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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-10-16 · 5 (16.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
5 (16.10.1925)
Date
1925-10-16
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 9,03 Sekunden in einer Entfernung von . . . . 148,148 Millionen Kilometern einen Umlauf um die Sonne vollendet (vgl. M. G. W. J. 1922, 7)/ So geistvoll diese Deutungen sind, so wenig überzeugen sie, daß in ihnen der wahre Ursprung aufgehellt ist. Aus gesuchten, so ungemein schwierigen Überlegungen kann man nicht zur Verwendung des Zeichens als Wahrzeichen gelangt sein. Solche Vorgänge vollziehen sich weit einfacher, weit ungezwungener. Das gleichseitige Dreieck ist in ältesten Zeiten als geometrische Figur bekannt gewesen, ebenso wie Kreis und Quadrat Was lag näher, als daß man es als ornamentale Verzierung an Hauwerken anbrachte, und daß man, in dem Streben nach Abwechslung, auch auf den Gedanken kam, zwei solcher Figuren in der Form des Hexagramms zu verwenden. Auf die gleiche Art entstand auch das sehr alte Zeichen des Pentagramms (Figur mit 5 Spitzen), des sogenannten Drudenfußes. Als solches Ornament kannten es auch die Juden schon frühzeitig. Bei den Ausgrabungen der altgalilttischen Synagogen sehen wir neben den Üblichen oben erwähnten jüdischen Symbolen auch das Hexagramm. Estkann, nach dem vorher Gesagten, nicht zweifelhaft sein, daß es häufiger verwendet wurde, als uns bisher bekannt geworden ist, auch ohne daß ihm eine Beziehung zu jüdischen Gedanken beigelegt worden war. Erst weit später legte man einen solchen Gedanken hinein. Im Midrasch bereits ist die dreieckige Form des Schildes I bekannt. In seinen Psalmen spricht David von Gott häufig als von einem Schilde (z. B. Es. 18,36; 144,2). Die anderen gebräuchlichen Symbole der Juden stellten Kultgegenstände dar. Im I lexagramm, in dem man symbolische Bedeutung suchte, wurde man an einen Schild erinnert und verband nun damit den Gedanken des göttlichen Schutzes, wie ihn David unter dem Bilde des Schildes ausgesprochen hatte. So kam man zu einer immer häufigeren Anbringung dieses symbolisch gewordenen Zeichens. Wie geläufig aber schon im frühen Mittelalter diese seine Verwendung, äuch unter dem Namen „Schild Davids", gewesen ist, geht daraus hervor, daß Karl IV. 1354 in seinem Erlasse, in dem er der Prager Judenschaft eine Fahne verlieh, bestimmte, daß auf der Fahne der „Schild Davids" anzubringen sei. Damit hängt es dann wohl zusammen, daß auch auf dem Turm des Präger jüdischen Rathauses und dem Siegel der dortigen Gemeinde wie auf vielen Grabsteinen der „Magen David" angebracht wurde und nun seine Verwendung immer häufiger wurde. May es auch richtig sein, daß der „Magen David" nicht ursprünglich als jüdisches Wahrzeichen entstand, er ist als jüdisches Wahrzeichen sehr alt, ist allmählich zum spezifisch jüdischen Wahrzeichen geworden, und wir haben allen Grund, es als solches zu schätzen. Rabbiner Gustav Cohn. und seine Der vor kurzem verstorbene, weithin berühmte Leipziger Arzt, Prof Strümpell, hat einige Wochen vor seinem Tode seine Lebenserinnerungen publiziert. Er schreibt hier interessant und packend über bedeutende Zeitgenossen und merkwürdige Patienten. Zu den letzteren gehören die zahlreichen jüdischen Kranken, die in Breslau und Leipzig das Wartezimmer dieses ausgezeichneten Arztes gefüllt haben. Er widmet ihnen einige Abschnitte seines Buches, die bemerkenswert und lehrreich sind. Es ist sidier verkehrt, einen großen Mann danach ZU beurteilen, wie er über die Juden denkt, aber es ist kein Zweifel, daß die Art, wie einer sich heutzutage zur Judenfrage stellt, uns verrät, ob er imstande ist. sich überhaupt von Vorurteilen und dumpfen Trieben freizumachen und durch die dicke Schale den Kern der Dinge zu erfassen. Prof. Strümpell gehört zu der leider aussterbenden Generation von deutschen Gelehrten, die kurz nach 187U studierten, von Lehrern wie Virchow und Mommsen mit liberalem Geiste erfüllt wurden und in ihren Verbindungen gleichberechtigte jüdische Kommilitonen zu Freunden hatten. Strümpell hat Sich bis in unsere verworrenen Tage den freien Blick gewahrt, die edle Menschlichkeit, die die Grundlage seines vornehmen Charakters bildete, und die ihm auch die Worte über seine jüdischen Patienten diktiert hat. Jüdische Kranke sind ein wenig schwierig zu behandeln, darin sind sich alle Arzte einig. Manche machen nur Witze darüber, und es ist kein Zweifel, daß diese besonders zündkräftig sind. Wenn es auch Anekdoten sind, die man ebenfalls von Schulze und Lehmann erzählen könnte, so wirken sie doch Viel drastischer, wenn, wie bei manchen Witzen, die handelnden Personen jüdischen Namen tragen. Die große Ängstlichkeit mancher Juden um ihre Gesundheit ist nicht zu leugnen, ebensowenig die Furcht, daß Ihnen diese Ängstlichkeit zu Strümpell chen Patienten P~' Xu Gnmmaifche-Str. 21 Berneburg, DLERkhreibmakhmcr, viel Geld kosten könnte. Aber es steckt in diesen Dingen ein sehr ernsthafter Kern. Die Gesundheit ist dem ewig bedrohten Juden ein hohes Gut, und es ist ihm ein religiöses Gebot, den Körper gesund zu erhallen, als heiliges Gefäß für heilige Werte. Beide Stilen dieser Frage, die komische und ernste, läßt Strümpell gerecht und mit klarem Sinne zu Tage treten, wenn er von seinen jüdischen Patienten Spricht Er kennt die Schwächen seiner jüdischen Patienten, ihre Ubergroße Ängstlichkeit, ihre Ungeduld. „Wiederholt habe ich es erlebt, daß ich telefonisch gebeten wurde, mögUchst sofort im Auto zu einem jüdischen Patienten zu kommen, und daß mir der Kranke dann, auf meine Frage, was ihm fehle, mitteilte, er leide schon seit zwei-drei Jahren an Rheumatismus, an Kopfschmerzen oder dergleichen. Der plötzlich entstandene Wunsch, mich zu konsultieren, muß nun auch sofort erfüllt werden." Aber wiederum ist er gerührt von der erstaunlichen Geduld der judischen Patienten, die, von weither kommend, Stundenlang auf den berühmten Professor warteten. Er erzählt, wie einmal, als er abends mit seiner Frau in eine Gesellschaft gehen wollte, eine alte polnische Jüdin mit ihrer Tochter kam, um ihn zu konsultieren. Da die Tochter nicht schwer krank war, bestellte er die beiden auf den nächsten Tag. Als er um Mitternacht heimkehrte, sah er in dem I lausflur zwei weibliche Gestalten. Es waren Mutter und Tochter, die gewartet hauen und ihn baten, die Untersuchung doch jei/t vorzunehmen. Eine Geschichte vom Honorar weiß er von seinem Kollegen Mikulicz, dem berühmten Chirurgen in Breslau, zu bee» Q mp(«fi(e mein reictmaftijet Eager bl JuwelOU, Uhreil, Gold" \ (£) u Silber waren, feine Kristalle für Tüten-, I Geburtstags-, Bavmizwah-, Verlotmng-s und I Hochzeitsgeschenke ■ - f s etleuanfertiaunaen u Umarbeitungen con &Himud>aeg«n|tanden, [oioic Kepara- -g £ luren alter flrl werden prompt, tauber und f>it(ictt autaefuhrt. 2. M ■ - : J S. Erlbaum, «Juwelier w) Reichssir. 18-20. Telefon 16375.

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