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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-12-04 · 12 (4.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
12 (4.12.1925)
Date
1925-12-04
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RILLIG1ONSOEMElNDE, LEIPZIG Seite 3 Wenn sich unter den übrigen Nobelpreisträgern noch vier Männer belinden, die Söhne jüdischer Mütter sind, so haben wir ein gewisses Recht, uns ihrer zu erinnern. Unsere rassereinen Deutsch-Völkischen werden gewiß nicht opponieren, wenn wir diese Männer zum Teil für uns in Anspruch nehmen. Da ist zunächst der Russe lili Metschnikoff, der übrigens längere Zeit in Deutschland studierte, der Entdecker der Phagocytose. Er fand, daß die weißen Blutkörperchen Bacillen erfassen und auffressen können. Durch Metschnikoff haben wir gelernt, daß die weißen Blutkörperchen gewissermaßen eine mobile Schutztruppe darstellen, die den Organismus im Kampf gegen krankmachende Keime unterstützen. Dann muß genannt werden der berühmte deutsche Chemiker und Nachfolger Liebigs, Adolf v. Bayer, der Entdecker des künstlichen Indigos. Bayers große Entdeckung bildet die Grundlage der ganzen synthetischen Farbenchemie. Durch sie ist eine neue Industrie geschaffen worden, wodurch besonders Deutschland anstelle der meist aus fernen Ländern eingeführten teuren Pllanzenfarben einen Weltmarkt beherrschenden Export erlangte. Der dritte ist Paul Heyse, der bekannte Münchner Dichter, der feinsinnige Novellist, der zu seiner Zeit geradezu eine europäische Stellung besaß. Endlich muß noch der Physiker an der Kopenhagener Universität, Niels Bohr, genannt werden. Trotz seiner Jugend — er ist im Jahre 1885 geboren — gilt er neben Einstein als der bedeutendste theoretische Physiker, dem die tiefsten Kenntnisse über den Bau der Atome zu danken sind. Wenn wir die Reihe dieser Männer und ihr Leben, das ich nur flüchtig skizzieren konnte, an uns vorbeiziehen lassen, kommen uns Betrachlungen mancherlei Art. Von den genannten 15 Männern gehören 10 dem deutschen Sprachgebiet an. Drei, der Amerikaner Michelson, der Franzose Lippmann und der Russe Melsehnikolf, sind jedenfalls sehr innig mit deutscher Kultur in Berührung gekommen, alle drei sprachen Iließend deutsch und haben ai. deutschen Hochschulen zu Füßen der berühmtesten Lehrer gesessen. Nur zwei, der Holländer Asser und der Däne Bohr, haben zwar nicht direkt in Deutschland Eindrücke empfangen, aber die unmittelbare Nähe ihrer kleinen Läl der an Deutschland bleibt doch bemerkenswert. Der Einfluß des deutschen Geisteslebens und seiner Forschungsweise ^fSi' J^^^ÖsteM "ff1 auf die Leistungen der Juden ist außerordentlich groß. Er ist damit zu erklären, daß die Juden, die vor kaum 130 Jahren Einlaß in das kulturelle Leben der europäischen Völker gefunden haben, in größerer Zahl in Deutschland saßen und gerade in einem Lande, das im verflossenen Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung und eine Blütezeit in allen Künsten und Wissenschaften erlebt hat. Im Gegensatz zu dieser Erscheinung tritt der Mangel an großen schöpferischen Leistungen bei der zwölffach größeren Maße der Ostjuden zutage. Sie sind zwar das Volk des Buches im wahrsten Sinne des Wortes geblieben. Sie haben in unablässigem Studium in der Bibel und noch mehr im Talmud den Geist in einer Weise geschult, daß er außerordentlidi bildungsfähig blieb. Aber selbst die besten Bücher können nicht als ewiges Dogma gelten; denn sie bieten nur auskristallisiertes Leben. Die Menschen, die sich in sie hineinbohrten, konnten keine Schöpferkraft entfalten, weil sie nicht den lebendigen Geist empfingen, den nur der Umgang mit der Natur selbst und das fließende Leben des Augenblicks zu spenden vermag. Einstein wurde einmal gefragt, was er wohl geworden wäre, wenn er in einem kleinen russischen Städtchen aufgewachsen wäre. „Ein Talmudgelehrter" war seine Antwort. Diese Menschen, die ihre hauptsächliche Aufgabe im Verstehen der Werke ihrer Vorfahren sahen, konnten über reproduktive Leistungen nicht hinauskommen. Es scheint aber doch, daß in diesem Volke des Buches jener unwiderstehliche Drang zum Wissen zahllose Kräfte aufgespeichert hat. Wir sehen es, daß nur ein geeignetes Milieu, ein einziger Funke nötig ist, um zu zünden. Dann werden die latenten Energien und Fähigkeiten frei und entwickeln sich mit unvergleichlicher Schnelligkeit zu wahrhaft schöpferischen Taten. So sind nach 2 bis 3 Generationen aus den kleinen Krämern die Enkel hervorgegangen, die die großen Gelehrten und Forscher, die genialen Künstler, die königlichen Kaufleute, die weitschauenden Politiker wurden. Wenn die geistigen Bedingungen vorhanden sind, — denn auch das erlauchteste Genie ist ein Kind seiner Zeit und seiner Umgebung — dann hat sich das jüdische Volk immer eines Aufschwunges fähig erwiesen. Und so lebendig sind seine •u Q mpfefife mein reirnhaftitfe» ffa.jer In JllWelOO, Uhren, Gold" (o u Silberwaren, feine Kristalle für Paten , g Geburtstags-, Barmizwah-, Verlo ungsnnd 5 Hochzeitsgesckenke. ■ ■---- •» £ eHmanferügun-j«". u limarteilunyen ron Scfimucfcijc^tnftancicn, foun« Scp«ra- fur«n aUir S\rt werden prompf, iauf>rr und f il'iijtl ou»,cfufirf. M 1 " S. Erlbaum, «Juwelier Reichest!*. 18-20. Telefon 16375. iBKftr^.^-T^ag'aE £oipji9, Stttttkfptng 1s. $fiäT Der Umbau ist Iieeiiilet. Durch eine neue breite Treppe ist ein bequemer Aufgang zu den vergrößerten Uerfcaufsräumen getchaifen, |o daß auch bei (tärkitem Andrang fachgemäße Bedienung, d. verehrten Kundichaft gewährleistet ijt. In allen Abteilungen vorteilhafte Waren, die sich zu Geschenkzwecken eignen. wi Neumarkt 3 S.HÜDES Neumarkt 3 I

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