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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-01-08 · 2 (8.1.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
2 (8.1.1926)
Date
1926-01-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Saite 4 Daß die Not sehr groß ist und tätlich größer wird, wird durchaus anerkannt. Auch die Gemeinde erkenne ihre Pflicht, zu helfen, soweit dies in ihren Kräften steht. Deshalb könne auf nochmalige mündliche Darlegungen der Abordnungen vor der Gemeindesitzung verzichtet werden. Der Vorsitzende gibt eine Liste zur Kenntnis, in der 57 Arbeitslose aufgeführt sind, die schon bisher, bis auf 8, von der Gemeinde unterstützt worden sind. Inzwischen ist die Zahl der unterstützten Arbeitslosen auf 68 gestiegen und weiter im Wadisen. Herr Tumpowsky wiederholt seinen Wunsch, daß die Vertreter der Arbeitslosen gehört werden. Für weist darauf hin, daß diese ein dringendes Interesse daran haben, nicht nur vor einem Ausschuß, dem nur wenig Verordnete angehören, sondern vor der gesamten Gemeindevertretung für ihre Forderungen eintreten zu können. Herr Gottlieb bittet, zur Vermeidung von Mißverständnissen davon abzusehen. Herr Breslauer halt es für das Notwendigste, zunächst eine bestimmte Summe zu bewilligen und das Weitere dem Ausschuß zu überlassen. Angenommen wird ein Antrag des Herrn Schick über die Bitte der Arbeitslosen, daß ihre Vertreter gehört werden, zur Tagesordnung überzugehen, weil alle parlamentarischen Gepflogenheiten dagegen sprechen, die schriftlichen Darstellungen der Sachlage erschöpfend und weitere mündliche Begründungen angesichts des einmütig bekundeten Willens zu helfen, übertlüssig seien. Nach weiterer Aussprache, an der sich der Vorsitzende. Dr. Goldschmidt, Tumpowsky, Syndikus Justizrat Lebrecht, Gottlieb, Schick. Dubiner und Dr. Wohrizek beteiligen, wird beschlossen, auf Grund der Vorlage des Vorstandes einen Sonderausschuß einzusetzen, der aus 3 Vorstandsmitgliedern, 4 Gemeindeverordneten. 4 Arbeitnehmern, letztere mit beratender Stimme, besteht. Diesem Ausschuß wird auf Antrag Breslauer ein Berechnungsgeld von 20000 M. zur Verfügung gestellt. Der Ausschuß wird ermächtigt, sich mit allen von den Arbeitslosen angeschnittenen Fragen zu befassen. In den Ausschuß werden abgeordnet: vom Vorstand die Herren Goldschmidt, Hodes, Gottlieb; von den Verordneten die Herren Dubiner, Dr. Goldschmidt, Direktor Grosz, Schick. Nach einer Pause wird eine Änderung der Gebührenordnung beschlossen, wonach für Zweigbetriebe von Fleischereien eine Zuschlagsgebühr neben den bisherigen Gebühren erhoben wird. Außerdem wird eine Herabsetzung der Mahngebühren herbeigeführt. Für die beim Sächsischen Israelitischen Gemeindeverband in Dresden errichtete Zentralstelle für jüdische Wohlfahrtspflege, die als Landesstelle der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden gilt, wird ein Jahresbeitrag von 600 Rm. bewilligt. Die Mindestgrenze für Errichtung neuer Stiftungen bei der Gemeinde wird auf 1000 Rm. festgesetzt. Für dieSondergruppe „Hygiene der Juden" auf der Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen, die im Mai 1926 in Düsseldorf eröffnet wird, wird ein Beitrag von 500 Rm. bewilligt. Der Vorsitzende macht Mitteilung, daß man bemüht ist, eine Unterkunfts- und Arbeitsstätte für Durchwanderer zu schaffen, daß aber die bisher da- I für angebotenen Grundstücke ungeeignet waren. Herr Markendorf regt an, Zimmer in kleinen Gasthäusern zu mieten, um Schlafgelegenheit für Durchwanderer zu schallen. Auf eine Anfrage des Herrn Dubiner, zu welchem Zwecke zur heutigen Sitzung ein Polizeibeamter ins Haus gerufen | worden ist, erwidert der Vorsitzende, daß dies angesichts des zu erwartenden Andranges zur Aufrechterhaltung der Ordnung geschehen sei. Auf einen Antrag des Herrn Dr. Goldschmidt wird beschlossen, künftighin die Zahl der Zuhörer auf 20 zu begrenzen, um einer unangenehmen Überfüllung des Sitzungssaales vorzubeugen. Es schließt sich noch eine nichtöffentliche Sitzung an. Aus unserer Gemeinde Vom Krankenheim Weshalb ich diesen Artikel schreibe? Ein kleines Erlebnis zwingt mich dazu. Fin sonst sehr verständiges und wohltätiges Mitglied unserer Gemeinde wurde jüngst aufgefordert, seine Spende dem Krankenheim zu geben. Fr lehnte ab mit der Bemerkung: „Das Krankenhaus schwimmt in Geld, es braucht nichts!" Das war kein Scherz, sondern grausamer Frnst, denn er gab wirklich nichts. Daraufhin habe ich mir in meinem ehrlichen Erstaunen die Kassenübersicht des Krankenheims für 1924 vorlegen lassen. 1 nd ich entdeckte den Grund des Zornes. Das Krankenheim dürfte nämlich eine der wenigen, vielleicht die einzige Institution sein, welche durch ihre verständige Finanzwirtschaft und den unverdrossenen Fleiß der leitenden Persönlichkeiten nicht mit einem Delizit abschließt, sondern einen Uberschuß von einigen tausend Mark aufweist. Und sofort ist man in einigen Kreisen der Gemeinde mit dem schnellen Urteil da: , Das Kranken• heimbrauchtnichts.dasKrankenheimschwimmt in Geld ". Zur Beleuchtung der wahren Verhältnisse sei aber folgendes bemerkt. Das israelitische Krankenheim besitzt keine Rücklagen für jene Notfälle, mit denen ein jedes Krankenheim rechnen muß. Fs gibt noch keinen Fonds, aus dem eine im Dienste erkrankte Schwester — ganz zu schweigen von anderen Angestellten — unterstützt werden könnte. Es gibt noch keine Rucklagen für den Fall einer Epidemie, es gibt noch keine Mittel, um dieallernotwendigsten baulichen Umgestaltungen vorzunehmen — wie nötig sind beispielsweise schalldichte Doppeltüren — es ist noch kein Geld vorhanden, um ganz notwendige medizinische Anlagen — die Röntgeneinrichtung stellt beispielsweise der leitende Arzt persönlich zur Verfügung — {in modernem Sinne zu errichten! Und von der Zukunft soll gar keine Rede sein. Gewiß wird durch die großmütige Schenkung des Herrn Gh. Eitingon ein Krankenhaus erbaut. Aber bisher hat sich die jüdische Öffentlichkeit weder Uber die Aufbringung der laufenden Betriebsmittel noch der vielen notwendigen sonstigen Auslagen den Kopf sonderlich zerbrochen. Nur wenn im Etat des Krankenheims ein kleiner Überschuß erscheint, erklingt sofort das Wort: „Das Krankenheim braucht nichts, es schwimmt in Geld!" In diesem Zusammenhange möchte ich aber auch noch einige Worte über die Leistungen des Krankenheims sagen. 6924 Verpflegtage sind für ein so kleines Institut eine erstaunlich hohe Zahl. Auf die erste und zweite Klasse zusammen fallen nun davon nur 1046, also 15" ,,. Auf Patienten dritter Neueröffnung! Besichtigung ohne Kaufzwang! »Ikristalle — prima Qualität, prachtvoll geschliffen mV sehr preiswert. Neustädter Bleikristall- und Porzellanvertrieb It Leipzig, Promenadenstraße 16

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