Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 5 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 gfmeindeblatt DER israelitischen RELIGIONSGEMEINDE, Leipzig 1. Jahrgang die aus unserer Gemeinde als Opfer des Krieges den Tod gelunden haben, abgeschlossen werden. Um eine lückenlose Anführung der Namen zu erzielen, bitten wir die Angehörigen solcher Kriegsopfer, deren Namen auf den Gedenktafeln in der Gemeindesynagoge noch nicht verzeichnet sind, um möglichst umgehende Benachrichtigung des Gemeindeamts. Der Vorstand Personalien eines im Kriege gefallenen Gemeindegliedes Auf der Tafel in unserer Gemeindesynagoge ist unter den im Kriege gefallenen Gemeindemitgliedern Gustav Bing genannt. Wir benötigen nähere Angaben über diesen. Wir bitten die uns unbekannten Angehörigen des Genannten, sich umgehend bei uns zu melden, da dringende Erledigung geboten ist. Leipzig, den 12. Oktober 1925. Der Vorstand. Fundsachen Am Freitag, den 9. Oktober 1925, ist beim Abendgottesdienst ein Packet, Wäsche enthaltend, in unserer Gemeindesynagoge liegen geblieben. Der Verlierer wolle sich bis zum 26. Oktober bei uns melden, andernfalls die Gegenstände an das Fundbüro des Polizeiamtes abgeliefert werden. Leipzig, den 12. Oktober 1925. Der Vorstand. Oer „Magen David" als j W ie das Kreuz für den Christen, der Halbmond für den Mohammedaner, so ist heute der „Magen David" ganz allgemein als Wahrzeichen für alles jüdische gebräuchlich. An Synagogen und Wohlfahrtsanstalten, an rituellen Gegenständen, auf Grabsteinen, in Büchern, kurz,'überall, wo man den jüdischen Charakter in Ersrhei.. :ng treten lassen möchte, begegnet man diesem Zeichen. Vielfach ist es Brauch geworden, einen ..Magen David" ständig als Abzeichen in Form einer Nadel oder eines Anhänge'« zu nagen. Neuerdings wird auch für den Gedanken eines ..Roten Magen David" geworben, der im Kriege neben das „Rote Kreuz" und den „Roten Halbmond" als jüdische Hilfsorganisation trat und weiter ausgebaut werden soll. Nicht immer hatte der „Magen David" diese Bedeutung. Im jüdischen Altertum nahmen andere Symbole seine Stellung ein. Auf alten Münzen. Grabsteinen, Baudenkmälern sehen wir die Menorah, die Palme, den Eßrog, auch das Ölblatt, aber nicht den „Magen David". Erst verhältnismäßig kurze Zeit nimmt dieser ihre Stelle ein. Die älteste Erwähnung dieses Zeichens, der beiden verschlungenen gleichseitigen Dreiecke, die Spitze des einen nach oben, die des anderen nach unten gerichtet, finden wir in einer Schrift des 13, Jahrhunderts; dort wird gesagt, daß der hebräische Selbstlaut v in seinen drei Punkten die Winkel des gleichseitigen Dreiecks bezeichnet, welches das halbe Siegel Salomes bildet. Es wird also noch nicht die jetzt übliche Bezeichnung ...Mayen David'' ■ Schild Davids angewandt, obwohl die Kenntnis des Zeichens selbst als eines bei den Juden gebräuchlichen als bekannt vorausgesetzt wird. Bei älteren Erwähnungen, in denen einige auch den Namen Davidsschild finden wollten, ist es ungewiß, ob die Verfasser selber oder erst spätere Erklärer diesen Namen mit dem Zeichen verbanden. Nur ein Denkmal, das erst in den letzten Jahren bekannt geworden ist, könnte als Beleg dafür gelten, daß sdion in weit zurückliegender Zeit der Name Davids mit dem Wahrzeichen in Verbindung gebracht wurde. Auf einem aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. stammenden Grabstein für die „Frau des Leon, des Sohnes des David", ist vor dem Namen „David" das Zeichen eingemeißelt, woraus'geschlossen werden darf, daß die Bezeichnung ...Magen David" bekannt war. Damit würde es auch übereinstimmen, daß der eine der Lobsprüche nach Verlesung derHaftarah mit den Worten „Schild Davids" schließt Immerhin muß festgestellt werden, daß uns aus alten Zeiten der „Magen David" nur selten als jüdisches Wahrzeichen und auch seine Benennung als „Schild Davids" bekannt ist. Umsomehr beschäftigte man sich mit der Frage, wie das Zeichen zum jüdischen Wahrzeichen geworden ist und welche Bedeutung es hat. Der „Magen David" ist als Hexagramm (mathematische Figur mit sechs Spitzen) nicht ausschließlich jüdisches Zeichen gewesen. Der spätromanische Baustil bringt es vorzugsweise üdisches Wahrzeichen als Ornament an, und es findet sich seit dem frühen Mittelalter an den Giebeln von Backsteinbauten, noch heute an den Domen von Brandenburg Und Stendal, an der Marktkirche zu Hannover, in Lüneburg und anderwärts. Es kommt bei vielen Völkern in Anwendung, bei Peruanern, Ägyptern, Chinesen und Japanern. Es wird von den Freimaurern verwendet und ist vielfach als Wirtshausschild gebräuchlich. Diese seine vielfältige Verwendung weist den einzig möglichen Weg zur Erklärung seines Ursprungs. Man hat sehr geistvolle Deutungen versucht und dabei auf die Tatsache zurückgegriffen, daß das Hexagramm in der Mystik eine große Rolle spielt. Die indische Götterlehre hat als Zeichen für die Gottheiten Wasser und Feuer gleichseitige Dreiecke, das eine mit der Spitze nach unten, das andere mit der Spitze nach oben. Das Hexagramm weise also auf die friedliche Vereinigung beider hin, wie nach dur alten jüdischen Vorstellung in schamajim (Himmel) sich esch (Feuer) und majim (Wasser) verbinden (Grunwakl. Jahrb. f. jüd. Gesch. u. LH. 1901, 127). Der „Magen David" wäre demnach Sinnbild für die |dee des welterhaltenden Friedens. —. Eine nicht minder geistvolle Erklärung bringt den „Magen David" mit der Cheopspyramide in Beziehung. Der deutsche Gelehrte Dr. Fritz Nöthling erkannte in dem Wimderbau der Cheopspyramide ein von den Weisen Ägyptens errichtetes Monument der Weltallgesclze, ein steinernes Denkmal, dessen wohldurchdachte Abmessungen in allen seinen Teilen die Beziehungen der Planeten zur Sonne verewigen sollten. Unter diesem Gesichtspunkte stellte er zahllose Berechnungen aufgrund der Maße dieser Pyramide an und entwickelte so alle mathematischen Probleme. Durch eine ganz komplizierte Konstruktion gelangte er zu der Figur eines „Magen David", von ihm als „Sphären-Magen- David" bezeichnet, das, nicht aus zwei gleichseitigen, sondern gleichschenkligen Dreiecken besteht. Der Winkel der oberen bezw. der unteren Spitze birgt nach N. das symbolische Geheimnis, ..daß die Erde in 365 Tagen 5 Stunden 40 Minuten Nordheemer sagt: Man kann Plattfüße haben und doch ein Kaval er sein. Man mu nur durch entsprechendes Schuhwerk dem Übe' entgegenwirken. Ein Versuch mit Dr. Diehls Stiefeln hilft Ihnen.