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Der Sabbath · 1912-12-01 · 10 u. 11 (Okbober-November 1912) · p. Seite 82

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Journal
Der Sabbath
Volume
12 (1912)
Issue
10 u. 11 (Okbober-November 1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 82 (sequence 4)
Language
German
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Der Sabbafh, 82 « Hierauf wird znr Bildung des Bureaus geschritten. Znm stellvertretenden Vorsitzenden wird Oberlehrer Pr. Rothschild-Halberstadt, zum Schriftführer Rabbiner Pr. Barobe rger-Wandsbeck gewählt. ti die Mand at sprüfungskomm ission werden die erren Referendar Moller-Altona, Eckstein-Nürnberg nd Edmond Lewy-Berlin bestimmt und als Revisoren werdegdie Herren S c h w a b-Frankfurt a. M. und Freyh a n - Breslau ernannt. Hierauf nahm der Vorsitzende das Wort zur Berichterstattung : .Meine Herren! Der Bericht, den ich Ihnen beute erstatte, soll keine Gesamtwördigung unserer Verbandstätigkeit umfassen, da im abgelaufenen Jahre die bisher betretenen Bahnen nicht verlas-en worden sind. Nur Einzelnes möge hier hervorgehoben werden. Vor alPm i«t der Geschäftsf. Ausschuss Rechenschaft darüber schuldig, wieso es korrmt, dass unser Delegierten! ag in Berlin abgehalten wird, anstatt, wie im Vorjahre bestimmt wurde, in Nürnberg. Das hat seinen Grund in den schweren Kämpfen, die die bayerische Judenheit durch dieTteschäftigung mit einer Revision der Judengesetzgebung bis in die tiefsten Tiefen aufrühren. In so erregten Zeitverhältnissen wäre es nicht angebracht gewesen, den Delegiertentag dort abzuhalten. Es war anzunehmen, dass die Erregung auch in unseren Verhandlungen nachzittern würde, wie sich schon bei den vorbereitenden Schritten Missverständnisse eingescblichen hatten, die ihren Ausdruck sogar auch in einem jüdischen Blatte fanden, die aber in loyaler Aussprache zwischen dem Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses und der dortigen Ortsgruppe ihre volle Lösung fanden. Es hat sich dohalb als wünschenswert herausgestellt, was sowohl von der Ortsgruppe Nürnherg als auch vom geschäftsfiihrenden Ausschuss für richtig erachtet wurde, in diesem Jahre Von einer Veranstaltung in Bayern abznsehen. Wir haben die Hofinung, dass bis zum nächsten Delegiertentag eine Beruhigung der Gemüter eingetreten sein jrird und betrachten dann den vorjährigen Beschluss als f ort bestehend. Ich hoffe, dass die Versammlung m s unter diesen Umständen Indemnität er- .töil-n wird, auch dafür, dass wir den Delegiertentag nach Berlin berufen hatten, da wir nur hier in der kurzen Frist die nötigen Vorbereitungen treffen konnten. Was nun die Tätigkeit des Verbands anbetrifft, so muss ich das Bekenntnis ablegen, dass sie nicht so erfolgreich war, wie in früheren Jahren. Doch hierfür mag die erste .Ursache eine erfreuliche sein. Die ersten Jahre nach der Gründung des Verbandes waren erfüllt von der schweren Sorge, die auf allen Gemütern lastete, nämlich von der Frage der Sonntagsruhegesetzgebung, mit ihren einschneidenden Wirkungen für alle im Erwerbsleben stehenden Kanfleute. Im Laufe der Jahre ist diese Besorgnis abgeklungen und wir dürfen es aussprechen, dass die Erkenntnis gewonnen worden ist, dass wir nicht zu fürchten haben, dass die Reichsregierung und die massgebenden Faktofen der Parlamente Beschlüsse fassen werden,’ die uns von vornherein znm Schaden gereichen werden. In der Vorlage der Staatsregierung ist anerkannt worden, dass eine Rücksichtnahme auf die schabbosbaltenden Elemente im Staatsinteresse gelegen sei. Dieser Erfolg, der nicht wegznlengnen sein wird, dass in einem offiziellen Gesetzentwurf anerkannt worden ist, dass auf die Schabboshaltenden Rücksicht genommen werden müsse, -tr auf die Tätigkeit unseres Verbandes zurückzuführen, hdem diese Aktion nunmehr aber in ein Stadium einn ist, in dem nach aussen hin ein Rubepnnkt er- ' -den ist, zeigt sich, nachdem der Ansporn von ein Abflauen des Interesses an unserer Verbandsarbeit, denn nnr wenige haben das Bewusstsein, dass gerade in ruhigeren Zeiten segensreich für die Sabbathbeiligung gewirkt werden muss. — Ein zweites Motiv für die eingetretene Stagnation ist darin zu suchen, dass die Gründung der „Agudas Jisroel* das Interesse von den übrigen Bestrebungen in der gesetzestreuen Judenheit abgelenkt bat. Es ist ja nicht zu leugnen, dass alle sich in ähnlicher Richtung bewegenden Bestrebungen sich gevrissermassen Konkurrenz machen müssen. Es ist im wesentlichen ja doch immer der gleiche Kreis, bald weiter, bgld enger gezogen, der für alle Veranstaltungen materiell in Anspruch genommen wird. Schon das IleraDtreten an immer die gleichen Kreise für Interessen des SSr führt dazu, dass das Neue das Alte zurückdrängt. Noch viel mehr aber ist das bei den weniger bemittelten Kreisen der Fall. Diese Erkenntnis muss uns aber ein Ansporn sein, hier bessernd einzugreifen. Ein Verband wie der unserige, der nur M. 2.— Jahresbeitrag fordert, und seinen; Mitgliedern durch sein Vereinsorgan, den Kalender und seine Schriften, doch auch wieder Werte zurückvergütet, sollte doch allerweiteste Krejse mit Leichtigkeit für sich gewinnen. Leider ist diese Erkenntnis bisher aber noch nicut Gemeingut geworden“. Redner geht dann auf Einzelheiten ein. Die Novelle für die reichsgesetzliche Regelung der Sonntagsruhe wird in dieser Session schwerlich die ge-, setzgebenden Körperschaften zu beschäftigen haben. Bis' zur Behandlung im Reichstag ist noch eine grosse Summe von Aufklärungsarbeit hinsichtlich der Schäden, die eine völlige Sonntagsruhe für sabhathhaltende Geschäfte haben müsste, zu leisten. Eine Voraussage über den Erfolg dieser Arbeit ist nicht am Platze und es lässt sich im; Angenblicke nnr das Vertrauen aus>precben, dass in den Kreisen der Volksvertreter ebenso wie in Regierungs- , kreisen die begründeten Ansprüche der Sabbathtreuen gebührende Berücksichtigung finden' möchten. Da eine Erweiterung des Flugblattes betreffs der , Gesetzbestimmungen für die Befreiung vom Schul-! unterricht und vom Schreiben am Schabbos lange geplant und auch Materialien gesammelt worden waren, so konnte eine neue Auflage in erweitertem Umfangt; dem diesjährigen Kalender beigegeben werden. Wegen Befreiung vom P fl ich tfor t.b i 1 dun gsnnterricht-am Freitagabend sind wiederholt Anfragen ergangen. Bisher konnte immer nur Zu; einer Verständigung mit dem betreffenden Schulleiter ge-! raten werden, da die bisher vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen die Teilnahme am genannten Unterricht nicht betreffen. (Befreiung vom Schreiben muss jedoch bewilligt werden.) Es ist zu hoffen, dass bei allgemeiner j Einführung des Pflichtforthildungsunterrichts — bisher besteht daneben auch noch freiwilliger Unterricht, Sonnj tagssobule etc. — eine ministerielle Entscheidung zu! Gunsten der sabbathhaltenden Lehrlinge erfolgen wird, j Von unberechtigtem Fernbleiben von dem pflichtmässigen I Unterrichte muss jedoch ernstlich abgeraten werden.! Der in dies« m Jahre bereits zum vierten Male er-! schienene Kalender hatte ausser der schon erwähnten i Sammlung der Schulgesetzgebung das von Herrn Dr. j Rothschi ld - Halberstadt auf dem vorjährigen Delegiertentag abgebaltene Referat: „DerSabbath als Erziehungsmittel“ als literarische Beigabe erhalten. Die Lektüre dieses so überaus gehaltvollen Vortrags beweist, wie richtig die Empfindung der Teilnehmer des Hamburger Delegiertentags gewesen ist, die in spontaner Begeisterung die Drucklegung des Referats beschlossen. In der Tat sind die erziehlichen Gedanken, die der Sabbath in jedem treuen Jaden anslösen muss, in einer populären und ansprechenden, dabei aber schwungvolle^ und begeisternden Weise dargestellt, berufen, weite Kreise über die Aufgaben und

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