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Der Sabbath · 1912-12-01 · 10 u. 11 (Okbober-November 1912) · p. Seite 88

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Journal
Der Sabbath
Volume
12 (1912)
Issue
10 u. 11 (Okbober-November 1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 88 (sequence 14)
Language
German
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88 Der Sabbath. 1. wird di$ Kommission eine anfs sorgfältigste bearbeitete Tabelle beransgeben, welche ein genaues Adressenverzeicmm aller bestehenden jüd. weibl. Stellen- TMjpaittlnngen .sowie die Adressen deren Leiterinnen und Vorsitzenden 'enthält. Die Stellenvermittlungen sind je narah Hbrer Zugehörigkeit den B. B. Logen, zum Jüdischen Fmuenbund nnd zur Vereinigung der Sabbathfreunde gwdnet, und die Tabelle wird allen Gemeinden, FrauenvOTdnen, Schulleitungen u. s. w. unentgeltlich zur Bemftimng ziigesandt Wernen. Zweck dieser Tabelle ist, es jecmün&nn zu ermöglichen sich im Bedarfsfall an die näÄtgelegene Stellenvermittlung zu wenden und dadurch den^™ Zustrom von Arbeitsuchenden nach den grossen Städten abzuschwächen. Grosse Städte sind oft von Arbeitskräften so überschwemmt, dass Stellesuchende nicht unterzubringen .sind. "Das bedeutet für Viele eine grosse Gefahr, während an kleineren Orten gute Arbeitsgelegenheit ihrer wartet, und die Zeit der Stellenlosigkeit weniger kostspielig und gefährlich ist. 2. Die Herstellung einer-sorgfältig zusammengestellten List^ von Vertrauenspersonen des In- und Auslandes ermöglicht es den Vermittlungsstellen überall eingehende Recherchen^übfr Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzuziehen. Die Liste der Vertrauenspersonen, die mehrere hundert Nameu umfasst, soll raber noch einen zweiten, sehr wichtigen Zweck erfüllen. An kleinen Plätzen und auf dem Lande, wo der kleinen Verhältnisse wegen die buch geklebt werden, vorhanden sind. Wo dies nicht der Fall ist. sollen die jüdischen Arbeitsnachweise möglichst für die Einführung dieser roten Zettel eintreten und dafür Sorge tragen, dass auch ihr Arbeitsnachweis unter den andern angeführten vermerkt wird. Auch die Gründung eines Verbandes der weibl. jüd. Stellenvermittlungen ist geplant und zwar in der Form, dass die Leiterinnen der Nachweisstellen den erweiterten Beirat der Kommission für Stellenvermittlungen des Jüd. Frauenbundes bilden, der an den Sitzungen der Kommission mit beratender Stimme teilnimmt. Wenn es gelingt, alle die hieuen Anregungen, die durch die Kommissionssitzung gegeben worden sind, in die Praxis umzusetzen, so wird die Bearbeitung der Stellenvermittlungsfrage ein ganzes Stück vorwärts kommen. 3>22syg Vermischte Nachrichten. Z. B. A. Budapest, 24. Nov. Es ist noch nicht lange her, dass das Präsidium des „üngsrländischen Kaufmännischen Verbandes* — eines Vereins, in dem selbst der Schabbosgoy jüdischer Konfession ist — jede Diskussion Aber die Berücksichtigung der strengreligiösen! jüdischen Kaufleute mit der lakonischen Aasrede unmöglich machte, dass man in keiner Schaßcbewre sei. Bei der Vorberatung des Sonntagsruhegesetzes wurde die Diskussion kurzerhand abge¬ Einrichtung eines Stellennachweises nicht möglich ist, können yorkommendenfalls die Vertrauenspersonen die Funktion einer sozialen Vermittlungsstelle übernehmen. Daraus ergibt sich ein Netz, welches für später eine grosse Organisation vorbereitet. -'Die Liste der Vertrauenspersonen der im März tagenden Delegiertenversammlung sind festgesteHt worden nach denen es sieb erfahrungsgemäss gut arbeitet<^ Um ejft^-fprdemaes Zusammenarbeiten der Stellen-; vermittlungfjjfjdas B. B. Logen und der dem jüdischen Frauenbund angehörenden Stellenvermittlung zu ermög- . liehen, hat der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes ein j Mitglied def Stelleifvermittlungskommission in den Vorstand ' des Verbandes der Arbeitsnachweise der Grossloge dele- ' giert, und der Verband der Arbeitsnachweise der Grossloge eine Vertreterin in die Kommission des Bundes gewählt. Einen sehr breiten Raum in den Verhandlungen der; Kommissionssitzung nahm die Frage der Ausbildung geeigneter Leiterinnen filr jüd. Nachweisstellen ein Ferner 1 wurde eingehend»die Frage der hauswirtschaftlichen Ausbildung unbemittelter Mädchen in Privathaushaltungen diskutiert, weil durchaus nicht alle Mädchen in Haushaltungsschulen oder ähnlichen Anstalten für den häuslich^ Beruf vorgebildet werden können.! .Ein Antrag auf Einführung des vom Berliner Hausdienstausschusses herausgegebenen Dienstvertrages mit i entsprechendlr Umänderung für jüd. Dienstpersonal wurde; abgelehnt: * Wenn einzelne Stellenvermittlungen das Vertragsformular des Hausdienstausscbnsses benutzen wollen, so können sie sich den städtischen Verhältnissen "•npassen und den ortsüblichen Vertrag für jüd. Personal '%st abändern Die Empfehlung des Dienstvertragforseitens der Kommission des Jüdischen Frauenrrde abgelehnt weil sie leicht missverstanden, jung der Kommissionsarbeit bei Neugründungen, j * tc. schaden könnte. Doch wird seitens der! j ^eregt, dass die jüd. Stellenvermittlungen je in ihrer Stadt auch die von der •’sgegebene^'«ten Zettel, die die Mcrp' I schnitten. Mit Ausnahmeder wenigen nicht jüdischen Kaufleute zeigte früher keiner ein leisestes Verständnis für die Not, die sich der gesetzestreuen Judenheit durch ein drakonisches Sonntagsruhegesetz bemächtigen musste. In den letzten Wochen ist hier gottlob eine Wandlnrg zu verzeichnen. Dank des Zusammenschlusses der gesetzestreuen Kaufmannschaft, die in letzter Stande den Weg zur Organisation gefnnden hat, ist es einem ihrer Führer, Desider K o r e i n , der die treibende Kraft der ganzen Aktion ist, gelungen die gute Sache znm Siege zn führen. ' , Bei der am Sonntag abgehaltenen grossen Sitzung wurde über die Achtnhrspeirstnnde am Samstag diskutiert. Desider Korein wies in einem mit statistischem Material erhärteten Referat den volkswirtschaftlichen Schaden nacb, den wir erleiden müssen, wenn man am Abend, knapp nach der Auszahlung des Wochenlobnes der Arbeiter, diesen die Möglichkeit nehme, ihre Einkäufe zn besorgen. Ohne das religiöse Moment zu berühren, i überreichte er den Antrag, wonach der Ausschuss des Verbandes dem Handelsminister ein Memorandum dringend zn überreichen habe, mit der Bitte, dass in dem projektierten Sonntagsrnhegesetz ausgesprochen werden möge; dass der Samstag Abend im ganzen Lande von der Achtnbrsperrstnnde ausgenommen werden solle. Der Antrag wnrde vom Präsidenten ßerthold Fürst unterstützt und dann einhellig angenommen. Als im Verlanfe der späteren Diskussion durch ein Mitglied ein konfessionelles Moment in die Debatte geworfen wnrde, benutzte dies der nnermüdliche Korein, nm einen feurigen Appell an die Kaufmannschaft zn richten, einen weiteren Schritt im Interesse ihrer orthodoxen Genossen zn machen and Toleranz im wahrsten Sinne des Wortes zn üben : Er bewies, welch unermesslichen Schaden die gesetzestrene Kaufmannschaft dadurch bube, dass in vielen Städten die Wochennnd Jahresmärkte am Schabbos seien. Dadurch wird recht oft sogar die Freizügigkeit vieler Bürger beschränkt, da sie als Schabbos haltende Juden, in keinem Orte wohnen können, wo durch diesen Umstand ihre Existenzmöglicbkeit unterbanden ist. Viele, die der bittersten Not gehorchend, das jüdische Lebensgesetz zerbrochen, stehen moralisch gebrochen, im Innersten getroffen, vor ihrer Marktbnde am Schabbos. Es ist dämm eine moralische Notwendigkeit, dass wir den Zusammenbruch dbr jüdischen kaufmännischen Genossen zn verhüten trachten, and so weit wir es vermögen, za verhindern suchen. In Würdigung dieser Tatsache hat der Landesverband einhellig beschlossen, in dieser Sache ein Memorandum an *»n Handelsminister zu schreiben, und von ihm die Verlegung der kte auf einen Wochentag zn erbitten.

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