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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-10-09 · 4 (9.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
4 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG I. Jahrgang zu madien, die nach Formen den der alten „Völkerwanderungen" in einer diese Formeu nnmöglidi machenden modernen Zeit überall in Bewegung gerät und bei der feindseligen Stellung aller Weltstaaten zu ihr in eine Katastrophe treibt, in welche wahrscheinlich auch die Juden hineingezogen werden, die heute scheinbar seßhaft und relativ ruhig in diesem oder jenem Staate leben. Die Hauptgefahr liegt im Osten, wo den ungeheuren jüdischen Massen durch die Folgen des Weltkrieges und der russischen Umwälzung die gesamte Existenzmöglichkeit in einem Ausmaß untergraben wurde, von dem wir uns im Westen keinerlei Vorstellung madien können. Es handelt sich um Millionen an Zahl und um wirtschaftliche Kräfte von kaum mehr abzuschätzender Größe und Gewalt, die gleichsam völlig entwurzelt worden sind und in ihrer Verzweiflung unermeßliches Unheil zu bringen drohen. Die einzige wirksame Hille für diese noch nie dagewesene Judennot ist eine gründliche Berufsumschichtung der ostjüdischen Massen aus der vorwiegend kaufmännischen Betätigung in die landwirtschaftlichhandwerkliche Berufsarbeit. Diese Umschichtung muß in einem Format versucht werden, für die kaum ein zuverlässiges Augenmaß zu gewinnen ist. Die Schwierigkeiten - der Referent wußte sie aufs wirksamste herauszumeißeln — türmen sich bergehoch. Und dessen ungeachtet hat der „Ort" diese Riesenaufgabe begonnen. Der „Ort" ist keine neue Organisation; reine Ziele waren auch schon in Vorkriegszeiten in einem gewissen Maße dringlich. Jetzt sind sie zu einer Schicksalsfrage der jüdischen Gesamtheit geworden und mächtig hat sich die Idee des „Ort" in der ganzen jüdischen Welt durchgesetzt. Die in allen Kulturstaaten neugebildeten Komitees für den Aufbau-Fond des „Ort" enthalten eine imponierende Zahl der allerersten jüdischen Namen und überall haben auch nichtjüdische Staatsmänner, Wissenschaftler, Politiker und Wirtschaftsführer eisten Ranges ihre Zustimmung laut bekundet und ihre Namen den Komitees eingereiht. Die bisher vom ..Ort" geleistete praktische Arbeit aber wirkt am nachhaltigsten für ihn. Das vom Referenten in überwältigender Fülle dargebotene Tatsachenmaterial über die schon geleistete Arbeit verblüffte geradezu. Die gewaltige Ausnutzung der der neuen russischen bodenrefonncrisehen Gesetze durch Gewinnung von Boden für Ackerbau und Besiedelung, die umfangreiche Gewährung von Darlehen und landwirtschaftlichem Material an Kolonisten, die in großer Zahl erfolgte Einrichtung von Musterbetrieben, die Schaffung von Handwerkerlehranstalten in vielen Städten des weiten Ostens, die mit Energie jn größtem Umfang bewirkte Hinleitung der in Unruhe geratenen Uroßstadtjuden nach den zu kolonisierenden Gebieten - alles das war durchaus geeignet, zu überzeugen und neue Freunde zu gewinnen, und trotz der teilweise trockenen Natur des Stoffes konnte einem das Her/ aufgehen über so viel Tatfreude und Zielbewußtheit bei immerhin dauernd beschränkten materiellen Mitteln. I)(i Referent erntete für seine etwa einstündigen Ausführungen den ehrlichsten Beilall der großen Versammlung. Er wurde durch Herrn Gemeinderabbiner Dr. Goldmann, der üfr den nicht erschienenen Herrn Dr. Paul Nathan sprach, nach der politischen Seite in wertvollster Weise ergänzt. Seine Darlegungen gipfelten in dem Nachweis, daß der Arbeit des „Ort" gegenüber den anderweitigen Versuchen zur politischen Lösung der Judenfrage die Priorität zukomme, daß jedoch im übrigen ein Gegensatz etwa zwischen der zionistischen Bewegung und den Zielen des „Ort" gar nicht bestehe und deshalb auch nicht behauptet werden sollte. Die vorgeschrittene Zeit und eine Unpäßlichkeit des Redners verhinderte ihn, über die religiöse und jüdisch-kulturelle Bedeutung der „Orr-Arbeit zu sprechen; lür das Gesagte wurde auch ihm von allen Seiten warm gedankt, dodi war vorauszusehen, daß manche seiner Behauptungen in der Diskussion gegensätzliche Anschauungen auf den Plan rufen würden. Tatsädilich herrschte auch in der folgenden Aussprache der Versuch vor, die Palästinaarbeit als allein wahre Lösung der Judenfrage und daher auch als vornehmste Pflicht der zeitgenössischen Judenheit darzustellen und die „Ort"-Arbeit in die zweite Linie zu drängen. „Der „Ort" schafft dem kranken Judentum nur den „Notverband", Palästina aber wird das Krankenhaus, das endgültige Heilung bringt" — so rief einer der Diskussionsredner pathetisch. Im Ganzen aber klang auch durdi die Aussprache die warme Sympathie für die ungeheure Arbeitsleistung des „Ort" und sowohl das, was einzelne Redner für s;ch ausführten, als das, was hervorragende Vertreter l eipziger Organisationen für diese erklärten, klang in einem überzeugten Bekenntnis für den „Ort" aus. Es ist das besondere persönliche Verdienst des Herrn Dr. Singalowsky, in einem wundervollen Schlußwort, das teilweise in klassischem Jiddisch gesprochen wurde, durdi die Wärme der Empfindung und durdi die Editheil des jüdisdien Geistes, die von ihm ausstrahlte, alle Unebenheiten ausgeglichen zu haben. Er gab jedem mit unwiderstehlicher Kraft die Uberzeugung, daß von jedem jüdischen Standpunkt, und sei es selbst von den entgegengesetztesten aus, das Ziel des „Ort" und seine Arbeit einen gewaltigen Gewinn bedeutet und von der restlosen Gesamtheit des Judentums der ganzen Welt mit jedem erdenklichen Maße gestützt werden muß. Man darf wohl annehmen, daß die stattliche Versammlung, die in später Stunde endete, mit diesem stillen Geloben auseinanderging. M. J. Pcrsonalnachrichtcn. Qesthüftsjubilüum. Die Herren David und Albert Bergmann, Eisenbahnstraße 84, konnten am 1. Oktober das 25jährige Bestehen ihres Geschäftes begehen, das sidi unter der Firma Gebr. Bergmann hohes Ansehen erworben hat. Weite Kreise, in denen sich die beiden Brüder eine hochgeachtete Stellung erworben haben, brachten den Jubilaren ihre WUnsche dar, denen wir uns aufs herzlidtste anschließen. Trauerfall. Die Familie unsers Herrn Rabbiner Dr. Garlebach ist durch den Heimgang seines Bruders, des Herrn Alexander Garlebach aus Lübeck in tiefe Trauer versetzt worden. Der Heimgegangene hat sich um die hiesige Höhere Israelitische Schule außerordentliche Verdienste erworben, sodaß sein Verscheiden auch in unserer Gemeinde tief betrauert wird. ^CtOaaDDDDüaDnanaaoDDnaaDDDnaDDDDDflDDDaDDDDDODnaDnoaoDDDKgnDDDa ( MODERNE KLEIDERSTOFFE*! a a in großer Auswahl bekannt vorteilhaft « Neumarkt 3 S H O D E S Neumarkt 3 jj V ^OÜDaaDDnonDnDaDDDDDQaDDDnDDDQaDDDDDaODDDDODDDDDaaDnDOnDDDDaKQ^ a a □

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