Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 4 (9.10.1925)
- Date
- 1925-10-09
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 5 jüdischen Frauen die dringende Bitte, an unserer Arbeit teilzunehmen und entsprechende Meldunsjen telefonisch an die Unterzeichnete (29641) zu richten. Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig Else Cohn. Dieser dringliche Ruf des Frauenbundes rührt an eine Wunde, die die Kriegs- und die Nachkriegszeit geschlagen hat; die gleichen Erscheinungen machen sich auch in anderen Organisationen, ja allerorten schmerzlich bemerkbar. Es verlohnt sich, der Frage nachzugehen und zu erkennen, daß dem Mangel begegnet werden muß. Bis 1914 hat es kaum irgendwo an Menschen gefehlt, die freudig bereit waren, in den Dienst der Allgemeinheit zu treten. Die wirtschaftliche Lage gestattete es einer namhaften Zahl von Männern, sich von ihren Berufsgeschäften ganz zurückzuziehen oder doch stark zu entlasten, in einem Lebensalter, in dem noch ein hohos Maß von Tatkraft nach Betätignng drängte. Der Gemeinsinn, der viele von ihnen erfüllte, trieb sie in die gemeinnützigen Organisationen, und mit reifer Erfahrung widmeten sie sich hingebungsvoll solchen freiwillig übernommenen Pflichten. Die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse haben nicht allein die meisten dieser Männer gezwungen, wieder beruflicher Arbeit nachzugehen, der Daseinskampf ist vielmehr so schwer geworden, daß er fast ausnahmslos die ganze Anspannung der Kräfte erforderlich macht So gibt es heute kaum Menschen, die durch Unausgefillltheit zu solcher Arbeit getrieben werden; und viele, die starke Neigung dafür hätten, werden durch die hohen Anforderungen, die ihre persönlichen Pflichten an sie stellen, gehindert, dieser Neigung nachzugeben. Diese Entwicklung kann nicht ernst genug beklagt werden. Auch die Durchführung aller Gemeinschaftsaufgaben ist durch die Umgestaltung der Verhältnisse ungemein erschwert worden und bedingt gerade heute einen ungleich stärkeren Energieaufwand als je zuvor, um so mehr, als die Fülle der Aufgaben in ständigem Wachsen begriffen ist und unendlich viel mehr Kräfte erfordert, als dies früher der Fall war. Wo aber sind diese Kräfte? Wie können sie ausgelöst werden? — Daß es möglich ist, auch in der gegenwärtigen Lage der Gemeinschaft zu dienen, beweisen die wenigen, die auch heute das große Opfer bringen, die Lasten gemeinnutziger Arbeit auf sich zu nehmen, und, in oft bewundernswürdiger Weise ihre Person völlig hinter die Sache stellen. Was sie dazu befähigt, ist gewiß in erster Reihe Opferwilligkeit, aber nicht minder das Bewußtsein der Pflicht, die dem Einzelnen gegenüber der Gesamtheit obliegt, das Bewußtsein der Verantwortung, die der Einzelne an dem Gedeihen der Gemeinschaft zu tragen hat. Es gibt sicherlich so manchen, der, wie diese wenigen, kl der Lage wäre, gemeinnützige Einrichtungen durch persönliche Tätigkeit zu fördern, sich für Bestrebungen, die nur durch Zusammenschluß verwirklicht werden können, einzusetzen, und die dennoch sich alledem fernhalten und nicht selten gar noch durch ihre Kritik die Arbeitswilligkeit der wenigen Bereiten lahmlegen. Der Werberuf der Frauen sollte das soziale Gewissen wecken. Noch für viele gibt es Möglichkeiten der Betätigung. Keiner weigere sieh, den Platz einzunehmen, auf den ihn eine gemeinnützige Bestrebung ruft, ja, jeder halte Umschau, wo er ein seiner Einstellung entsprechendes Arbeitsfeld findet und trete willig in die Reihen der für das Gemeinwohl Tätigen ein. Nehmet Einsicht in die Wählerliste im israelitischen Gemeindeamt, Löhrstrasse 10 Geschäftsstunden werktäglich 8 4 Uhr Aus unserer Gemeinde « Die Zukunft der Judenhcit. Versammlung des Aufbau-Fond-Komitees der Gesellschaft „Ort" am 5. Oktober im Kaufmännischen Vereinshaus. Der technische Apparat der Einladungen zu dieser Versammlung war mit Umsicht und Eifer gehandhabt worden und hatte seine Wirkung nicht verfehlt: Ein volles Haus lohnte die Mühe; alle Richtungen, alle Altersstufen waren vertreten und nicht nur in erheblicher Zahl, sondern auch durch ihre „Prominenten", von denen sich leider mancher auch zu den Säumigen gesellt hatte, die ewig zu spät kommen müssen und sich dann durch Lärm und Rücksichtslosigkeit „schadlos" halten. Nach Eröffnung der Versammlung gab es gleich eine Enttäuschung: der von vielen mit Spannung erwartete erste Redner, Herr Dr. Paul Nathan, Berlin, hatte infolge Erkrankung abgesagt. Also nahm bald Herr Dr. Singalowski, Berlin, das Wort. Das angekündigte Thema bezeichnet nur im großen Umriß die Aufgabe, die sich .die Redner gestellt hatten. Jeder wußte, daß es einer Propaganda für den „Ort" galt und niemand erwartete daher tiefgründige Darstellungen über die „Zukunft der judenhcit". Aber die feine Art, wie Dr. Singalowski aus einer allgemeinen Betrachtung über dieses Thema zu seiner besonderen Aufgabe überleitete, berührte sehr sympathisch und diese Sympathie wurde durch die, wenn auchjin fremdem Idiom erklingende, doch sorgfältig ausgefeilte Sprache wesentlich er höht. Der Referent führte aus: die Vorliebe des Juden der heutigen Zeit zu Betrachtungen über Vergangenheit und Zukunft seiner Gemeinschaft ist wertlos, wenn darüber die Gegenwart vergessen wird. Eine gut geleitete Gegenwartsarbeit aber ist nicht nur eine bittere Notwendigkeit, sondern vor allem die einzig zuverlässige Brücke zwischen der begeisternden Vergangenheit und der möglicherweise die Judenfrage lösenden Zukunft. Die überaus traurige Gegenwart aber droht aus dem Judentum der ganzen Welt eine chaotisch sich bewegende Masse Pi ermann ß) o rrmanff) - - 'Utiren'Spejlaf^escfiaff - — ^eferssfr. 2 [§ledmer ^urefigang] / gegr. 1888/9tuf 27734 empfiehlt ßpfafin. _ in ^ofd,!>i(6er Eigene IDerfesfaff für sofide ^Reparatur Kfi ren