Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-10-16 · 5 (16.10.1925) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
5 (16.10.1925)
Date
1925-10-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4876568-5968769-5968868--0090-4876628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG I. Jahrgang richten. Als einem Juden das Honorar für eine Operation zu liodi war und er die Hälfte bot, sagte er: „Ja, dann muß 1dl aber die stumpfen Messer nehmen und es ist nieht ausgeschlossen, daß mir die Hand beim Operieren zittern wird". Doch Strümpell schreibt weiter: „Aber gerade unter den echtesten typen der polnischen Juden habe ich manchen alten, würdigen Mann kennen gelernt, dem ich meine Sympathie nicht versagen konnte. . . . Schon darin zeigt sich der praktische und klare Verstand dieser Leute, daß sie in allen schwereren Krankheitsfällen, selbst unter schwierigen Verhaltnissen, stets bestrebt sind, den wirklich besten und tüchtigsten Arzt aufzusuchen. Ihr unbedingter Glaube an die Autorität und das Wissen eines Universitätsprofessors hat wirklich zuweilen etwas Rührendes, ebenso ihre hingebende Liebe zu ihren Eltern und Kindern, die sie keine Mühe und keine Kosten scheuen läßt, um den erkrankten Angehörigen die denkbar beste ärztliche Hilfe zu gewähren. Niemals sucht der Jude ärztlichen Rat bei einem Kurpfuscher, er ist dazu viel zu klug. Wie anders verhalten sich in dieser Hinsicht manche Kreise unserer deutsehen Bevölkerung. Ich denke hier keineswegs nur an ungebildete Bauern, sondern gerade auch an manche Angehörige der sonannten höheren Stände und insbesondere des Adels." Strümpell spricht oft in seinem Buche von dem großen Interesse, daß er an diesem, wie er sagt, „merkwürdigen, an seiner Eigenart so zäh festhaltenden, in mancher Hinsicht so sehr begabten Volke" nahm. Er sah scharf durch die manchmal fremdartige Hülle und erkannte das gute Herz und den edlen Sinn. „Erstaunlich war mir immer die häufig zu beobachtende Frühreife und frühe geistige Entwicklung dieser kleinen Judenkinder, in deren immer suchend und forschend aufmerksamen Augen sich der stete Drang nach Tätigkeit, Kenntnissen und Erwerb widerspiegelt".--■ In allem, was der große Arzt über uns Juden sagt, — auch wenn er tadelt und kritisiert, — spüren wir seine vorurteilsfreie, humane Gesinnung. Der Schlußsatz seiner Lebenserinnerungen lautet: „Von dem Guten, das man hat, andern mitzuteilen, ist das Beste, was der Mensch im Leben tun kann." Dr. Hermann Spita. Nehmet Einsicht in die Wählerliste im israelitischen Gemeindeamt, Lohr Strasse 10 Geschäftsstunden werktäglich 8-4 Uhr Aus unserer Gemeinde Isr. WohltitigkeitsAerein zu Leipzig Am 8. Oktober fand im Speisesaal der Anstalten die Kuratoriums-Versammlung des Isr. Wohltätigkeits-Vereins statt. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Sohns Rosenstock, gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung in anerkennenden Worten des dahingeschiedenen Revisors. Herrn Moritz Harmelin, und erteilte sodann dem Schatzmeister, Herrn Eugen Maas, d is Wort /um iRechensdiaftS- und Geschäftsbericht über das Jahr 1924. Herr Maas berichtete, unter Angabe genauer Details, über die Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Anstalten, daß trotz der Ungunst der Zeiten das verflossene Jahr ohne Fehlbetrag abgeschlossen werden konnte, was nicht zum geringsten Teil der tatkräftigen Unterstützung und Hilfsbereitschah ausländischer Freunde und I lelier zu verdanken gewesen sei. Im Jahre 1924 wurden in der Spciscanstalt insgesamt 32400 Portionen Mittagessen bestehend aus Suppe mit Einlage. Gemüse mit Fleisch und Kartoffeln — verausgabt, täglich ca. 100 Portionen. Seit März 1925 wurde auch die offizielle Sabhath-Speisung eingeführt, die yroße Beteiligung fand. Auch der Studenten- und Mittelstandstisch des Schwestern-Bundes der Leipzig-Loge wies besonders steigende Frequenz auf, und allgemein wurde das schmackhafte reichliche Essen gelobt. Die Altersversorgung war mit 9 Insassen voll besetzt und der Gesundheitszustand der alten Leutchen unter der ärztlichen Aufsicht unseres Anstaltsarztes, Herrn Dr. Adolf Freymann, eine gute. Der Kinderhort wurde von ca. 40 Kindern besucht, die unter ständiger pädagogischer Aufsicht den Segen des Hort- Unterrichtes genossen. In unserem Dürrcnberger Kinderheim waren während der Sommermonate 3 Kolonien von je 30—35 Schulkindern — Knaben und Mädchen - untergebracht, auf die die vorzügliche Solbadkur und die stärkende Salinenluft neben guter reichlicher Verpflegung den günstigsten Einfluß ausübten, der sich in gutem, frischem Aussehen und bedeutender Gewichtszunahme bekundete. LEIPZIG» " DITTRICH Kl M cl 8 OWIAN^örWEG . r//u u l:\stkiy »ks Keren Kajemeth Leji5rael ViClET1? TVQV pi? g j am]24. November 1925 im CENTRAL-THEATER äfiäatttta»«ButMittaM rr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.