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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-12-25 · 15 (25.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
15 (25.12.1925)
Date
1925-12-25
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 1. Jahrgang Unter Aufsicht des orthodoxen Gemeinderabbinatcs stehen: a) Fleischereien: Moses Bild, Gerberstraße 48-50. Moses Frischer, Nordstraße 1. Sallv Löh, Packhofstraße 11-13 und Ranstädter Stcinweg 7. Adolf /ellner, Gerberstraße 5, Wilhelm Zellner, NordsratSe 5. b) Qeflügelverkaut: Die vorgenannten Fleischereien. Moses heuer, Tauchacr StralJe 20. c) Milch und Butter: | Barthfeld. YorkstraBe 9. s. Ringelblum, Gerberstr. 43. Hl. Lohmühlgasse, Ecke Fberhardstr. Chaini Zipser, Berliner Straße 18. IV. Die Aufsicht entreckt sich nur aut die ausdrücklidi als „Kosdier" gekennzeichneten Waren. d) Backwaren: Salomnn Lotrowski, Berliner Straße 13. Leopold Schmeidler, Ranstädter Steinweg 28-32. Filialen: Ranstädter Steinweg 45, Nordstraße 20. Selig Scheinowitz, Humboldtstrafie 25. Für Schokolade besteht keine Aufsicht 1 e) Speisehäuser: Cbmelnitzky, Keidisstraße 22. Gottlieh. Psckhofstraße, Manelis, l'lauensdie Passage. f) Gemüse - und Obstkonserven, Marke .SäKofa". hergestellt von der Stichs. Konservenfabrik A.-G., vorm. Paul Augustin in Leipzig. Einzelverkaul durch die KolonisJwarengesciuute. Das Rabbinat trägt die Verantwortung nur dann für das Kasdirus, wenn auf dem Dosendeckel das Wort P8B eingestanzt ist, und die Dose von einem Papierstreifen umgeben ist. der den Aufdruck trlgt: ,TO9Hergestellt unter Kabbinutsauisidit der IsraelitischenRellgionsgemelnde zu Leipzig -iipd". r) die Kolonialwarengeschlfte, die zum Pessachfeate unter Aufsidit genommen werden, werden besonders bekanntgegeben. h) Mazzosfabrik Leopold Sdimeidler, 1..-Gohlis. I'lanitzstraße 13. Personcnstandsnachriditcn a) Geburten 28- November 1025 Paul Julius Littauer und Margarete geb. Stehr, QeUerrstrafte 10, einen Sohn .Raphael Max". S. Dezembei 1925 Felix Ohrenstein und p nie geb. A aaenberg. Pfaifendorkr Strafte 201 <hc Tochter „Chana". 10. Dezember 1925 Aron Stimmler und Taube geb. Gutwirth, Ranstädur Steinweg 14, H. i. eine Tochter „Cmtei Gerda-. 14. Dezembc 1925 Hermann Knrher n. Jenny geb. Nuscnew, Brühl 21IV, eine Tocuter „Lveiyn". 18. Dezember 192r5 Carl Stern und E|sa Manhn geb. Behn, Scharnhorststi!7, 'ine Tochter Judi Ii Ellen". b) Trauung Am Sonntag, den 3. Januar 1926, 4Uhr nachmittags im Kaufmännischen Vereinshaus Fräulein Felicia Frischer, Noidsir. 11 mit Herrn Samuel Kupftrstein. c) Todesfälle 16. Dezember 1025 Michael Dolnick, Gottschedstraße 2. 16. Dezember 1925 Kind Leon Lar.dsberg, Yorkstraße 28 19. Dezember 1925 Kino Anna Degen, Keilstraße IS. J/Ilira Starer ^yliax ^ischnowitzer grüßen als 'Verlobte. Leipzig, Weihnachten 1925. mm mm mmm Jüdische Wissenschaft Von Dr. A. Suhl. Wie Dr. Deuel in seinem Aufsalz „Jüdisdie Nobelpreisträger" (in Nr. 12 des Gemeindeblatts) feststellt, gibt es Nobelpreisträger unter den Ostjuden nidit. Ob das aber genügt, einen Mangel an .großen sdiöplerischen Leistungen bei der zwüllfadi größeren Masse der Ostjuden'' zu konstatieren? Sidier niditl Herr Dr. Deuel kann zu solchem Urteil nur gelangen, weil — wie aus seiner Charakteristik der Ostjuden hervorgeht — er in ihnen das aussdiließlidi dem Talmud und Bibelstudium traditionell — dogmatisch ergebene Volk, sieht — wa6 nun schon lange, sehr lange, seit weit mehr als einem halben Jahrhundert nidit mehr riditig ist. Von der Bedeutung der nodi viel weiter zurückgehenden chsssi(tischen Bewegung als ganz großartiger sdiüpferisdier Leistung soll in diesem Zusammenhang also garnidit einmal gesprochen werden, idi will vielmehr bloß auf das in die Augen springende Neue, das audi Herr Dr. Deuel eigentlidi garnidit übersehen konnte, hinweisen: die Ostjuden haben in den letzten adit/.ig Jahren eine reidie und bewundernswerte Nationalliteratur gesdiaffen. Ob man da »von großen schöpferischen Leistungen', wie hei jenen Nobelpreisträgern sprechen kann? Nun, wenn wirklich die Nobelauszeichnung Wertmesser sein soll, so ergäbe sidi etwa folgender wertende Vergleich: Unter den von Dr. Deuel autgezählten Inhabern des Nobelpreises findet sich nur ein einziger Dichter, der mütterlicherseits jüdische Paul Heyse sdion heute ein fast Verschollenerl Idi glaube nidit viel zu riskieren, w enn idi sage, daß ein Mendale, ein Scholem Aleichm, ein Perez. ein Bialik und Tschemidiowski wohl einen ungleidi originaleren Wert darstellen, zumindest aber, daß sie eine ebenso „grolle schöpferische Leistung" für sich in Ansprudi nehmen diirien. wie ein Paul Heyse Wie ein Paul Heysei - Spürt man nidit. weldie Ironie, welche Verkeil.ung darin liegi, die Ostjuden in Schutz nehmen zu müssen mit so einem Vergleich. - Der ja nidits anderes bedeutet, als etwa, daß der eine sagt: .Wir deutschen Juden dürfen stolz sein auf Paul Heyse, weil er eine jüdisdie .Mutter hat" und der andere erwidert: .Wir Ostjuden dürfen stolz sein aut Scholem Alejchm, weil er eine jüdisdie Mutter und einen jüdischen Vater hat." Wirklidi nur darumV Nur so wie I'aul Heyse? Oder gehört Scholem Alejedun nicht vielmehr durch nodi ganz anderes als durdi Geburl dem Ostjuden an? Darf dieser nicht sprechen: .Nidit daß Scholem Alcjcciicm das Kind jüdisdier Leute, sondern daß sein Werk das Kind von unser aller jüdischem Lehen ist, dies bereditigt uns, mit Stolz auf seine große sdiöpierische Leistung zu blicken. Wir haben Teil daran, wir sind selbst darin; das Niveau, das dies Werk erreidit. ist das Niveau, das wir selbst erreichten. Unser Stolz ist keiner*nach außen, Hinweis gegen Antisemiten, er ist einer nadi innen, einer auf Ausbau, Kräftigung unseres eigenen Lebens"? Ja, .jüdisdie Nobelpreisträger" inwiefern denn jüdische? Gewiß Paul He; -e Ist ein Jude. Oder vielmehr er ist kein Jude. Aber eben daß dieser Unterschied nicht wesentlich ist! Denn man nehme die wirklidien Juden der Liste, ja den jüdisch-nationalen Einstein ist er etwa in anderer Weise Nobelpreisträger, als meinetwegen Wilhelm Ostwald? Daß dieser Balte, jener Jude Ist, bleibt hier eine private Zufälligkeit Nidit etwa äußere Übung, innere Wahrheit ist es, wenn man Einstein als Repräsentanten deutscher Wissenschaft und deutschen Geistes bezeichnet. Nidit jüdisdier Wissenschaft, jüdischen Geistes. Aber — die .Rasse", die jüdisdie Rasse, von der auch Dr. Deuel spridit? Wir sollten mit diesem erst von den Völkisdien so hoch in Sdiwung gebraditen Begriff der Rasse nur ganz vorsiditig umgehen. Ein furchtbar dünner, ein halber Ocsnensterbegriff, der besser zu dem abergläubischen Blendwerk der Antisemiten, als zur Erklärung der Wirklichkeit paßt. Wir sind Juden zumindest aus historischer, meist aber audi kultureller und sozialer L e b e n s g e m e i n s dl a 11, nidit bloß aus .Rasse*. Und eben das ist es. was uns jene Ostjuden über jeden Vergleidi mit „jüdisdien Nobelpreisträgern" wertvoll madit, daß sie nidit bloß privat Juden, sondern audi ihre Leistungen Jüdisch, nämlich Produkt dieser Lebensgemeinschaft und deren Erhalter und Fortbildner sind. Würde der Nobelpreis sie erreidien, die nidit auf dem Forum eines Weltvolks als dessen Repräsentanten, sondern aut dem jüdisdien Kampfplatz, des Daseins als dessen Helfer und Beieber agieren (weshalb er sie denn auch sdiwer erreidit), so könnten wir in einem ganz anderen, in einem lebendig zutreffenden Sinne von .jüdisdien Nobelpreisträgern" spredien. Was hat, um konkreter zu werden, beispielsweise das jüdisdie Volk von den medizinisdien Entdeckungen eines Ehrlich? Und auch— dies sei ebenfalls nidit vergessen — was hatte F.hrlidi davon, daß er ' — i. ' iiMJ-WB"M"tW-Wf------i-^-M-M-M-M--f-Tt ,^2gg£0fjg^^4^^_^^^^^^^fj^4^|jggg^^^^^^Q^^^^_g2aB-HafcAfcB»^"B M. Ritter. Elegantes Fuhrwesen Fernsprecher 20798. Matthäikirchhof 32

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