Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-01-08 · 2 (8.1.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
2 (8.1.1926)
Date
1926-01-08
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4876568-5968774-5968882--0257-4876788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 GEMEINOEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE. LEIPZIG 2. Jahrgang teile des Gesichts auf die i-leidien festen Regeln der Vererbung und des Einflusses der Umwelt zurückzuführen, wie es beim Knochengerüst der l all ist, solange wird die Erklärung des Gesichtstypus auf unsicherem Hoden stehen. Noch fehlen uns die Mittel, den Typus, den das Auge unfehlbar erfaßt, mechanisch zu definieren. Und wenn wir es auch einmal könnten, die Losung des Rätsels hätten wir damit doch nicht gefunden. Denn Geistiges laßt sich nicht in körperliche Maße anlinsen. Darum müssen alle Versuche, die jüdische Rasse, oilcr vielmehr das jüdische Volkstum mit den Mitteln der Naturwissenschaft zu erfassen, erfolglos bleiben. Die jüdische Frage ist eine der verwickcltsten der Anthropologie, und der vor einigen Jahren verstorbene Altmeister dieser Wissenschaft, Felix von Luschan, der in jüngeren |ahren einen kühnen Versuch zu ihrer Lösung machte, wurde später skeptischer und schließlich am finde seines Lebens zweifelte er an dieser Möglichkeit Oberhaupt. Bis letzt sind wir über ihn nicht hinausgekommen.----Das such äußerlich vorzüglich ausgestattete Buch sollte von jedem gelesen werden, der sich einen Einblick in die zur Judenheil zählenden, über alle Welt zerstreuten Stamme verschaffen will. J M Blaustem. Der Ostjude Ein Spiel vom Leiden. Mit 4 Originalfederzeichnungen von Heinrich Tischler, Leipzig (M.W. Kaufmann I. In vier szenischen Bildern wird die Tragödie des Ostjuden veranschaulicht, der sich aus dem Hexenkessel der Heimat nach Deutachland geflüchtet hat. hoffend, daß ihm hier eine Möglichkeit offenstehe, trei von all den Schrecknissen der Heimat leben zu können, und der hier nur Fnttäusehungen erlebt und elend zugrunde geht. Vier junge Menschen erlebten einen Pogrom. Ihre Familien wurden schwer von Raub. MMdchenschSndung und Mord heimgesucht. Bekümmert um das l eben ihrer Söhne I berwinden Väter und Mütter das innere Widerstreben, sie in die Fremde hinauszusenden. Aber von dem Augenblicke an. da die jungen Menschen ohne Ausweispapiere über die deutsche Grenze gelangten, beginnt für sie eine Leidensgeschichte ohnegleichen. Die deutschen Behörden hetzen sie von Ort zu Ort; Erwerbsmöglict.keiten sind ihnen verschlossen; die Hilfe, die sie von Glaubensgenossen erhoffen, bleibt aus; und schließlich begegnen sie der Verachtung vieler deutscher Juden. Außere und innere Not zermürben sie mehr und mehr. Sie sinken von Stufe zu Stufe. Der eine i bt Selbstmord im Zuchthause, der zweite wird zu langjähriger Gefängnisstrafe verurteilt, der dritte verfällt der Lungenkrankheit, und der vierte, der geglaubt hat. in der Ehe mit einer Christin und dem bei ihr gefundenen Liebesglück Ruhe und Sicherheit zu linden, wird ein Opter des Wahnsinns: er stand im Hegriffe, der Versuchung zur laufe zu erliegen, die ihm ein sorgenloses Dasein sichern sollte, als er von dem Tode der frommen Mutter hört, deren letztes Seltnen dem Kaddisch des Sohnes galt. — — Diese Szenen wirken auch ohne dichterischen Schwung in ihrer schlichten Sprache packend. Sie zeigen die ganze Grausamkeit dieser Lehcnschicksale, wie sie auch hier, unmittelbar vor unseren Augen, sich abspielen. Sie sollten nicht nur von den Juden gelesen werden, die darin ein Stück ihres eigenen Lebens erkennen würden, sondern vor allem auch von den Vielen, durch deren ungerechtes Vorurteil mancher dieser Unglücklichen, in dem viel l.dles schlummerte, von der geraden Linie des Lebens abgedrängt wurde. Sie würden lernen, daß es denn dodi nicht angeht, über ihnen allen unterschiedslos den Stab zu brechen. — Die beigegebenen Federzeichnungen spiegeln geschickt die Stimmung wieder und unterst' tzen dadurch wirksam den erschütternden hindruck des Ganzen. Liberales Rabbinat: Gemeinde-Rabbiner: Dr. Felix Goldmann, König Johann-Str. 17, Fem Sprecher Nr. 21607. Sprechstunde 9.3'l—11 Uhr vormittags, nact vorheriger telefonischer Verständigung auch zu andrer Zeit. M< n tag und Donnerstag nur in dringenden Fällen. Gemeinde-Rabbiner: Gustav Cohn, Karlstr. 5. Fernsprecher Nr. 29(11] Sprechstunde 10—U Uhr vormittags, nach vorheriger telefonisd er Verständigung auch zu anderer Zeit. Orthodoxes Rabbinat: Gemeinde-Rabbiner: Dr. Ephraim Carlebach, Nikisdiplatz 1, Fernsprecl ti Nr. 10225. Spredistueden 9—10 Uhr vormittags in der Höh. Ist Sdiule, Gustav Adolf-Str. 7, 4 -5 Uhr nachmittags in der Wohnung Gemeinde-Dajan: Rabbiner Rogosnitzky, Salomonstr. 25b, Fernsprecl et Nr. 10211. Sprechzeit: Montags, Mittwodts, Donnerstags uni Sonntags 10 12,30 Uhr vormittags, Dienstags 4—7 Uhr na 1: mittags, Freitags 10—2 Uhr mittags. Außerhalb der Sprecbzel in der Wohnung. Friedhofs- und Bestallungswesen (Gemeindefriedhof, Berliner Straße 123) Jeder Sterbefall ist unverzüglidi dem Gemeindeamt, wenn diese geschlossen ist, dein Synagogeninspektor Hermann Isaaksohn, Gott sdiedstraße 28 (Synagoge), Fernspr. 11250, oder dem StellvertreternI« Bestattungsordner Paul Pietrkowski, Lindenau, Henricistraße 40, Fern Sprecher 42752, zu melden. Sonnabends und an den israelitischen Feiertagen ist der Fried > geschlossen. Zur Beachtung! Wir riditen an unsere Geineindemitglieder die Bitte, im eigenen Interesse diesem Teil, sowie den amtlichen Bekanntmachungen auf der ersten Seite besondere Beachtung zu schenken, da eine Veröffentlichung unseier Bekanntmachungen, soweit nidit die Gemeinde-Satzung anderes bestimmt, nur noch im .Gemeindeblatt" erfolgen wird. Gemeindeamt: Löhrstraße 10 :: Fernsprecher 23002. hrdgesdioß: Fürsorgeabteilung. Geöffnet: Montag. Dienstag, Donnerstag, Freitag von 111 Uhr. Mittwoch und Sonntag nur iür Durdireisende (12 1 Uhr). I. Stock: Vorstand und Verwaltung. Geöffnet für den allgemeinen Verkehr werktäglidi von 9 -1 Uhr. Postscheckkonto der Gemeinde Nr. 50533 Leipzig. Verwaltungsdirektor: Gustav Katzenstein (Spredizeit 9-11 Uhr). Gemeinevorsteher: Carl Goldschmidt | zu sprechen nach tele!. stellv. Gemeindevorsteher: S. Hodes \ Anmeldung (Nr. 23002) Dezernent d. Fürsorgeabtlg.: S. Gottlieb j in der Mittagszeit. Jfslcht des orthodoxen Gemeinderabbinates stehet a) Fleischereien: Moses Bild, Gerberstraße 48-50. Moses Frischer, Nordstraße 1. Sally Löb, Packhofstraße 11-13 und Ranstädter Steinweg 7 Adolf Zellner, Gerberstraße 5, Wilhelm Zellner, Nordsraße 5. b) GeflUgelverkauf: Die vorgenannten Fleisdtereien. Moses Feuer, Tauchaer Straße 20. c) Milch und Butter: J. Barthleld, Yorkstraße 9. S. Ringelblum, Gerberstr. 43. I ii. Lohmühlgasse, Kcke überhaupt Chaiin Zipser, Berliner Straße 18, IV. Die Aufsicht erstreckt sidi nur auf die ausdrücklich als „Kosd e gekennzeichneten Waren. d) Backwaren: Salomon Lotrowski, Berliner Straße 13. Leopold Sduneidler, Ranstädter Steinweg 28-32. Filialen: Ranstädter Steinweg 45, Nordstraße 26. Selig Sdieinowitz, Humboldtstraße 25. Für Schokolade bestellt keine Aufsicht I e) Speisehäuser: Chmelnitzky, Reidisstraße 22. Gottlieb, Packhotstraße, Manelis, Plauensche Passage. f) Gemüse - und Obstkonserven, Marke „Säkofa", hergeMe. von der Sachs. Konservenfabrik A.-G., vorm. Paul Augustii Leipzig. Einzelverkauf durch die Kolonialwarengeschäfte. D Rabbinat trägt die Verantwortung nur dann für das Kaschrus, v et auf dem Dosendeckel das Wort nOD eingestanzt ist, und die 1 Kl von einem Papierstreilen umgeben ist, der den Auldruck t Ü ,nB?3 Hergestellt unterRabbinatsautsidit der israelitisdienKelig, i gemeinde zu Leipzig m*. g) die Kolonialwarengeschälte, die zum Pessachfeste unter AuN genommen werden, werden besonders bekanntgegeben. h) Mazzosiabrik Leopold Sduneidler, L.-Gohlis, Planitzstraße 13. Dp. Heinrich Grau Diplom-Kaufmann Büro für Revisionen — Bilanzaufstellung Steuerberatung Treuhandgeschäfte, Rechts Vertretung Durchführung von Sanierungen Leipzig, Alexanderstraße Fernsprecher Nummer 26 880 (Nebenstelle)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.