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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-11-13 · 9 (13.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
9 (13.11.1925)
Date
1925-11-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Seile 3 gerade wegen der Klarheit seiner Oedanken und der Schön* hell seines Stiles in der deutschen Aufklärung einen bedeuten* den Platz errang, Einblick in die Methode philosophischen Denkens gewinnen. — Von dem gleichen Gedanken war auch das im Vordergründe seines Schaffens stehende, groß angelegte Werk geleitet: „Klassiker der Philosophie. Von den frühesten griechischen Denkern bis auf die Gegenwart" mit einer Fortsetzung: „Philosophie der Gegenwart", ein Werk, das /u seiner Zeit gerne gelesen wurde. Auch heute noch findet ein weiteres W erk Beachtung, in dem er „Leipziger Philosophen" behandelte. Er zeichnete darin mit großem Geschick Purtraits und S'udien aus dem wissenschaftlichen Leben seiner Zeit und lügte ihm eine historische Einleitung hin/u: die Philosophie an der Leipziger Universität vom 15.- 19. Jahrhundert. Der Schwerpunkt seiner schriftstellerischen Arbeil lag aber in den philosophischen Essays, mit denen er sich in Tageszeitungen und Zeitschriften an die breitere, bildungsdurstige Leserschaft wandte. In ihnen behandelte er nicht allein philosophische, sondern auch literaturgeschichtliche und ästhetische Prägen mit lebendiger Frische und durchsichtiger Klarheit, so daß er sich bald urolk Beliebtheit errang. Ausgedehntes Wissen und seltene Belesenheil zeichneten diese Aufsät/e aus und verliehen ihnen einen den Tau überdauernden Wert. Er hat mit ihnen das Niveau dieser Gattung literarischer Arbeit wesentlich gehoben. Als er diese Aufsätze später als „Gesammelte Essays und Charakterköpfe zur neueren Philosophie und Literatur" erscheinen ließ, durite er die für damalige Verhältnisse seltene Freude erfahren, daß das Buch eine /weite Auflage erlebte. Daß eine solche Persönlichkeit einen ausgedehnten Kreis geistig interessierter Menschen um sieh sammelte, ist selbstverständlich. Man rühmte an ihm persönliche Vorzüge, die den Verkehr mit ihm zu einer Freude machten. Besonders im Kreise seiner Berufsgenossen, der freien Schriftsteller, war er wegen dieser Eigenschalten ungemein geachtet und beliebt. Auch am geistigen Leben der Juden Leipzigs hat er regen Anteil genommen. Als in jener Zeit, wie Uberall in Deutschland, zur Pflege jüdischer Geschichte und Literatur auch in Leipzig ein Verein begründet wurde, war er unter den ersten, die die Idee aufnahmen, und hat als Vorstandsmitglied viel zur Entwicklung und zur Blüte des Vereins beigetragen. In enger Freundschaft war er mit Alfons Jacobsolm verbunden, dem er eins seiner Werke gewidmet lieft. — Das geistige Schaffen der Früheren wird häufig nur danach bewertet, wie lange seine Spuren Srchtbar gelilicben sind. Darin liegt eine große.Ungerechtigkeit. Man sollte die Bedeutung derer nicht verkennen, die mit ihrem Schaffen vorwiegend oder ausschließlich ihrer Zeit gedient haben. Fs gibt nicht nur eine in die Länge der Zeit, sondern auch eine in die Breite einer Gegenwart ausstrahlende Größe, Eine Persönlichkeit von solcher Größe ist Brasch gewesen. Seine Werke haben in diesen letzten 30 Jahren viel an Interesse eingebüßt; ein jüngeres Geschlecht fordert neue Formen der Darstelluni,' und die Beachtung der Ergebnisse neuer Forschungen, Aber seiner Zeit hat er außerordentlich viel geistige Werte vermittelt. Diese Art des Wirkens zeigt nicht so sehr sichtbare Nachwirkungen. Aber die geistige Saat, die sie ausstreut, reift ihre Früchte über die Generation hinaus. L'nd so sollte auch hier das Wort beachtet werden, daß, wer den Besten seiner Zeit genug getan, für alle Zeiten gelebt hat. Darum verdient es Moritz Brasch, daß seiner Bedeutung auch heute noch gedacht wird. Rabbiner Gustav Cohn Die Lep^sger «luden im Kriege 1870-71 In unserer Gemeindesynagoge sind auf vier Tafeln die Namen derer verzeichnet, die im V/eltkriege 1914 —1918 ihr Leben für ihr Vaterland ließen. Bald wird sich auch auf dem Ehrenfriedhol ein Denkmal erheben, das die Talen den Helden kommender Zeit verkünden wird, l'nd da dürfte es von Interesse sein, auch auf frühere Zeiten einen Bück zu werfen und derer zu gedenken, die insbesondere im Kriege gegen Frankreich sieh beleih«! und ausgezeichnet haben. Die Statistik vom Jahre 1911) weist unendlich viele Lücken auf, obwohl sie sofort nach Beendigung des Krieges aufgenommen wurde. Um wieviel mehr wird das für 1870-71 der Fall sein, wenn die eigentliche Erhebung erst fünfundzwanzig Jahre später, also im Jahre 1896, vor sich ging! Die Leipziger Gemeinde war damals klein. Sie wird nicht mehr als 1500 Seelen gezählt haben vielleicht sogar weniger —, die Liste, die das Comitc zur Abwehr anderweitiger Angriffe veröffentlicht hat. verzeichnet aber f U n f z e b n Kriegsteilnehmer. Iis müssen jedoch bedeutend mehr gewesen sein, so fehlt beispielsweise schon der gefallene Albert Jacobson und andere, und es ist anzunehmen, daß der Übergangenen noch viele sein werden. Gefall e n sind außer dem erwähnten Unteroffizier A I - b e r t Jacobson (bei Metz) der slud. rer. Felix Oppenheimer, der bei Brie sur Marne sein Leben hingab. Sein Name ist auf dem Denkmal in der W a u d e I h a I I e d e r Leipziger Universität verzeichnet. Beide sind im Gedenkbuche unserer Gemeinde verewigt, ihre Namen sollen auch das neue Denkmal auf dem Friedhol zieren. M Ritter. Elegantes Fuhrwesen Fernsprecher 20798. Matthäikirchhof 32 Das eiserne Kreuz zweiter Klasse, eine Aus Zeichnung, die zu jener Zeit ganz anders zu werten war, als* heute, erhielten vier Leipziger Juden I Der eine war Bert- Ii o I il Bodek im sächsischen Schützenregiment, der zweite hieß S o n n e n t h a l und gehörte dem Posener Infanterieregiment 58 an, der dritte war S a I o m o n P o s n e r , in den Listen bezeichnet als Soldat aus „Leipzig-Großenhain". Schließ« lieh wird noch genannt Dr. F. G o Id s c h m i d t, der wohl identisch war mit dem Arzte Dr. Sigmund Goldschmidt -Von Beförderungen werden außer den bereits erwähnten noch die des Josef Pinkelst ein verzeichnet, der es bis zum S e C o n de- LI e u t e n a n t. wie damals der Leutnant hieß, brachte. Fr. der im nächsten Jahr seinen achtzigsten Geburtstag feiert, dürfte wohl der älteste und vielleicht der einzige in unserer Gemeinde noch lebende Veteran aus dem Kriege gegen Frankreich sein. Außer den bisher aufgeführten sieben Kriegsteilnehmern nennen die Listen noch folgende elf Namen: Bernhard Bodek, 'Leo Bardach, Bernhard Schap.tr a, Julius Bueky, Otto Fracnkel, Wolf Pergamenter, Martin M e y er, Her m a n n M atzdorf f, M o ß n e r j u n.. Lewin, Michaelis. Sie alle werden ebenso wie Finkefstein, Berthold Bodek, Oppenheimer und Dr. Sigmund Goldschmidt als Angehörige der Infanterie-Regimenter 107 und 108!>ezeichnet M Q ml'f<ll(e m'"» reiJinaflige« JJaqer in Juwelei), Uhren, Gol etil (q u Silberwaren, feine Kristalle für Paten , 5 Geburtstags-, Barmizwah-, Verlo'jungs und ä Hocbzeitsgeschenke. t a n Jj eHeuanfrrfigungei u limarbeiiungen von SiAmuctjejen[land«n, foioic Steparalurcn atf« 5trf m<rden prompt, »auber und tiftic.»! ausgeführt. S. Erlbaum, Juwelier Reichssir. 18-20. Telefon 16375.

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