Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 reichte diese Innung im Jahre 1824 ein. Die Juden, die als Pelztrüdler ihre Beschäftigung ausübten, würden durch eine den Kürschnern unverstandliche Meß- und Handelsfreiheit sich zusammen ein Gewölbe mieten und durch die Firma eines sogenannten auswärtigen Rauchhändlers alle drei Meßwochen hindurch Handel treiben, während es nach den Gesetzen der Kürschnerinnung doch nur acht Tage lang erlaubt sein solle. Wenn ferner die jüdischen Sdilafrockhändler den Verkauf dieser Kleidungsstücke weit über die Messezeit hinaus betrieben, so sei dies ein großer Abbruch für die Nahrung der Kürschner, und es sei sogar so weit bei den Juden gekommen, daß sie während der Messe die Schlafröcke erst fertigen, um sie dann während und außerhalb der Messen zu verkaufen. Aus einer Beschwerde der Kürschnerinnung aus dem Jahre 1834 geht hervor, daß sich das Geschäft schon damals so ähnlich wie heute abwickelte. Die Kürschnerinnung hatte die Feststellung getroffen, daß ein Teil polnischer oder Brodyer Juden als Kommissionäre die von der letzten Messe übriggebliebenen Rauchwaren übernommen hatten und diese auf allen erdenk- I liehen Wegen auswärtigen Kürschnern und Rauchwarenhändlern anboten. Ein anderer Teil, Makler genannt, halte sidi dauernd auf den Straßen, namentlich am Brühl auf, um jeden hierher kommenden Finkäufer anzuhalten und ihn für ein Makelgeld zu den oben beschriebenen Kommissionären zu führen. Diese Makler hätten außerdem die Aufgabe, in Gemeinschaft mit den Kommissionären ihre Kommittenten dauernd über den Stand des Geschältes schriftlich zu unterrichten. Die Versuche der Kürschnerinnung, die Juden aus dem Rauchwarenhandel auszuschalten, sind ihr keineswegs gelungen. Die Juden haben im Gegenteil in den folgenden Jahren wesentlich dazu beigetragen, durch Ausbau der internationalen l iandelsbeziehungen und durch rastlose Arbeit den Rauchwarenhandel auf die Höhe zu bringen, die er erreicht hat. Wenn die Stadt Leipzig daraus Nutzen gezogen und als internationaler Handelsplatz sich einen Namen erworben hat, so gebührt das Verdienst daran zu einem nicht geringen Teile den Juden. Aus unserer Gemeinde Elternabend im jüd. Privatkindergarten am 14. Dez. 1925 " Die Referentin, Fräulein Dr. Dyk, versuchte in anregender Weise das Verständnis für die abnormen Erscheinungen des kindlichen Seelenlebens bei den Eltern zu erwecken. Nach der Theorie des bekannten Wiener Arztes Freud schilderte sie die Vorgänge in unserer Seele, welche wahrnehmbaren und nicht wahrnehmbaren Findrücken stärker unterworfen sind, als man bei oberflächlichen Beobachtungen anzunehmen geneigt wäre. Sie hob hervor, von welcher Bedeutung für die Gestaltung des Gharakters Erlebnisse in frühester Kindheit sein können. Sie betonte vor allem, daß Wahrnehmungen, Findrücke, die bei erstmaligem Auftauchen in unserem Gehirn aus irgendwelchen äußeren oder inneren Gründen nicht vollständig erfaßt werden können, sondern durch Hemmungen behindert, nur unvollkommen verarbeitet werden, daß diese mangelhaft abgerollten Erlebnisse sehr häufig die Grundlage zu späteren seelischen und körperlichen Krankheitszuständen bilden können. Die Ausführungen von Fräulein Dr. Dyk fanden eine dankbare Zuhörerschuft. Außer den Eltern, die fast vollzählig erschienen waren, war noch eine große Anzahl von Gästen zugegen. B. S. Zur Warnung! Von dem Schöffengericht Leipzig sind am Dienstag, den 8. Dezember der Zurichter Moses Hirsch Klappersack zu acht Wochen und der Handlungsgehilfe Herbert Natowitz sowie der Kürschner Alfred Z i e g I e r zu je 6 Wochen Gefängnis wegen Betruges verurteilt worden. Die drei jungen Menschen hatten sich Visitenkarten eines hiesigen jüdischen Rechtsanwalts drucken lassen und auf der Rückseite dieser Karten gefälschte Empfehlungen niedergeschrieben. Mit ihnen brandschatzten sie verschiedene jüdische Familien. Sie erbeuteten vor allem auch Anzüge, welche sie sofort verkauften, um dann den Erlös zu teilen. I Wir veröffentlichen diese Mitteilung mit dein Bemerken, daß in letzter Zeit in unserer Stadt von unwürdigen Elementen die Wohltätigkeit unserer Mitbürger in unverantwortlicher Weise ausgenützt wird. Insbesondere werden gefälschte Empfehlungen vorgezeigt, oder durdi fingierte. Telefongespräche, welche angeblich von bekannten Persönlichkeiten der Stadt ausgehen, werden die betrügerischen Bittsteller angemeldet. Insbesondere die Ilerren Gemeinderabbiner haben sich außerordentlich darüber zu beklagen, daß mit ihrem Namen ein ärgerlicher Mißbrauch getrieben wird. So sei denn dringlich auf diesen immer häufiger werdenden Schwindel hingewiesen. Es empfiehlt sich, jedes Empfehlungsschreiben auf das Genaueste zu prüfen und eventuell bei der ausstellenden Persönlichkeit Rückfrage zu halten. Es empfiehlt sich ferner, sobald Empfehlungen telefonisch gegeben werden, sofort nach Beendigung des Gesprächs durch Rückfrage festzustellen, ob tatsächlich die Persönlichkeit, mit der man zu sprechen meinte, am Telefon war. Es empfiehlt sich aber vor allem, auf mündliche Empfehlungen nichts zu geben. Die Gemeinderahhiner schicken prinzipiell keine Bittsteller an irgend eine Stelle oder an irgend eine Person ohne genügenden Ausweis. Über die Jüdischen Nobelpreisträger von David Steinmarder Der Artikel des Herrn Dr. Deuel über jüdische Nobelpreisträger ist äußerst lehrreich, insbesondere weil uns der Verfasser als Mediziner viel zu sauen hat. Soweit der Artikel Juden behandelt, werden wir Herrn Dr. Deuel nur Dank wissen für seine aufklärenden und interessanten Aufklärungen, htwas anderes ist es mit den Darlegungen über die »Söhne jüdischer Mütter", wie der Artikelsdireiber verschämt die Männer nennt, welche irgendwie von Juden abstammen. Als Juden schlechthin, und weil sieh der Herr Verfasser an ein jüdisches Publikum wendet, sind wir verpflichtet, die betreffenden Abschnitte als solche, die uns nidit ansehen, abzuweisen. Wenn es im Kin^ang dns Artikels heifit, die Juden, weldie nur 1 Prozent der Bevölkerung der Welt ausmadien. I stellen nidit weniger als 10 Prozent der Nobelpreisträger, meine idi, hätten wir es nidit noch nötig, uns mit fremden Gröben zu sdimücken und gekünstelt einen höheren Prozentsatz auszuklügeln, als es der Wirklichkeit entspricht. Die Sucht, große Männer als Judenabkömmlinge M. Ritter. Elegantes Fuhrwesen Fernsprecher 20798. Matthäikirchhof 32 ör o tri aiiStciniPC £<iPMS> »ittrWbring 18.