Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 10 u. 11 (Okbober-November 1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I — 3 — Verstand tausend Einwendungen machen konnte, -r- Vergebens mühen sich heute die Gelehrten, des Rätsels Lösung zu finden, warum der jüdische Stamm unter unerhörten Katastrophen nicht schon vor Jahrhunderten zusammenbrach. Ich möchte sagen: „Was kein Verstand der Verständigen sieht, das ahnet in Einfalt ein kindlich Gemüt“. Die „Emunah“ war der Talisman unserer Väter, das unerschütterliche Gottvertrauen und der lebendige Wille zur eigenen Unsterblichkeit. — Die „Emuiiah“ geleitet auch unsere vertriebenen Glaubensgenossen im Osten an alle Ställen ihres Elendes und hüllt auch die Bettler in ihren Fürstenmantel aus Himmelbjau und Sternensehimmer. Von der „Emunah“ lassen sie nicht, und darum werden sie auch nicht verlassen sein. All unsere praktischen Bestrebungen zur Hebung des Judentums, Wohltätigkeit und soziale Fürsorge, Kolonisation und Organisation, wären vergeblich, wenn wir nicht das FVohgefühl der „Emunah“ in uns tragen würden, dass Israel in seiner Kleinheit und Schwäche ein Volk der Ewigkeit ist, wie Deutschland in seiner Grösse und Kraft.— „Wer ist wie der Ewige unser Gott, der so hoch und erhaben .. .wohnt und dennoch in die Tiefe li.iiiuntg'schaul, um vom Staube zu erheben den Armen und von» Schutte den Dürftigen?“ (Psalm r 13, Vers 0-7). Auch in unserm persönlichen Einzeldasein dürfen wir uns nicht von Gott verlassen dünken. Wir erleben ein ungeheuerliches Schauspiel. Die Menschen fallen zu Tausenden und Hunderltausenden, Dörfer und Städte gehen in Flammen auf; welchen Wert hat denn bei dieser Massenkataslrophe, so könnten wir fragen, die einzelne Menschenseele? Ist es nicht vermessen, an eine persönliche Schicksalsfügung zu glauben und sein Eintagsfliegendasein an den Thron der Ewigkeit heften zu wollen? Und da belehren uns die Weisen Israels yi einem herrlichen Bilde : Durch das Gefühl der „Emunah“ magst du dich getrost zu Gottes Thron emportragen lassen. Denn siehe, in eifter schwanken, hölzernen Stiftshütte offenbarte Er sich, — und Er blieb dennoch der unendliche Gott, dessen Herrlichkeit die Himmel und die Himmel der Himmel erfüllt. Keine Ehrung, sondern -eine Verringerung der Allmacht wäre es, wollten wir unser Einzelschicksal von ihrem Walten loslösen. Wir sind keine seelenlosen Staubpartikel und willenlosen Maschinenteilchen, in jedem Menschen schlummert der göttliche Funke und kann irrt Emunahgefühl zur Gottesflamme werden. —