Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 4 (9.10.1925)
- Date
- 1925-10-09
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG L Jahrgang nicht nur als Schulgebäude, sondern audi für Wohnungen, Verwaltungsräume, Vereinsversammlungen usw. außerordentlich gut verwendbar. Das jetzige Gebäude sei nominell Eigentum der Schulbaugesellschalt, in Wirklichkeit aber sei es Eigentum eines einzigen Wohltäters, der jetzt zum Verkauf gezwungen sei. Die Kauf- und Erstellungskosten hätten 370000 Mark betragen. Hepner bestätigt, daß die Errichtung des Schulgebäudes hauptsächlich das Verdienst einer Familie sei, aber dennoch sei es moralisch eine Angelegenheit der Mehrheit der Gemeindemitglieder; es könne nicht als Eigentum einer Person, auch nicht als Eigentum der Schulbaugesellschaft gelten. Das Gebäude müsse der Gemeinde erhalten werden. Aber der Kaufpreis von 1800(10 .Mark sei viel zu hoch, zumal die Baukosten nur 85000 .Mark betragen hätten. Das Gebäude sei für Büro- und Unterrichtsräume ausgezeichnet geeignet. Vielleicht sei es auch Pflicht, die Schule zu erhalten, aber nicht in der bisherigen Form. Die Umwandlung in eine Volksschule müsse im Auge behalten werden. Die jetzige Organisation sei viel zu kostspielig und unlohnend. Deshalb dürfe der Höheren Israelitischen Schule weiterhin kein Beitrag von der Gemeinde gezahlt werden. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß es im Hinblick auf das kommende Volksschulgesetz nicht zweckmäßig sei, jetzt an die Gründung einer Volksschule zu gehen. Hotles bestreitet, daß an der Höheren Israelitischen Schule unwirtschaftlich gearbeitet werde. Fs seien nur so viel Lehrer angestellt, wie unbedingt notwendig. Sie werden nach der Reichsbesoldungsordnung besoldet, was 10000 Mark monatlich erlordere. Das Gesamtbudget betrage 1(30000 Mark im Jahre. Eine Abrechnung werde am Jahresschluß vorgelegt werden. Der jetzige Leiter sei bereit, zurückzutreten. Dann müsse aber, im Gegensatz zu jetzt, eine besoldete Kraft angestellt werden. Es werde nicht zu viel ausgegeben, sondern zu wenig eingenommen. Es ist beabsichtigt, Parallelklassen abzubauen durch Entlassung unbegabter Schüler, die kein Schulgeld entrichten. Die schwach besuchten Oberklassen sollen fortfallen. Für 100 Kinder sind Patenschaften gefunden worden, die 2000 Mark im Monat bringen werden. So wird sich der Fehlbetrag vermindern. Wenn die Gemeinde das Gebäude kauft, kann die Schule vielleicht erhalten werden. Zur Vorsorge ist den Lehrern gekündigt worden. Wegen vorgerückter Stunde wird die Beratung über den Antrag des Herrn Ho des vertagt und ein Ausschuß eingesetzt, der gemeinsam mit dem Vorstand die Frage des Ankaufes des Schulgebäudes vorberaten soll. In diesen Ausschuß werden gewählt: Gulmann, Nathansen, Straus, Tumpowsky, Ury und Dr. Wohrizek. Es wird davon Kenntnis genommen, daß die Hebräische Sprachschule die Gemeindevertreter zu einer Besichtigung eingeladen hat. Dr. Jakob Sicßkind hat anläßlich de> Ablebens seines Vaters 3000 Mark geschenkt, die der Darlehenskasse zugeführt worden sind. Emil Joske hat zur Aufwertung der Emil und Mathilde Joske-Stiftung 200 Mark gespendet. Von der Verlesung der übrigen Spenden wird abgesehen, da diese neuerdings im Gemeindeblatt veröffentlicht werden. Die Sitzung schließt um 11,30 Uhr. Ein Ruf nach sc Wir erhalten den folgenden Werberuf des „Jüdischen Frauenbundes Ortsgruppe Leipzig", den wir gerne veröffentlichen. ..Die FUrsorgetätigkeit unserer Gemeinde findet seit Jahren eine notwendige Ergänzung in der sozialen Arbeit der hiesigen Ortsgruppe des Jüdischen Frauen-Bundes. Diese stellt neben die finanzielle Hilfe der Gemeinde die unbedingt notwendige persönliche Hilfstätigkeit Zum Organ dieser Arbeit hat sich unter der erfahrenen Leitung von Frau Flora Cahn die sogenannte „Mittwochssitzung'' herausgebildet, zu deren Aufgaben im Einzelnen gehören: Familienfürsorge, Recherchen für die Fürsorgekommission der Isr. Religionsgemeinde, Jugendfürsorge, Bahnhofshilfe, Schutzaufsicht u. v. A. Die in dieser Arbeitsgruppe tätigen Frauen sind durch das ständige Anwachsen der Einzelaufgaben stark überlastet, sodafi von dieser Verhältnis* mäßig kleinen Anzahl von Frauen bei aller Opferfreudigkeit die Fülle der Arbeit kaum bewältigt werden kann. Die Familienfürsorge, in der wir unsere schönste Aufgabe sehen, kann aber nur von Sc^en sein, wenn die einzelne Pflegerin ihre Zeit und die ihr persönlich zu Gebote stehenden Hilfsmöglichkeiten nicht in einer Unzahl von Fällen zu zersplittern braucht, sondern, wenn sie sich darauf konzentrieren kann, die ihr zur Verfügung stehende Zeit einzusetzen für 1—2 Familien, deren Schicksal freundlicher zu gestalten, oft schon schwer genug ist. Eine möglichst starkv Verteilung der Arbeit durch Hinzuziehung vieler Hilfskräfte macht die Arbeit für die Pflegerin befriedigen-; zialen Helfern. der, für den Hilfsbedürftigen nutzbringender, weckt die Aktivität unserer Arbeit sonst fernstehender Kreise und erschließt durch die verstärkte Initiative des Einzelnen neue Hilfsmöglichkeiten. Sicherlich gibt es in unserer großen Gemeinde noch viele Frauen, die die Voraussetzungen für diese Arbeit, ein starkes Verantwortungsgefühl, Pflichttreue und Menschenliebe, besitzen. An alle diese geht unsere dringliche Bitte um Mitarbeit. Gerade in heutiger Zeit, wo die wirtschaftliche Krisis dein Hilfsbedürftigen manche materielle Quelle verschließt, muß das persönliche Einsetzen des Einzelnen mit besonders starker Intensität geschehen, um den Ausgleich zu schaffen. Das Gleiche gilt von einer weiteren Aufgabe, deren Dringlichkeit ebenfalls nie so groß war wie jetzt: Berufsberatung und Stellenvermittlung. Beide sind durch wirtschaftliche Schwierigkeiten und gesetzliche 1 leinmungen außerordentiidi erschwert. Unter heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen ist eine bloße Vermittlungsstelle zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht mehr ausreichend. Sondern die Erreichung auch nur des kleinsten Erfolges erfordert ein starkes persönliches Einsetzen für jeden Einzelfall. Darum läßt sieh auch diese Aufgabe nur mit Hilfe vieler Hilfskräfte bewältigen, die ihre Kraft, ihre Zeit, ihre Beziehungen und ihre Erfahrungen zum Besten der Ratsuchenden auswerten wollen. Wir richten daher nochmals an die Hilfsbereitschaft der!»«_IUJJ-JLL»«! ., " FEST XL (jS L'iYSTJKlY HKS Keren Kajemeth Leji5rael VXIEPV nÖ^p p j? || am 24. November 1925 im CENTRAL-THEATER