Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 15 (25.12.1925)
- Date
- 1925-12-25
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG L Jahrgang legen gezwungen wan (d'e sächsischen Behörden forderten aufgrund des Vereinsgesetzes von 1851 die Auflösung des D.-J. G. B ). In Leipzig wirkte er 33 Jahre, bis ihm der Tod des so heiß geliebten Sohnes die Spannkraft lahmte, so daß er, wenig mehr als 61 Jahre alt, um Versetzung in den Ruhe-! tand nachsuchen mußte. Jacobsohn war eine ungemein rührige Persönlichkeit; in seinem Amte rastlos bemüht, Gottesdienst und Erziehung in immer schönerer Ausgestaltung mit Wärme und Wirkungskraft 7U erfüllen; und über sein Amt hinaus, der Sache des Judeni uns und seines Berufsstandes zu dienen. Bleibendes Verdienst hat er sich durch die Einrichtung des ständigen Chores in der Gemeindesynagoge erworben. Der unter Jadassohn stehende Chorverein „Psalterion" wirkte im Gottesdienste nur an Festtagen mit, und dann auch vorwiegend durch größere Chorwerke, Motetten, Psalmen u. dergl., nicht aber bei den Responsorien und an den Sabbathen. Jacobsohn richtete in der Religionsschule liturgischen Unterricht ein, um die Schuljugend zur aktiven Teilnahme am Gottesdienste heranzubilden, und entwickelte daraus den ständigen Che;. — Mit gleichem Eifer trat er für die Einrichtung des lugendgottesdienstes ein, der ursprünglich in Form von Schulandachten in der Leipziger Religionsschule, danti aber a;n Sabbath-Nachmittag in der Synagoge abgehalten wurde und seitdem eine ständige Einrichtung gehlieben ist. — Auch in den Standesvereinigungen bewährte tr regsame und anregende Mitarbeit. In Referaten über Erziehungsfragen bot er außerordentlich Wertvolles. Besonderes Verdienst erwarb er sich durch die mit unerschütterlicher Energie vertretene Forderung einer „Kantoren - Sektion" innerhalb des „Verbandes der jüdischen Lehrer-Vereine im Deutschen Reiche", wodurch dann, wiederum auf sein Betreiben, die Gründung des „Allgemeinen Deutschen Kantoren Verbandes" herbeigeführt wurde. Als Mitglied des Ausschusses förderte er, auch als er schon im Ruhestande lebte, die Bestrebungen des Verbandes, der sich schnell zu einer beachtenswerten Standesvertretung entfaltete. — Diese vielseitige Befähigung fand eine weitere Ausdrucksform in einer Reihe von Werken, die er neben verschiedenen in Zeitschriften veröffentlichten Aufsätzen erscheinen ließ. Hier sind hervorzuheben: Beiträge zur Kultusfrage und pädagogische Aufsätze. Leipzig 1879. — (Gemeinsam mit Louis Liebling. Schire beth Jakob, Schul- und Gemeinde-Gesangbuch. Leipzig 1880 (Kaufmann). — Der israelitische Gemeindegesang. Fünf populäre Aufsätze. Leipzig 1884. — Programmschrift der Leipziger Religionsschule: Die Erziehung unserer Schuljugend zum Gottesdienste (1887). — Weite Verbreitung gefunden hat sein Buch: Biblische Frauengestalten. Lliarakterscniiucrj die reifere weibliche Jugend (Leipzig 189(3), das, als Mitgabe für den Lebensweg gedacht, Musterbilder wahrer Weiblichkeit schildern und durch die Darbietung dichterischer Gestaltungen anerkannter Dichter Anziehungskraft auf Herz und Gemüt jugendlicher Leserinnen zu üben bestimmt war und diese Bestimmung auch erfüllt hat. — Und als letztes: Fünfzig Jahre. Erinnerungen aus Amt und Leben (Berlin-Friedenau 1912), eine Reihe von Skizzen, die nicht allein als Lebensbild Beachtung verdienen, sondern auch als Beitrag zur Gemeinde-Geschichte.-- Vor etwa dreiviertel Jahren war Jacobsohn noch einmal in Leipzig, um an den Jubiläumsfeierlichkeiten der Leipzig-Loge, deren Mitbegründer er war, teilzunehmen Sein Auge strahlte Milde und zugleich zielbewußte Festigkeit; seine Haltung verriet noch immer die Würde, mit der er einst seinem Amte gedient hatte. Nun ist das Auge gebrochen, der Körper zusammengesunken. Geblieben ist, was er gewirkt ha* Und darin wird er in der Erinnerung unserer Gemeinde fortleben. Aus unserer Gemeinde Nationalismus Diskussionsabend im Jüdischen jugendbund „Die positive Neutralität des J.T.V. J.J.B, ist keine Phrase, sondern Wirklichkeit*; der Leiter des Diskussionsabends vom 8. d. M. hatte ein Recht, darauf hinzuweisen. Die Aufforderung an Dr. Mawriki Kahn, über „Nationalismus" zu sprechen, war ein Beweis dafür. Der Saal war „proppenvoll". Der Redner begann in seiner bekannten temperamentvollen Sprechweise die Hemmungen aufzuzeigen, die sich einem Vortrag über eine so unliterarische Bewegung wie Nationalismus entgegenstellen. Nationalismus ist, wie er durchaus richtig bemerkte, keine Theorie, sondern eine Lebenstatsache. Dazu kommt noch, daß wir heutzutage unter den Kriegs- und ft ermann fö o r r m a n n - - °llfiren-<§>pe3ia[-^esefi(if( - - ^eferssfr. 2 [Steiner 2)ureftgang] / gegr. 1888 /ftttf 27734 empfiefiff «tafln, in "^otd, §i(6er m ren Sigene *lDerl»faff für solide Reparatur Nachkriegsfolgen nur Zerrbilder des Nationalismus sehen, zumal solche, die gegen uns Juden gerichtet sind und uns eine unvoreingenommene Einstellung auf den strittigen Begriff unmöglich machen. Welch große geschichtliche Macht der Nationalismus immer gewesen ist, bewies der Referent an Beispielen aus der Geschichte des 19. Jahrhunderts, dessen Geschichte er die der Bildung von Nationalstaaten nannte. Die Grundlagen eines reinen unverzerrtea Nationalismus wies der Vortragende dann in Beantwortung der von ihm aufgeworfenen Frage „was geschieht in der Geschichte?* auf: Geschichte ist ein organisches Ganzes. Seine Einheiten sind nicht Einzelwesen, sondern soziale Wesen: Völker! Das Volk, das sich aus Familien aufbaut! — Ein Volk hat seine Sprache, ist an sein Land gebunden, lebt und wächst mit Heimat und mit Vaterland!. Erst Völker sind kulturschöpferisch und die sogenannte Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte von Völkern. Atenschheit ist v i e 1 i e i c h i ein Ziel, jedenfalls keine reale Tatsache. Die real wirksamen Individuen der Geschichte sind die Völker. Musik für alle Privat- und Vereinsfestlidikeiten stellt in Jeder gewünschten Besetzung (auch einzelne Klavierspieler) Spez.: Streng moderne Tanzsportmusik Walter Meyersiein Leipzig-Gohlis, Monibösiraße 2.7 Fernsprecher Nr. 13 295