Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 2 (25.9.1925)
- Date
- 1925-09-25
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 1 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 1. Jahrgang Die Anlage der Friedhofsbauten ergab sich aus den praktischen Erfordernissen im Zusammenhang mit denen des Städtebaues. ■ i;n "eine ungehinderte Vorfahrt zu erreichen, ist im Grundriß 'die nach der Straße offene IMorm gewählt. Die für 1 Gärtner und Verwalter erforderlichen Wohnhausbauten flankieren in der Straßenfront den Komplex, wahrend sieh, etwas zurückliegend, der die ganze Anlage beherrschende Kuppelbau der Haupthalle erließt und das für die wagrechte der vorderen und seitlichen Dach- und Trauflinien notwendige Gegengewicht darstellt. Die ganze Zweckbestimmung drückt sich so schon in'der j Massenentwicklung aus. Der linke Flügel enthält Garage, Räume für die Chebra Kadischa, einige Reserveräume. Es schließen sich der Arztraum, der Aufnahme-, Wasch und *Aufbahrungsraum an. Im Zentrum die große Einsegnungshalle von 324 qm Grundfläche (die jetzige an der Berliner Straße hat 121 qm), in welche die Angehörigen direkt von der Seite aus einem besonderen Raum, in dem sie sich versammeln, gelangen können. Dieser Versammlungsraum ist so gestaltet, daß er auch für kleine Beerdigungen benutzt werden kann. •Im rechten Flügel sind die Beamtenräume, die Toiletten und die beiden Wohnungen untergebracht. Offene Hallen an den Seiten fund an der Rückfront gestatten ein Unterstellen bei schlechtem Wetter. Selbstverständlich ist den strengsten rituellen Vorschriften genügt Der Transport der Leiche vom Eingang bis zur Grabstätte erfolg) nur in vorwärtsgehender Linie. Alle Räume, in denen sich die Trauernden und unter ihnen Cohanim aufhalten kennen sind durch Dachunterbrechungen von den Räumen, in denen Leichen sein können, getrennt. Die äußeren Formen sollen den 4 Faktoren entsprechen, aus denen ein Kunstwerk als Produkt sich zusammensetzen muß: Der Zeit, in der es entstand, und die man daraus erkennen soll, der Umgebung, die darauf einwirkt, der Tradition, die für jede Entwicklung eine Notwendigkeit ist, und der Individualität des Schaffenden. Fehlt einer dieser Faktoren, so ist es wie beim Fehlen;on Organen im menschlichen Körper, dem höchsten und ten Kunstwerk. Ein Mensch ohne Schilddrüse z.B. ist verkümmert. Fehlt bei einem Bauwerk der Ausdruck der Zeit (wir finden das leider sehr häufig in den sogenannten Stilbauten, einem maurischen, romanischen oder anderen mittelalterlichen Stil, dei sich rgendwie unberechtigterweise vordrängt), so fehlt ihm die Eigenschaft des Spiegels, der Wahrhaftigkeit. Ähnlich ist es. wenn das Bauwerk sich fremd in die Umung llt, wie ein Schweizerhaus in die norddeutsche Tiefebene, oder ein lappländischer Bau unter die heiße Sonne Italiens. Ein her Stil wollte sich von dem driften Faktor, der Tradition freimachen, der Jugendstil. Hier merkt man das Fehlen der Schilddrüse besonders. Über die Individualität ist wenig zu sagen, sie drückt sich eben in der Art der Zusammenfassung der ersten 3 Faktoren aus. I läufig wird es auch so sein, daß wohl alle 4 vorhanden sind, daß sich aber der eine auf Kosten der anderen vordrängt. Im übrigen sind solche Überlegungen allgemeiner Art, wie sie zürn besseren Verständnis hier angestellt worden sind, nur indirekt einwirkend, sie müssen im Unterbewußtsein vorhanden sein und können kein Rezept darstellen, nur die Un-; terlage für die Kritik oder Selbstkritik, die ja doch die schärfste sein soll. Im vorliegenden Fall flankieren den Hauptbau statisch berechtigte hochstrebende, die Kuppel stützende und tragende Bauteile, ihm ist der stark betonte Haupteingang vorgelagert. Die Erdarbeiten sind schon begonnen, die knappe Hälfte des ganzen Geländes soll noch in diesem Herbst angelegt und bepflanzt werden. Im Frühjahr werden auch die vorderen, quergelagerten Gebäude errichtet. Leider gestatten es die schwierigen Geldverhältnisse nicht, die zum Bau der Gesainianlage erforderliche Summe aufzubringen. Deshalb wird in der Front eine provisorische Einseimungshalle errichtet werden, die solange in Benutzung bleibt, bis die Mittel zum Bau der Haupthalle und der Seitenflügel aufgebracht werden können. _W. H.__ K*6rfmmaffche-$tr. 21, Berneburg. DlER-fchrabmakhmen W. KretSChmar Inhaber: Rob. Hahne SL praktischer Hemdenschneider /;S\ Tadellos, sitz. Oherlti nden und jegliche Herrenwäsche '^Oet nach eigenem Idealsystem, Crawattan-Meuheiten Jetzt 75 Jahre am Markt in Leipzig.