein Viertel aller Kranken wurde also nicht ein Pfennig bezahlt. jlJnd was die anderen anbetrifft, so sei bemerkt, daß die Selbstkosten für jeden Verpflegunrstag 5,75 Mark betragen, wenn tman den Durchschnitt aller Klassen rechnet. Weder von Ii e n Selbstzahlern, noch von der Ortskranken- Rasse, noch von der Israelitischen Religions- I'cmeindeerhieltdasKrankenheimimJahre 1924 liueh nur annähernd diesen Betrag! Jeden Tag legte es für jeden Patienten etwa 2,50—2,70 Mark zu, also ein olles Drittel der Selbstkosten, und man sieht daran am besten, wie falsch das so oft zu hörende Gerede ist, daß das Krankenoim nur Geld sammele, ohne wirklich wohltätige Arbeit zu i iiibringen. Für das Jahr 1925 sind gewiß die Beiträge der <asse usw. größer geworden, dafür ist aber auch der Selbsttstenpreis noch mehr gestiegen, so daß wahrscheinlich für das ahr 1925 mehr als ein Drittel zugelegt werden mußte. Es ist lediglich eine Pflicht elementarster Gerechtigkeit, die nir die Feder in die Hand gedrückt hat. Ohne irgendwie zu übertreiben, darf man sagen, daß es kaum eine ähnliche Anlalt in Deutschland gibt, die ihre Patienten so glänzend beandelt und — insbesondere gilt das von denen der dritten (lasse — auch verpflegt. Man wolle doch bedenken, daß das sraelitische Krankenheim in Leipzig bestimmt das einzige bein juiid, das den Patienten der dritten Klasse inbezug auf asüssen genau so stellt wie den der ersten 1 a s s e 1 Wer öfters Gelegenheit hat, in den Betrieb des vrankenheims Einsicht zu nehmen, ist immer aufs neue von ler Sorgfalt und Hingebung begeistert, mit der alle beteiligten 'ersonen, Arzt, Schwestern. Hauspersonal, Ehrendamen, Vorland und Verwaltung ihre Aufgabe erfüllen. Und es schmerzt lann sehr, in der Gemeinde nicht nur sachlich falsche Urteile iber die Leistungen und den wohltätigen Charakter des Intituts zu hören, sondern auch auf Widerstand zu stoßen und u vernehmen, daß das Krankenheim in Gelde chwimme und nichts brauche. Und die Pflicht der Gerechtigkeit zwingt, noch ein Wort Iber zwei von den Personen zu satren, die der Leitung des eims ihre ganze Kraft widmen. Das Krankenheim könnte Iraijlos nidit mit einem wenigstens buchmäßigen Überschuß ibsdineiden, wenn nicht der leitende Arzt Dr. Deuel nicht tun den größten Teil der für eine Krankeranstalt erforderlichen nedizinischen Einrichtungen in uneigennützigster Weise zur Verü^ung stellte, sondern auch selbst seine ^anze Kraft, seine roßen Erfahrungen und sein reiches Können dem Dienste der \ Dhltätigkeit darbrächte. Und ein Gleiches gilt vom Schatzlieister Martin Marcus. Das Amt eines Schatzmeisiers im ■(rankenheim ist gewiß ein Ehrenamt, aber es ist alles andere Iis ein Vergnügen. Die Finanzverwaltung eines Instituts von ■er Größe des Krankenheims ist an sich nidit leicht, und wenn ■amit noch die Aufbringung der Mittel verbunden ist, so macht ■ie sehr viel Arbeit und bringt sehr vielVerdruß! Ohne Übertreibung darf gesagt werden, daß es der wirklich vorbildichen, unermüdlichen und aufopfernden Tätigkeit des Sdiatzmeisters zu verdanken ist, wenn die Fortentwicklung und die Leistungsfähigkeit des Krankenheims gesichert sind. Nicht als ob nicht die anderen in der Verwaltung tätigen Personen genau solchen Dank verdienten, aber gerade das Amt des Schatzmeisters erfordert einerseits die meiste Arbeit und andrerseits ist es den meisten Angriffen ausgesetzt. Welchen Dank in Wahrheit aber das Institut seinem Schatzmeister schuldet, zwingt die Gerechtigkeit einmal auszusprechen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß der wahre Wert unseres Krankenheims auch dort erkannt werde, wo die Stimmen der Kritik sich ohne genaue Prüfung der Verhältnisse vernehmen lassen. Mö«e jeder Leipziger Jude von dem Bewußtsein durchdrungen sein, daß das Krankenheim durch die Opferwilligkeit aller gestutzt werden muß. Dr. Felix Goldmann. Neue Bücher Die Schriften Salomos Mit Holzschnitten von Bruno Goldschmitt. 4. Bd. der üriffel-Reihe. Griffel-Verlag Leipzig 1925. Für Freunde des schönen Buches ist eine schwere Zeit gekommen. Fs ist ihnen Bedürinis, den edlen Inhalt eines Buches auch mit edlem Gewände ausgestattet zu sehen. Aber wie viele müssen es sich heute versagen, solchem Bedürfen nachzugehen! Dem Griffel-Verlag gebührt Dank und Anerkennung, daß er mit Erfolg wohlieile Bibliophilie herausbringt. Der vorliegende Band enthalt: Sprüche Salomo's. Prediger (Kohelet) und das Hohelied in ausgezeichnet gelungener, verkleinerter Faksimile-Wiedergabe des in Tegernsee erschienenen Vorzugsdruckes der „Meisterwerke der Weltliteratur mit Originalgraphik". Fdles Papier, eigene Schrift, vornehmer handgehelteter Band und Holzschnitte des geschätzten zeitgenössischen Künstlers machen das Buch zu einer Zierde für eine bibliophile Bücherei. Dr- Sigmund Feist. Slamnwskiindc der Juden. Die jüd. Stämme der Frde in alter und neuer Zeit. Historisch-anthropologische Skizzen. Mit 89 Abbildungen im Text und auf Tafeln. Leipzig, (Hinridis'sdie Budihandlung) 1925. Unter den wenigen jüdisdien Forsdiern. die ernste wissenschaftliche Untersuchungen Uber die Juden als Rasse veröffentlicht haben, steht Feist mit an erster Stelle. Fr zeigt, wie das Problem, das von gewissen Seiten so leichthin als eindeutig angesehen wird, ein ungemein kompliziertes ist. Sdion lür die Zeit der jüdisdien Selbständigkeit in Palästina ist festzustellen, daß die Juden eine rassenhaft versdiiedene Beimisdiung erhielten. Von dem Untergänge des Reidies Juda (580 v. u. Z.) datiert die Diaspora, die in vielen Jahrhunderten immer wieder Vermisdiungen und dadurch anthropologische Veränderungen mit sidi gebracht hat. Ks entstand eine Mannigfaltigkeit jüdischer Stämme, die alle in geschiditlicher und athropologisdier Hinsicht betrachtet werden. Wir erhalten ein Gesamtbild über alle Verzweigungen und Ausläufer der Judenheit: die Juden in Vorderasien, China, in Indien, die jemenitischen Juden, die abessinisdien Juden (Falasdia), die nordafrikanisdien Juden, die spaniolisdien und asdikenasischen Juden, sowie die Pseudo- und Krypto-Juden (Samaritaner. Karäer, Dönmeh usw.), sie alle ziehen in wissenschaftlich gründlicher und dabei dodi keineswegs trockener Darstellung an uns vorüber; eine Fülle von Bildern macht das gelesene Wort lebendig und ermöglicht dem Leser, selbst zu urteilen. Nach einem weiteren Kapitel über die „Spradien der Juden* behandelt Feist die heute so viel erörterte Frage, inwieweit „die heutigen Juden als Rasse" anzusehen seien. Fr setzt sidi hier mit den älteren, neueren und neuesten Theorien auseinander und kommt schließlich zu folgendem Ergebnis: „Solange wir nidit imstande sind, die Gestaltung der Weidi- Zlonlstlsche Vereinigung Lelpxlg, KellstraBe a. Fernsprecher IQ 211 Am Dienstag, den 12. Januar 1926 spricht Herr Dr. Georg Landauer aus Berlin Leiter des Palästinaamts, Berlin im Künstlerhaus CKIeiner Saal) abends 8,30 Uhr über „UDirtschafts- und Arbeitsformen in Palästina'4 Der Vorstand der Zionistischen Vereinigung, Leipzig