Mannheim
Compact Memory

Der Sabbath · 1912-12-01 · 10 u. 11 (Okbober-November 1912) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
12 (1912)
Issue
10 u. 11 (Okbober-November 1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 2 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4874912-5428468-5428609--801-4875647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Es lässt sich gar nicht schildern, welche bedeutende, ja entscheidende Rolle dje Emunah in diesem Weltkriege spielt. Das gehört zu den sogenannten Imponderabilien, d. h. den Dingen, die nicht messbar und wägbar sind und dennoch ausschlaggebend in die Wagschale fallen. Ein Beispiel möge es veranschaulichen. Als die Tiroler Schützen, so erzählten mir Augenzeugen, bei Beginn des Krieges in die Täler niederstiegen^ da sangen sie ihre Abschiedslieder so rührend, dass den Zuhörern die Tränen übers Angesicht liefen, und dazwischen jubelten Sie: Was kann uns geschehen? Uns kann nichts geschehen, denn die Deutschen gehen ja mit uns! — Das war kein verstandesgeroässfes Klügeln, sondern hinreissende Emunahstimmung, unmittelbar auis der Seele geboren, grenzenloses Vertrauen auf die Bundestreue ^ind Wehrkraft des deutschen Volkes. — Und so oft wir in die gewaltige Melodie einstimmen: ,,Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten“, fühlen wir uns von der heiligen Emunah -j durchdrungen: In einem Kriege entscheiden letzten Endes nicht die schweren Moerser, nicht die zahllosen Maschinengewehre und auch nicht die stahlgepanzerten Ozeanungetiime. Dasjenige Volk muss als Sieger aus furchtbarem Ringen hervorgehen, in welchem der Glaube an die eigne Kulturmission am kräftigsten sieh regit und die grösste Opferfähigkeit auslöst, das Volk, welches vonj der Gerechtigkeit seiner Sache am ehrlichsten und nachhaltigsten durchdrungen ist. Eines hat dieser Weltkrieg heute schon besiegelt, nämlich den Untergang der materialistischen Weltauffassung; der Glaube, dass das Einmaleins auch die moralische Weltortbmng regiert, liegt in Trümmern, und in ewiger Klarheit leuchtet/ der altjüdische Satz : Nicht die Zahl entscheidet und nicht das Gewicht, der Geist Gottes, das ideale Momehiist es, welches den Ausschlag gibt. — ,,—' (Secharjah, Käpitel IV. Vers li.) Das haben wir ja reichlich erfahren in unserer eigenen jüdischen Geschichte. Bedeutungsvoll wird sie einjgeLeitet durch ein,, Emunahgefühl. Denn das Siegeslied, welches unsere Ahnen nach dem Unterggngder Aegypter im Roten Mees anstimmten, hat zur Ueberschrift: ,,Wajaaminu “. Sie hörten j in diesem weltgeschichtlichen Augenblick auf zu zweifeln und zu klügeln und waren durchdrungen davon, dass Moses, der Gesandte Gottes, sie in das gelobte Land führen würde, trotzdem der nüchterne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.