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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-10-23 · 6 (23.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
6 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG I. Jahrgang Konfessionen in dieser Hinsieht weit überflügelt worden sind. Wenn wir uns vergegenwärtigen, was z. B. die innere Mission auf dem Gebiete der Kinderwohlfahrt sowohl wie des Madchen- Sdiutzes in geschlossener wie offener Fürsorge leistet, wenn wir uns die Arbeiten des Caritasverbandes näher ansehen, so können wir nur von aufrichtiger Bewunderung erfüllt sein und müssen uns die ernsthafte Frage vorlegen, woran es liegt, daß bei uns die Fülle an aufopfernder, selbstverleugnender Arbeit nicht annähernd im gleichen Maße zu finden ist. Wir kommen dabei zu der Erkenntnis, daß in erster Linie uns Frauen eine große Schuld trifft. Anstatt uns der Pflicht gegen den Nächsten bewußt zu werden, werden Scharen von uns von oberflächlichem Bildungsstreben, einem Dilettieren auf schöngeistigkünstlerischen Gebieten, seit neuerer Zeit auch in den Wissenschaften, erlaßt. Die meisten glauben, der Nächstenliebe damit Genüge zu tun, wenn sie zahlendes Mitglied der Wohltätigkeitsvereine sind. Sie selbst wollen mit dieser Arbeit meist nicht in Berührung kommen und verschließen sich gegen die Organisationen, die es sich zur Aufgabe machen, jüdisches und soziales Interesse zu wecken und zu pflegen, was ja letzten Endes auf indirekte Wohlfahrtsarbeil hinausläuft. Vielfach wird von Männern und sogar auch Frauen dieses Streben nach Mitarbeit auf allen Gebieten des sozialen Wirkens verkannt, und es kommt noch heute vor, daß man der irrtümlichen Auffassung begegnet, die Frau wolle „auch hierin" dem Manne Konkurrenz machen. Daß die Frau gerade das spezifisch Weibliche in alle Arbeiten der Wohlfahrtspflege und des Gemeinwohls bringen will und sie damit erst zu einem Ganzen zu vervollkommnen bestrebt ist, wird leider auch in unseren eigenen Reihen allzu oft außer Acht gelassen. Es würde zu weit führen, hier all die bedauerlichen Erscheinungen aufzuzählen, die in dieses Kapitel gehören, und es sei nur kurz gestreift, daß rein äußerlich wir Frauen erkennen müssen, daß auch Auswüchse in der Mode, beispielsweise die Tendenz zur Vermännlichung in ihr, daß das .Mitwirken bei Wohltätigkeitsfesten und anderes mehr. Abwege sind von dem Wege der ethisch-sozialen Einstellung, die wir von uns als Frauen und Mütter unbedingt verlangen müssen. Noch ein Wort soll über die jüdische Delegation und die gesamte Vorbereitung der Kongreßarbeit von jüdischer Seite gesagt werden. Das Kongreßprogramm, das auch alle angemeldeten Teilnehmer aufführte, brachte eine stattliche Anzahl Namen der jüdischen Delegation, in der — nebenbei bemerkt — auch wir Vertreterinnen des jüdischen Frauenbundes angeführt waren. Man hatte dies, ohne uns zu befragen, getan; hätte man uns befragt, so hätten wir wohl den Wunsch geäußert, außer in der jüdischen, auch in der deutschen Delegation genannt zu werden. Es ergab sich, daß in der Tat an dem Kongreß kaum die Hälfte der Delegierten teilnahm, die jüdisdierseits genannt waren. Hierfür sowohl, wie für manches andere Versagen auf jüdischem Gebiet ist wohl in der I lauptsache die jüdische Welthilfskonferenz verantwortlich zu machen. Sie war es auch, die auf der Ausstellung, die anläßlich des Kongresses alle Arbeiten des Kinderschutzes aus aller Herren Länder anschaulich vor Augen führte, die jüdische Arbeit so gut wie gänzlich fehlen ließ. Das wenige Material, das noch fast in letzter Stunde die ZentralwohlfahrtSStelle der deutschen Juden aus Deutschland zusammengestellt hattte, und einige Ausstellungsobjekte, die Ungarn geliefert hatte, war alles, was von jüdischer Seite in der Ausstellung vorhanden war. Ein noch größeres Manko, das die Welthilfskonferenz zu verantworten hat, bedeutete es, daß der eine der 2 Hauptreferenten, die über für uns Juden eminent wichtige Fragen zu referieren rechtzeitig übernommen hatten, erst am 3. Kongreßtage in Genf erschien, während sein Referat im Programm am 2. Tage vorgesehen war, so daß es ungehalten bleiben mußte. Die Erklärung für das Fernbleiben dieses Herrn ist in seiner Teilnahme am Zionistenkongreß in Wien zu suchen, kann aber in diesem Falle selbstverständlich keine Entschuldigung sein. Eine Veranstaltung politischer Art darf, ungeachtet ihrer Wichtigkeit für uns Juden, niemals ein Hinderungsgrund sein, einer einmaligen Veranstaltung sozialer Art, bei der es sich für uns Juden aller Länder um grundlegend wichtige Fragen handelt, fernzubleiben. Der 2. Referent, und zwar der Vertreter der Welthilfskonferenz im Völkerbund, der in Genf ansässige Herr Zevy Aberson, war von der Welthilfskonferenz nicht mit dem für sein Referat notwendigen Material versehen worden. So kam es, daß er wohl aus dem, was er selbst wußte und zur Verfügung hatte, ein kurzes und auch durchaus wirksames Referat ei stattete, daß aber sein Vortrag als einziger nicht unter den gedruckten Rapporten, die jedem Kongreßteilnehmer vorlagen, vorhanden war. Selbstverständlich haben wir in der Besprechung unserer jüdischen Delegation diese Übelstände allerseits festgestellt, ohne jedoch etwas daran ändern zu können. Es waren als jüdische Vertreter anwesend: 1. Für die Welthilfskonferenz nur der eine obengenannte Herr Aberson aus Genf: Herr Dr. Tiomkin kam erst am 3. Tage. 2. Frau Lebach und Frau Aberson, Genf, für die Ligue des Femtiies Juives de Geneve. 3. Für den jüdischen Frauenbund Deutschlands Bertha Pappenheim, Hannah Karminski, Bettina Brenner. 4. Die letztgenannte ebenfalls für die ZentralwohlfahrtSStelle der deutschen Juden. 5. Für die Agudas Jisroel Herr Sally Guggenheim-Basel und Herr Dr. Weil-Kolmar. 6. Frau Ehrenfeld-Prag für die Jüdische Fürsorgezentrale. 7. Frl. Heiden-Budapest. Aus der Fülle der angenommenen Resolutionen muß auf eine hingewiesen werden, die erklärt: Erziehung zum Frieden ist kein Einzelgebiet, sondern muß in allen Zweigen von Unterricht und Erziehung zum Ausdruck kommen. Hoch bedeutsam wird diese Entschließung durch eine Ergänzung, die von der Vertreterin der Ligue des Femmes de Geneve, Frau Aberson, eingehrachl und begründet wurde. Trotzdem die oben erwähnte Resolution den Haß unter den R isseu und Konfessionen bereits zu bekämpfen sucht, erschien es der Genfer Frauenliga dringend erwünscht, speziell auf den Antisemitismus, der in Schulen und Hochschulen um sich greift, durch eine Sonderresolution hinzuweisen. Es sei mit Freude und Genugtuung festgestellt, daß sich in der Vollversammlung eine nicht unwesentliche Mehrheit fand, die die spezielle Resolution der Genfer Frauenliga als Ergänzung zu der oben angeführten Resolution der Erziehung zum Frieden annahm. Im Folgenden ist diese Resolution im Wortlaut wiedergegeben: „Da in einer Anzahl Ost- und Zentraleuropäischer Staaten der antisemitische Unfug auf Schulen und Universitäten chronisch zu werden droht, in judenfeindliehcn Büchern und Spielen genährt wird und in den Straßen sich laut macht; da hierdurch die Jugend demoralisiert und für den jüdischen Schüler eine ttU GLAST HIV DES Keren Kajemeth Uji5rael - ViCW7 f)W\? || am 24. November 1925 im CENTRAL-THEATE aittbtt mmsb

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