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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-09-25 · 2 (25.9.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
2 (25.9.1925)
Date
1925-09-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 GFMFINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 Ideals in die Wirklichkeil kann nur erfolgen, wenn die Idee der Versöhnung mehr und mehr die Menschen zur Ausschaltung ihrer Streitigkeiten führt und so allmählich die Voraussetzungen für die messianische Zeit herbeiführt. Fürwahr, ein unermeßlich großes Ziel! Könnte je ein Zeitalter sich getrauen, hei noch so klarer Erkenntnis der Schönheit, der Notwendigkeit, der Erfüllbarkeit dieses Zieles und bei nc'ch so restlosem Aufsehen in der Arbeit daran, es zur Verwirklichung zu führen? — Ks wäre töricht, wollte je einer der Vcrkiinder dieses Ideals solchen Glauben haben; und hätte ihm schwärmerischste Begeisterung das klare Urteil getrübt, er müßte das Unmaß von Hemmungen erkennen, das dem entgegensteht. Aber wäre je an seine Verwirk Ii dum« zu denken, wenn man nun angesichts der Schwierigkeiten aufhören wollte, von dem Ideal zu Sprechen? Nur dadurch kann einem Ideal der Wen geebnet werden, daß es durch begeisterte Vertreter immer von neuem in die Geister eingehämmert wird. Es handelt sich dabei vor allem darum, daß el eu das Denken, die geistige Einstellung in unermüdlicher Arbeit beeinflußt und gewandelt wird. Wenn die edlen Geisler um die Abschaffung des Krieges sich mühen, so gilt es zunächst, die noch immer herrschende Anschauung zu erschüttern, daß der Krieg unausrottbar sei. Nie würde an eine Überwindung des Krieges gedacht werden können, wenn nicht immer wieder und wieder dieses Endziel gefordert würde, wenn man nur mit kleinen Maßnahmen zur Milderung der Grausamkeiten des Krieges, wie sie vor 1914 vereinbart wurden, vorwärts zu kommen meinte. Iis wird gewiß noch lange, lange Zelt verstreichen, wehe die Überzeugung, daß die Streitigkeiten der Völker auf andere Weise geschlichtet werden können, alle entgegenstehenden Anschauungen überwunden haben wird. Es ist bemerkenswert, daß die Kirchenkonferenz in Stockholm bei der Behandlung der Frage; Stellung zum Kriege in ihrer Mehrheit geglaubt hat, den tatsächlichen Verhältnissen Konzessionen machen zu müssen. Nur einige, als heißblütige, weltfremde Wahrheitsfanatiker belächele Geistliche hatten den Mut, zu verlangen, daß die Kirche uen Krieg als Sünde verurteilen und in diesem Sinne veredelnd und verbessernd auf die .Menschen wirken solle. Die Mehrzahl schloß sich diesem Verlangen nicht au. Das Judentum aber wird nicht müde, von dem Ideal zu sprechen, in der Überzeugung, daß nur so ihm der Boden bereitet werden kann. Und darin wird es gestützt durch so manche Tatsache-der Geschichte. Wir möchten noch nicht auf die Idee des Völkerbundes hinweisen, obwohl sie weiter gediehen; als noch vor 10 Jahren irgend einer für möglich gehalten hätte. Aber sie ist noch immer zu wenig entwickelt, hat noch zu wenig Früchte gezeitigt. Aber wäre die Sklaverei je überwunden worden, wenn nicht unentwegt die Forderung erhoben worden wäre? Jahrhunderte haben geglaubt, die Menschheil könne ohne sie nicht leben. Und es zeigt sich, daß die Menschheit sie gul entbehren kann. Und schreitet nicht die Erkenntnis fori, daß sozialer Ausgleich den einst entrechteten niederen Klassen gmuuiuivre Lebensbedingungen schaffen muß? Auch hier waren und sind noch immer Anschauungen zu überwinden, denen solcher Ausgleich das Gespenst des Zusammenbruchs der Gesellschaft vorgaukelte. Aber, wenn auch langsam: die bessere Erkenntnis bricht sich Hahn. Zielbewußt hat das JudentUm an seinem Wege festgehalten, nicht nur auf das Nächstliegende sondern auf das Letzte hinzuweisen. Fs kann mit Genugtuung feststellen, daß schon manches sich anbahnt, was auf die schließliche Erfüllung hohen läßt. So mag es weiter diesen Weg verfolgen, die Versöhnung ^anbahnen. Einst wird sie Wirklichkeit sein. Rabbiner Gustav Cohn. tiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim Nehmet Einsicht in die Wählerliste im israelitischen Gemeindeamt, Lohr Strasse 10 Geschäftsstunden werktäglich 8 <* Uhr IIIIIIIIIIMIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlilllllllim ................IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIM Der neue Friedhof. Die Leipziger.jüdische Gemeinde braucht einen neuen Friedhof, den dritten seit ihrem Bestehen. Bevor der erste im Jahre 1813 geweiht wurde, mußten die Leipziger Juden ihre Toten auswärts begraben. Dieser erste liegt mitten in der Stadt, im Johannistal und reichte 50 Jahre. 18(54 wurde er geschlossen. Fr birgt eine ganze Reihe sehenswerter Grabsteine und ist leider zu wenig bekannt. U. a. liegt dort der Großvater des später so bekannt gewordenen .Major Dreyfuß. Der zweite Friedhof in der Berliner Straße, schon weiter draußen, ist nun 60 Jahre in Benutzung und wird in der Hauptsache 1926 belegt sein. Seine besondere No;e wird er durch den seiner Vollendung entgegengehenden Ehrenfriedhof*) erhalten. Da die jüdische Religion nicht wie andere eine nochmalige Benutzung der Grabflächen gestattet, weil die Ruhe der Toten heilig sein soll, hieß es schon vor Jahren, sich nach einem *) Angehörige solcher Mitglieder unserer Gemeinde, die als Opfer de» Krieges den Tod gefunden haben, werden, wie auch an anderer Stelle bekanntgegeben ist, werden gebetendie Namen möglichst umgehend dem Gemeindeamt mitzuteilen. Die Schriftleitung. weiteren Platz umsehen, der dann, nach Verhandlungen mit der Stadt, gegenüber dem Krankenhaus St. Georg gefunden wurde. Die vorläufig noch nicht bis hinausreichende Linie 16 wird in allernächster Zeit bis zum Friedhof verlängert und erhält dort ihre Endstation, sofern sie nicht in absehbarer Zeil bis Wiederitzsch weitergeführt wird. Der Entwurf der Einteilung rührt von Gartenarchitekt Otto Moßdorf her, der Entwurf der Baulichkeiten von Architeht B. D. A. Wilhelm Q> mpfehfe mtin reichfictdiges fager m Juwelen, Uhren, CrOld- (qu Silberwaren, feine Kristalle für Paten-, Geburtstags-, Bariuizwah-, Verlobungs und Hochzeitsgeschenke. efleuanfertigungen u 1ii"0'f>ci(uiigcn oon Scnmudtgegenftanden, (oime Separatoren oder Strt u>erden prompt, tauber und f>.(lig*t ausgeführt. Aul Wunsch Zahlungserleichtrrung. Streng reelle Bedienung. Billigste Preise S. Erlbaum, Juweller, Reicüsstr. 18-20. Tel. 16375

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