Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINIDEBLATT PER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang herauszustreichen, kann unser« Gemeinschaft nicht ehren. Ich entsinne mich, als Ich noch Schüler war, Kam ein Werk von Adolf Könnt heraus, das ähnlicher Art, aber In großem Maßstäbe große jüdische Minner aufzählte, in welches Kohut die sogenannten Judenstlmmlinge einschloß und das darum damals scharfen Widerspruch herausforderte. Dieses Verfahren ist in viellacher Beziehung unangebracht; zunächst, weil es eine jüdische Pflicht ist, in jeder Lebenslage der Wahrhaftigkeit zu dienen. Gewöhnlich sind die fraglichen Elemente alles weniger als judenfreundlich, sie selbst würden es gewiß in den weitaus meisten Fällen weil von sich weisen, als irgendwie zu Juden gehörig angesprochen zu werden, auch dann, wenn sie, wie ausnahmsweise der Schrittsteiler Heyse, Ihre Abstammung von Juden nicht verleugnen. Ich will Zusammenhang, obwohl es altbekannt ist. nicht unerwähnt lassen, daß wii gewohnt sind. Nlchtjuden, solern sie rechtdenkende Menschen sind, Anerkennung in höchstem Maße zukommen zu lassen und uns ihrer menschlichen Größe ZU freuen. Wir haben nie die Seligkeit für uns allein in Anspruch genommen, ja. die wahrhaft Großen aller \ ölkei haben nach unserem Schrifttum Anteil an der zukünftigen Welt. A'icr lassen wir di esc Männer mit gutem Gewissen ruhig da, wohin sie die Vorsehung gestellt hat. Schließlich will ich eine erfreuliche Tendenz des jüngsten Zeitalters anfuhren, wonach nicht die nur von jüdischen Eltern Geborenen, sondern lediglich die eich ihres Judentums been Menschen unseren Stolz darstellen. So ist in diesen' Blattern trefflich ausgeführt w orden, daß eine Henriette Goldachmiet zwar ein hl den l rauenfortschritt bedeutender Mensch war. aber dadurch, daß sie ihrer Zeil Tribut gezollt und. dem damaligen Zeitgeist entsprechend, sieh vom Judentum mehr «>der weniger abgekehrt hat. für unsere jüdische Gesamtheit doch nur wenig bedeutet. Andrerseits wissen wir einen Ullstein besonders auch darum ZU Schätzen, weil er ein selbstbewußter, seinen Väterglauben nie verleugnender Jude ist, und wir mit Genugtuung sehen, daß dies seiner Weltbedeutendheit keinen Abbruch tut. Erwiderung von Dr. l'ascal Demi Ich hätte nicht geglaubt, daß mein Artikel zu einer Polemik führen würde. Afeine Kritiker haben Prägen angeschnitten, zu denen ich im engen Kähmen meines Themas keine Stellung nehmen konnte. Nicht vom jüdisch-völkischen Standpunkte ging meine Betrachtung aus, sondern ich habe den Anteil der Juden an der Gesamtkullur der letzten Zeit mit dem In der Welt anerkannten Maßstab des Nobelpreises gemessen. Durch eine solche kurze Ausführung die Leistungen der Juden zu erschöpfen, lag mir fern, und eine Würdigung der modernen jüdischen Dichtung gehörte innerhalb der gegebenen Grauen überhaupt nicht hinein. Ks ist mir vorgeworfen worden, daß ich sie zugunsten der literarischen Schöpfungen eines Heyse, den ich übrigens nur flüchtig in der Meinung seiner Zeitgenossen erw ähnte, verschwiegen habe. Aber Ich kann nicht dafür, daß er nun einmal den Nobelpreis erhalten hat. Den Griinden, die meine Ansicht von der geringeren produktiven Leistuni; der Ostjuden widerlegen sollen, ist zu entgegnen, daß die chassidische Bewegung als Schöpfung einer längst vergangenen Zeit anrt, und daß sie für die Welt über die Bedeutung einer Sekte bisher nicht hinausgekommen ist l erner, die neue Forsch ungaatittc für jüdische Wissenschah In Wilna, die hygienischen Organisationen und ähnliche Unternehmungen sind auch mit bestem Willen nur als dürftige Anfänge zu betrachten. Ich wundere mich jedoch, daß die bervorragendste schöpferische Tat eines Ostjuden, eine rein ostjBdische, aus ihrem Erleben und ihrem Geist hervorgegangene, keiner Erwähnung gewürdigt wurde, Freilich haben die Juden bisher wenig Notiz von ihr genommen. Und doch handelt es sich um eine Tat, die Hunderttausende in der ganzen Welt anerkennen, und um einen Mann, dessen ethische Große sie alle verehren. Ich meine den Erfinder der Welthilfssprache, den russischen Arzt Zamenhnt. Trotz alledem! Man bedenke, mit welcher Inbrunst .Millionen ostjüdischer Menschen sich seit Jahrhunderten in ihre Bücher versenkten f und grübelten. Und doch wurden die bedeutenden Bibelforschungen zumeist in Deutschland und Frankreich gemacht. Kein Spinoza, kein Philosoph von Weltbedeutung, kein ganz großer Forscher ist aus ihnen hervorgegangen. Nicht hat ihnen die ausreichende Zahl fähiger Geister, in denen die Flamme des Strebens loderte, gemangelt. Ihnen mangelten die äußeren Bedingungen und die Atmosphäre, die sie nicht ändern konnten, ohne die auch der geniale Mensch keiner schöpferischen Leistungen fähig ist. Es ging den Ostjuden in ihrem engen Elend wie den Pflanzen, die verkümmern, wenn sie nicht den geeigneten Boden und das rechte Klima finden. Welche starken produktiven Kräfte in ihnen aber latent vorhanden sind, können wir nur ahnen, wenn wir beobachten, wie wundervoll und schnell sich die Begabungen außerhalb ihres trüben Milieus entfalten. Da entwickeln sich Geister von europäischer Bedeutung. Es kann doch, wenn ich auch im Kähmen meines Artikels nicht mehr darauf eingehen konnte, den Lesern kaum entgangen sein, daß ich mir gerade durch die Entfaltung eines rein jüdischen Lebens große produktive Leistungen für die Zukunft versprach; Leistungen, die nur dem jüdischen Konto gutgeschrieben werden müssen. In unserer Freude über die Wiedergeburt eines rein jüdischen Volks- und Geisteslebens dürfen wir aber nicht die Bedeutung der Juden in der Diaspora, welche durchaus im Kulturleben ihrer Völker wurzeln wollen, unterschätzen. Wie in der alten Vergangenheit, so werden sich auch in der Zukunft ihre Leistungen nicht nur für die Welt, sondern auch für das Judentum auswirken. Die schöpferischen Individuen mögen noch so wenig am Leben der jüdischen Völker teilnehmen, sie sind doch seine Kinder und sie gehören zu ihm. So sind Ehrlich und Einstein zwei Repräsentanten deutscher Wissenschaft, von ihr befruchtet und sie befruchtend, aber das kulturelle Niveau der deutschen Juden hat sie hervorgebracht. Wie der Einzelne durch den Erfolg in seinem Selbstbewußtsein und in seiner Haltung, ja in seiner Leistung gestärkt wird, nicht anders ein Volk. Wir blicken auf die Großen des Geistes zurück, die in den Jahrtausenden aus unserer Gemeinschaft hervorgegangen sind, und glauben auch in der Zukunft an den Wert und die .Mission dieser Gemeinschaft, die sich, verbunden durch Abstammung, Geschichte, Schicksal und Wille, von den andern Gemeinachalten dieser Erde als jüdische Kasse unterscheidet. ermann föorrmanfp - - 1ihren^pe$tat*^e*chaff - - feferssfr. 2 [Sfecfmer ^Durcfigang] / gegr. 1888 /Ättf 27734 empfiehl ren „ i>i(£>er Eigene lüertafaff für sofide ^teparafut Nachrichten aus dem Gemeindeamt Zur Beachtung! Wir richten an unsere Gemeindemitglleder die Bitte, im eigenen Interesse diesem Teil, sowie den amtlichen Bekanntmachungen auf der ersten Seite besondere Beachtung zu Schenken, da eine Veröffentlichung unserer Bekanntmachungen, soweit nicht die Gemeinde-Satzung anderes bestimmt, nur noch im „Gemeindeblatt" erfolgen wird. Offene Stellen im Chor der Gemeindesynagoge Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß für die Mitwirkung im Chor unserer Gemeindesynagoge angemessene Vergütungen gezahlt werden. Stimmbegabte und musikalische Damen und Herren aus unserer Gemeinde können noch Aufnahme linden. Die näheren Bedingungen sind im Gemeindeami, Lohrstraße 101, zu erfahren. Unter Aulsicht des orthodoxen Gemeinderabbinates stehen: a) Fleischereien: Moses Bild, Gerberstraße 48-50. Moses Frischer, Nordstraße 1. Sally Löb, I'ackhofsiraße 11-13 und Uat-.städter Steinweg 7. Adolf Zellner, Gerberstraße 5, Wilhelm Zellner, Nordsraße 5. b) (ieflügel verkauf: Die vorgenannten Fleischereien. Moses Feuer, Tauchaer Straße 20. NeiierÖffnung! Besichtigung ohne Kaufzwang! — Echte Bleikristalle — prima Qualität, prachtvoll gesehlitTen ataT" sehr preiswert. "VB Neustädter Bleikristall- und Porzellanvertrieb SA? Leipzig, Promenadenstraße 16