Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 12 (4.12.1925)
- Date
- 1925-12-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 1. Jahrgang geistigen Kriifte, daß keine kleinliche Sdiranke seine Entwicklung hemmen kann. Mögen in ihrer Laufbahn Unzählige durdi Haß und Mißgunst aufgehalten und zerrieben werden, immer sind aus der jüdischen Masse zahllose Begabungen hervorgegangen, reich genug, sich dennoch durchzusetzen. Aus dieser jüdischen Masse sind innerhalb der kurzen Zeit, da sie die Gefängnismauern des Ghettos verließ, so viele hervorragende Geister hervorgegangen, ganz große und zahllose tüchtige, daß sich ohne die Gesamtheit ihrer Leistungen unsere moderne Kultur schwer vorstellen läßt. Diese kurze Spanne Zeit moderner jüdischer Geschichte legt Zeugnis ab, daß der Jude auf allen Gebieten Hervorragendes zu leisten vermag, sogar auf Gebieten, die wir uns früher selbst nicht zugetraut haben. Selbst hervorragender körperlicher Leistungen hat sich der Jude innerhalb von zwei Jahrzehnten fähig erwiesen; denn „es ist der Geist, der sich den Körper schafft". Und in diesen Jahren erleben wir es, wie eine nationale Begeisterung die geistigen und produktiven Kräfte unerhört entfesselt, eine alte, tot geglaubte Sprache zu neuem Leben erweckt, Dichterzungen löst. Ein Volk rührt sich nach zwei Jahrtausenden und sammelt sich zu nationaler Einheit. Wie viele sich regende Köpfe und Hände gehören doch dazu! Solch ein Ereignis, noch nie gewesen — gleichgültig, ob von dauerndem Erfolg oder nicht — solch ein Sichaufschwingen ist auch ein Beweis von der Schöpferkraft des jüdischen Volkes. Wir wollen keine Chauvinisten sein, aber wir haben ein Recht, auf den Genius des jüdischen Volkes zu vertrauen 1 Geschichte und Dichtung Zu Max Brods neuem Roman „Reubeni" (M. Jaffe) Dem großen Dichter hat man allezeit das Recht zugestanden, historische Gestalten und Vorgänge, die zu einer Dichtung angeregt hatten, für die besondere dichterische Idee umzugestalten und es wird niemand einfallen, den Dichter einer Sünde am Dienst für die Wahrheit zu zeihen. Denn die Wahrheit soll nicht in der Wiedergabe von Geschichte gesucht werden, sondern in der Art, wie der Dichter Probleme aufrollt, entwickelt und löst. Freilich ist das Recht der dichterischen Freiheit wie ein Spiel mit dem Feuer: man soll es Kindern nicht gestatten. Der echte Dichter allein reißt aus den oft unreinen Niederungen der geschichtlichen Wahrheiten hinauf zu größeren reineren Wahrheiten (Schillers Wallenstein); der unechte Dichter verzerrt nur die Geschichte und verwirrt die Geister (Gutzkows Uriel Acosta). Nun ist Max Brods „Rcubeni" in die zeitige Diskussion getreten. Er wird sehr lebhaft diskutiert. „Ein religionsphilosophischer Roman" rufen die einen; „ein Schlüsselroman" — die andern; „ein Renaissanceroman" — sagt Brod selbst. Es braucht aus diesen Meinungsverschiedenheiten noch nicht geschlossen zu werden, daß der Verfasser die Geschichte all- WäKler und Wählerinnen! Die demokratische Gruppe lehnt eine einseitige Parteinahme für eine bestimmte religiöse oder politische Anschauung innerhalb der Gemeinde ab. Ihre Aufgabe ist es, durch positive Arbeit eine in jüdischer und sozialer Hinsicht gesunde Entwicklung der Gemeindeverhältnisse zu fördern. Prüfen Sie jeden unserer Kandidaten auf seine Eignung als Vertreter der Gesamtgemeinde- Jeder einzelne darf auf anerkannte Leistungen im Interesse der Gesamtheit verweisen. Eindringlicher als ein Wahlaufruf mit allgemeinen Schlagworten spricht die bisherige Arbeit der demokratischen Gruppe. Wer nicht will, daß unsere friedliche, nur dem Wohle der Gesamtgemeinde gewidmete Arbeit geschwächt wird, wählt am 6. Dezember die Liste Hades - Eiiinoan - Rosenfelder - Dr. Liepmann Keine deutsche Stimme darf dieser Liste entzogen werden, auch wer nicht wählt, schädigt unsere Arbeltl