Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 10 u. 11 (Okbober-November 1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 85 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4874912-5428468-5428609--806-4875652- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Sabbath. 85 Dr. B i b e r f e 1 d. Der V. d. S. ist nicht in' der Lage, die Stellenvermittlung in seine Hände zu 'nehmen. Als unser Verband gegründet wurde, batte er zunächst damit zu kämpfen, dass die lokalen Vermittlungsvereine; gerade das fürchteten, dass der Verband sie lahmlegen r wolle. Erst nachdem hier ein Ausgleich erzielt worden 1 war, war es uns möglich, an die Gründung unseres Verbandes zu gehen. Nachdem wir mit Mühe und Not gezeigt batten, dass im Rahmen unserer Veraandsarheit die Stellenvermittlung verbessert worden ist, wird uns auf jedem D. T. der Voiwurf gemacht: Ihr vermittelt keine Stellen. Die Herren, die nun verlangen, dass unser Verband selbst die Vermittlung betreibe, würden nur erreichen, dass sich dieselben Vorwürfe dann direkt gegen unseren Verband erheben würden. Die Stellenvermittlungscentrale geht von dem Gedanken aus, dass sich Bewerber und Chef nicht direkt in Verbindung setzen sollen, sondern dass bei einer objektiven Stelle sich alle Gesuche und Vakanzen zusammenfinden, beide Parteien sich aber nicht kennen. Nun tat es die schwerste Aufgabe, unsere Kreise so zti erziehen, dass sie den Nutzen dieses Systems einsehen lernen. Ich habe von vornherein gewarnt, weil ich es für aussichtslos hielt, dass dieses Erziehungswerk gelingen könne. Die Praktiker auf der anderen Seite haben aber gesagt: Nur dieser Weg ist der richtige, nach und nach wird die Erkenntnis sich Bahn brechen, dass durch 1 unsere Methode die besten Erfolge erzielt werden. Ich kann in dieser Frage uicht Schiedsrichter sein und habe darum meine Zustimmung gegeben. Jetzt nun kommen fortgesetzt die Klagen 1 Die Herren von der Centrale könnten uns einfaefi sagen, das sind die Kinderkrankheiten, die jedes Unternehmen durchmachen muss, uni wenn sie uns das entgegnen, sind wir hiergegen vollständig machtlos. Wenn Sie den Beschwerden auf den Grund gehen, dann läuft es darauf hinaus, dass die Gegner des jetzigen Systems vermeinen, es liesse sich nach der alten Methode durch p e r 8 ö n 1 i c h e s Vorgehen mehr ei reichen. Da also eine Vereinigung der gegenüberstehenden Anschauungen nicht möglich erscheint, kann der Verband nicht deh Schiedsrichter spielen und muss es aus den angeführten Gründen auch ablehnen, selbst die Stellenvermittlung zu übernehmen. Es werden seitens der Herren Dr. K a h n-Mergent-; heim, W o 1 f-Frankfurt. Dr. R ot h s c h i 1 d-Halberstadt; noch Anregungen zu einer Verbesserung der Stellenvermittlung gegeben und dann folgender Antrag Poseni Berlin angenommen: -Ich beantrage Reorganisation der Stellenvermittlungscentrale unter Mitwirkung des Geschäfts!. Ausschusses. Eine Kommission tat hierfür ein-; zusetzen, die die Reorganisation im Einzelnen berät“. In die Kommission werden gewählt: Plessn&r- Posen, Frey han-Breslau, Z i mm t-Halberstadt, Cohn- Hamburg, G r a d e n w i t z - Berlin, W o 1 f - Frankfurt, E c k s t e i n-Nürnberg. Als Obmann wird Plessne* designiert. Hierauf wird die Debatte über den Geschäftsbericht mit Ausschluss der Stellenvermittlung fortgesetzt. Die Redezeit tat auf 5 Minuten festgesetzt. Möller -Altona: Der Verband könne nur vorankommen, wenn in den einzelnen Ortsgruppen mehr gearbeitet werde. Man solle weniger kritisieren und sich ernstlich überlegen, was zur ständigen Beschäftigung der Ortsgruppen geschehen könne. -j P o s e n-Berlin. Wir arbeiten mit M. 600.— Unterbilanz, das dürfte nicht Vorkommen. Man muss suchen, Ersparnisse zu machen, und die Ausgaben zu beschränken. Vielleicht könnte durch Verkauf der bisheF gratis abgegebjned Schriften eine Einnahme erzielt werden. Min * sollte festlegen, dass in Ortsgruppen allmonatlich Mitgliederversammlungen stattfinden. An der weiteren Besprechung über die Tätigkeit in den Ortsgruppen beteiligen sich: W o 1 f-Frankfurt, N a t h a n s o n-Berlin, Cohn- Berlin, Dr. C a 1 v a ry-Posen, G ro s s-Berlin, Xeub e rg e r-Berlin, W a g n e r-Berlin. L a z a r u s-Berlin weist auf die bisherige vielseitige /" Tätigkeit des V. d. S. auch auf praktischem Gebiet hin. j Die Erfolge der Peah-Institute seien auch auf das Conto! des Verbandes zu setzen. Die Ortsgruppen müssten selbst' praktische Vorschläge machen und nicht immer auf die_ Anregung von Berlin warten. Die Hauptsache aber sei, dass in in frühen Mutes ftleibe, und gerade der Delegiertentag solle dazu dienen, die Mutlosigkeit, die die Quelle der Untätigkeit sei, zu beseitigen. Dr. Biberfeld erklärt, (gegenübeneiner Anfrage von Plessner), dass das Centralkomitee sich in diesem Jahre nicht konstituiert habe. In der Diskussion seiea wenig neue Gesichtspunkte hervorgetieten. Es sei sehr zu bedauern, dass ein wirklich praktisches giosszügiges Unternehmen, wie es in dem vom. Geschäfts!'. Ausschuß ins Leben gerufenen Ausbildungs-Fond zu allgemeiner Mitarbeit gegeben sei, so wenig Bolen fassen konnte. Die Untätigkeit der Ortsgruppen hühe"sich hierbei erwiesen, denn sonst hätten jetzt schon für den Fond reichliche . Mittel vorhanden sein müssen. Es wirkte auf den Gesch. Ausschuss deprimierend, wenn er sich so enttäuscht sehen inüsss, und dieser Empfindung sei auch 2u einem Teile die Stagnation des- Verbands zuzuschreiben. Sie müssen drausseu mitarbeiteu, damit wir die Schwungkraft behalten und neue Begeisterung entlaßen können. Dem Gesch. Ausschuss wird hierauf vorbehaltlich des ltichtigbefunds der Kassenführung, Decharge erteilt. Schluss des. I. Verhandlungstages abends-87* Uhr. Die Teilnehmer am Kongress begaben sich hierauf ins Burghotel, wo sie nebst Freunden seitens der Ortsgruppe Berlin in Gemeinschaft mit den Gästen des Montefiore1 Vereins vom „Jugeudbuad“- bewirtet wurden und unter Anhörung launiger Vorträge bis Mitternacht gemütlich zusammenblieben. , Begrüssungs-Telegramme waren von der Ortsgruppe Posen und Herrn Aron Kober-Breslau eingelaufen. I ' II. Verhandlungstag, Qonnerstag, den 26. Dezember 1912. DeT stellvertretende Vorsitzende, Dr. Rothschild-' Halüerstadt eröffnet um 9V» Uhr die Tagung und stellt die eingegangenen folgenden Anträge der Ortsgruppen zur Debatte. Anträge der Ortsgruppen zum VI. Delegiertentag. Ortsgruppe F r a n k f u r t a. M. 1. Der Verbindstag soll nur alle 2 Jahre stattfindenv 2. Der Verband der Sabbatfreunde soll an alle jüdischen Gemeinden wirkungsvolle Plakate senden, "die in den Synagogen, Restaurationen etc. aufgehäogt werden sollen, und worin darauf hingewiesen wird: a. Dass Stellesuchende sich stets kostenlos an die Israelitische Stellenvermittlungs-Csntrale in Frankfurt a. M. wenden können, b. dass die Chefs bei Vakanzen der Israelitin Stcllenverruittlungs-Centrale Kenntnis gebe1 N 3. Dar Verband soll entschieden Stellur gegen die „Richtlinien“. _ . Berlin.- 1. Im Hinblick auf die Gefahren. Richtlinien der „Liberalen Vereinige-